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Liberales Judentum · 1913-03-01 · Heft 3 (März 1913) · p. Seite 50

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Journal
Liberales Judentum
Volume
5 (1913)
Issue
Heft 3 (März 1913)
Date
1913-03-01
Page
Seite 50 (sequence 2)
Language
German
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50 Herr Ar. WshLgemuth und die Nichtlinirn Nun kommt aber Herr Dr. Wohlgemuth und ruft uns triumphierend entgegen: „was ist es denn, wodurch man das Wesen einer Sache bestimmt? Nach der alten logischen Negel durch genus und differentia specifica, durch Feststellung des Vberbegriffs, unter den man das zu definierende bringt, und der das mehreren Dingen Gemeinsame in sich enthält einerseits, und durch die Angabe der unterscheidenden Merkmale, die nur diesem Dinge zukommen, andererseits. Auf das Judentum angewandt, bedeutet dies: Sein Wesen wird nicht dadurch bestimmt, daß man nur das allen monotheistischen Religionen Gemeinsame hervorhebt, denn das ist nicht das Wesen des Judentums, sondern dadurch, daß man zugleich auch zeigt, was ihm allein zukommt, wodurch es sich von den anderen unterscheidet. Die Bekenner (?) und die Gegner (!!!) des geschichtlichen Judentums sind nun seit Jahrtausenden darüber einig, daß dem Judentum eine besondere Eigenart zukommt, daß es nicht auf das Bekenntnis von Glaubensartikeln den Hauptwert legt, sondern auf die Regelung der Handlungsweise nach festen auf Gottes Willen zurückgeführten Normen, die in den Geboten und verboten der Thora (soll heißen: „des Schulchan aruch") niedergelegt sind. Wir vermeiden das Wort „Gesetzesreligion" gern, weil christliche Polemik diesen Ausdruck mit einen: häßlichen Nebensinn belastet hat, wie wir uns auch nicht Pharisäer nennen würden, obwohl wir stolz darauf sein könnten, den j) e r u s ch i m der Zeit R. Gamaliels zu gleichen. Aber daß sachlich diese Bezeichnung treffend ist, weil sie das wesentliche Unterscheidungsmerkmal hervorhebt, das kann nicht zweifelhaft sein." Alle Hochachtung vor Herrn Dr. Wohlgemuths „Logik". Aber wie der Herr Dr. von einem eigentümlichen Mißgeschick verfolgt wird, so oft er sich auf das Gebiet der Bilder und Vergleiche begibt, so müssen wir leider konstatieren, daß ihn dasselbe Unglück verfolgt, wenn er sich in das Reich der „Logik" begibt. „0suns" und .,viktsrentia speoitie a", in der Tat eine „alte logische Regel" von — einer unangenehm zwingenden Gewalt, aber — unangenehm nur für Sie, Herr Dr. Wohlgemuth! Wie sagten Sie doch? „Das Wesen des Judentums wird nicht dadurch bestimmt, daß man nur das allen monotheistischen Religionen Gemeinsame hervorhebt, sondern dadurch, daß man zugleich aufzeigt, was ihm allein zukommt, wodurch es sich von den anderen unterscheidet." Wie kommen Sie dazu, das Judentum nur den monotheistischen Religionen gegenüberzustellen? Ist denn das Judentum für Sie erst zur Zeit des Apostels Paulus oder zur Zeit Mohammeds entstanden? Ei, ei! Sollten Sie etwa zu den Bibelkritikern übergegangen sein? Soweit gehen fa die extremsten christlichen Bibelkritiker nicht einmal, wie Sie. So tief herunter haben nicht einmal die Wellhausen und Stade die Entstehung des Judentums gerückt. Weil es Ihnen gerade so paßt, darum existiert für Sie die ganze biblische Zeit nicht? Darum streichen Sie die ersten zwei Jahrtausende der israelitischen Geschichte? Wollen Sie wirklich 'die ganze biblische Zeit von Mose bis zu den Propheten und weiter bis zu Hillel als nicht vorhanden ansehen? Sie reden nur von einen: Judentum, das zur Zeit der monotheistischen Religionen lebt. Aber trat das Judentum nicht ungezählte Jahrhunderte vor Entstehung der monotheistischen Religionen, als Protest gegen das Heidentum, auf den Schauplatz der Geschichte? Und sollte nicht gerade in dem, was das Judentum vom Heidentum unterschied, sein Wesen zu suchen sein? Mancherlei hat das Judentum mit dem Heidentum gemeinsam. Gemeinsam mit dem

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