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Liberales Judentum · 1913-03-01 · Heft 3 (März 1913) · p. [Seite]

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Liberales Judentum
Volume
5 (1913)
Issue
Heft 3 (März 1913)
Date
1913-03-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Oberelles Judentum JTlonafsfchrift für die religiösen Interessen des Judentums herausgegeben van der Vereinigung für das liberale Judentum in Deuffdiland unter der Redaktion van Dr. Caefar Seligmann, Rabbiner in Frankfurt a. IR. No. z. Jaiirgong 5. Märr I9IZ. Uerr l)r. Woklgemutk und die Richtlinien, eine vorläufige Abrechnung. üon Rabbiner Dr. C. Seligmann-frankfurt a. ITl. III. Das Nrligisnsgesrtz und das Wesen des Judentums. Will der Herr Graf ein Tänzchen wagen. Mag er's nur sagen, ich spiel' ihm auf. Aus der Oper „Figaros Hochzeit." Wir haben gefunden, daß das Dogma der Thora min haschomajim, mit dem die Orthodoxie, soweit es die „Lehr e" betrifft, sich trefflich abzufinden weiß/) in Wirklichkeit erst da zum Dogma wird, wo es sich um die theoretische Begründung für „die ewige Verbindlichkeit des schriftlichen und mündlichen Gesetzes" handelt. Daraus ergibt sich die verblüffende Tatsache: Nicht weil die Orthodoxie an Thora min haschomajim glaubt, ist ihr das Religionsgesetz verbindlich, sondern weil ihri) das Religionsgesetz verbindlich ist, darum glaubt sie an Thora min haschomajim. Das primäre ist ihr allemal der Wille zum Religio n s g e s e tz. Wille zunt Religionsgesetz ist für die Orthodoxie gleichbedeutend mit 1) Vermittels eines Rationalismus, der im Grunde genommen, die Aufhebung der Orthodoxie in sich schließt. 2) Aus hier nicht näher zu untersuchenden Gründen, auf die wir zurückkommen werden. Siehe Seite 50. Wille zum Judentum. Darum das bei der Orthodoxie so häufig anzutreffende verächtliche Reden über „Religion", „Glauben", „ewige Wahrheiten", „sittliche Grundgebote"; darum das achselzuckende Abweisen alles „nicht Religionsgesetzlichen". Das ist es, was ich einmal mit dem Ausdruck: „r e l ig i ö s e Bedürfnislosigkeit" bezeichnete. Religiöse Bedürfnislosigkeit im Gegensatz zu zeremonieller Bedürfnislosigkeit, (vgl. Wohlgemuth. S. 59-) Hier liegt die eigentliche, wahre und wirkliche Divergenz zwischen liberalem und orthodoxem Judentum: Der Orthodoxie, nach Herrn Dr. Wohlgemuths Auffassung, ist das äußere Gesetz, das traditionelle Religionsgesetz, dem liberalen Judentum sind die ewigen Wahrheiten und das sittliche Gesetz das Wesentliche. Darum steht an der Spitze der Richtlinien der bedeutsame Satz: „Das liberale Judentum erblickt das Wesen der jüdischen Religion in ihren ewigen Wahrheiten und sittlichen Grundgrdotrn." Im Gegensatz zu dem orthodoxen Judentum, das das wesen der jüdischen Religion in seinem Neligiansgefetz, das heißt in feinem Zerrmonialgesetz erblickt.

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