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Liberales Judentum · 1913-02-01 · Heft 2 (Februar 1913) · p. Seite 46

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Journal
Liberales Judentum
Volume
5 (1913)
Issue
Heft 2 (Februar 1913)
Date
1913-02-01
Page
Seite 46 (sequence 22)
Language
German
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46 Rundschau: Rheda . v © o o tmrts"?, erläuterte derselbe die Grundge- 1 danken des Monotheismus, die rein und ungetrübt zu erhalten, die Aufgabe des liberalen Judentums sei. Bei aller Achtung vor der ernsten religiösen Ueberzeugung Andersdenkender müssen wir jede Weltanschauung ablehnen, welche sowohl die Einheit unserer Gottes-Idee, als auch den ethischen Charakter des Monotheismus irgendwie trüben könnte, von diesem Gesichtspunkte aus nehmen wir auch prinzipiell und entschieden Stellung gegen den Monis- 1NUS, der gerade in unserer Zeit die Geister zu verwirren droht. Es ist aber auch unsere Aufgabe, unsere Gottes-Idee von allen anthropomorphen Vorstellungen zu befreien, welche derselben noch immer anhaften. Indem wir dafür eintreten, daß unsere Religion so gelehrt wird, daß sie mit den Ergebnissen der Wissenschaft nicht in Widerspruch geraten und daß ihre Erscheinungsformen dem modernen Empfinden entsprechen, treten wir gerade für die Erhaltung des Judentums ein und setzen so das Werk unserer großen religiösen Denker fort, die zu allen Zeiten den Ewigkeitsgehalt unserer Lehre dem zeitgenössischen Denken zu erschließen, sich zur Aufgabe gemacht haben. Keineswegs vollziehe das liberale Judentum in diesem Bestreben einen Bruch mit der Tradition; zu allen Zeiten hat es Reformen im Judentum gegeben, wenn die Verhältnisse dies erforderten, und es kann nicht geleugnet werden, daß die geistige und wirtschaftliche Entwicklung der Neuzeit gebieterisch verlangt, Leben und Lehre in größere Harmonie zu bringen, wenn wir nicht wollen, daß das Leben, über veraltete Formen hinwegschreitend, auch den inneren Kern des Judentums zerstört. In wunderbar schöner weise erläuterte der Referent sodann den Begriff der Offenbarung in der Auffassung des liberalen Judentums, welche an die Vernunft keine unmögliche Zumutung stelle; zweifellos sei hier ein Gegensatz zu der orthodoxen Auffassung, aber die Verschiedenheit der Ansichten in diesem Punkte kann die Uebereinstimmung der beiden Richtungen in der Auffassung über das innerste Wesen des Judentums und die sittlichen Forderungen desselben nicht so beeinträchtigen, daß die bedauerlich scharfen Angriffeder orthodoxen Wortführer irgend eine Berechtigung hätten, wir Liberalen werden jedenfalls unbeirrt durch diese Angriffe, ruhig daran arbeiten, unsere religiösen Einrichtungen so auszubauen, daß jeder, der warmen Herzens sich zu den ewigen Wahrheiten des Judentums bekennt, in ihnen religiöse Befriedigung, Erbauung und Belehrung finden kann. In diesem Sinne erläuterte Herr Dr. Toblenz die Ausgestaltung des Gottesdienstes, das religiöse Leben in _ der Familie, die Erziehung der Kinder, die Fortbildung durch Lektüre und im Vereinsleben usw. und riß durch seine klaren und fesselnden Ausführungen, 'die von höchstem Idealismus getragen waren, die Versammlung zu stürmischem Beifall hin. Der Vorsitzende der Versammlung, Herr Rl. windmüller von hier, wies sodann in kurzen Worten darauf hin, daß es nichst Ziel der liberalen Bewegung sei, niederzureißen, sondern gerade zu erhalten und sprach sein Bedauern aus über die heftigen Angriffe von orthodoxer Seite, die eine Form angenommen hätten, wie man solche seither innerhalb des Judentums nicht gekannt habe, wir würden auf diese Angriffe nicht in gleicher weise reagieren, sondern den Geisteskampf führen nach dem Grundsätze: Fortiter in re, suaviter in modo. Alsdann kam als Vertreter der Orthodoxie der Vorsitzende des Komitees zur Abwehr der liberalen Richtlinien in Rheinland und Westfalen Herr Zahnarzt Ehrmann aus werden zum Worte, der die Ansicht verfocht, daß die Verschiedenheit in der Auffassung des Begriffes der Offenbarung und die sich hieraus ergebenden Konsequenzen so groß seien, daß ein Zusammenarbeiten beider Richtungen, ja eine Verständigung zwischen beiden unmöglich sei. Seine längeren Ausführungen (es waren ihm 20 Minuten Redezeit zugestanden) hinsichtlich deren wir anerkennen müssen, daß sie streng sachlich und zweifellos von ehrlicher Ueberzeugung diktiert waren, konnten der ruhigen und klaren Widerlegung des Herrn Dr. Toblenz nicht standhalten, und die lebhafte Zustimmung, die letzterem von der Versammlung zu Teil wurde, war ein Beweis dafür, daß die liberale Auffassung des Judentums ^diejenige ist, welche den Anschauungen dser

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