Liberales Judentum
- Journal
- Liberales Judentum
- Volume
- 5 (1913)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1913)
- Date
- 1913-02-01
- Page
- Seite 45 (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
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Rundschau : Areslau — Rheda 45 und sprach in fesselnder, oft tief ergreifender weise über das Wesen des liberalen Judentums und die Entstehung und Bedeutung der Richtlinien. In atemloser Spannung folgte man diesen glänzenden Ausführungen, die so manchesmal durch stürmische Zustimmung unterstrichen wurden. Der Beifall, der dieser Rede folgte, gestaltete sich zu einer förmlichen Ovation für den Redner, der die Kerzen aller Anwesenden so tief zu erfassen verstanden hatte. Die Diskussion, an der sich die Herren Rosenthal, Freudenberger, Dr. Riesenfeld und Rechtsanwalt Dr. Haas beteiligten, verlief in ruhigen Bahnen, war aber reich an interessanten Momenten. Das Schlußwort gab Herrn Rabbiner Dr. Freudenthal Gelegenheit, sich als außerordentlich gewandten und schlagfertigen Debatter zu bewähren. Und der positive Erfolg des Abends? Etwa 60 Teilnehmer der Versammlung meldeten ihren Beitritt zu einer Ortsgruppe der „Vereinigung liberaler Juden" an, die sich demnächst konstituieren und dafür sorgen wird, daß das erwachte Interesse für die jüdischen Fragen auch bei uns in Würzburg lebendig erhalten wird. Arr liberale Verein der Synagogen - gemeinde zn Kreslau (Ortsgruppe der Vereinigung für das liberale Judentum in Deutschland) hielt am Mittwoch, den 22. Januar er. im großen Saale der Lessingloge seine diesjährige Generalversammlung ab. Der Vorsitzende, Herr Sanitätsrat Reich, begrüßte die Erschienenen und gedachte zuerst mit warmen Worten der im abgelaufenen Jahre dahingeschiedenen Mitglieder, besonders liebevoll verweilend in der Erinnerung an Geheimrat Jakob Wöllstein, den einstigen ersten Vorsitzenden des Gemeindevorstandes und an das Ehrenmitglied Louis Burgfeld, hieran schloß sich ein erschöpfender Bericht über die Vereinstätigkeit und über die wichtigsten Vorkommnisse im Gemeindeleben, sodann über die posener Tagung der Vereinigung für das liberale Judentum, auf welcher Breslau gut vertreten war. Nach Erledigung der Formalien, nahm das Wort unser verehrter Gast, Herr Rabbiner Dr. vogelstein aus Königsberg i. pi\ zu seinem Thema: Die Richtlinien zu einem Programm für das .liberale Judentum. Nach einer eingehenden Rekapitulation der Entwickelung und der geistigen Kämpfe innerhalb des Judentums von der Prophetenzeit an bis auf unsere Tage, begründete Redner in anspruchsloser, flüssiger Form auf's Neue die zwingende Notwendigkeit für die erfolgte Richtlinien - Aufstellung und wies in überzeugender, maßvoller weise die zum Teil unerhörten Angriffe gegen diese Grundlagen weiteren Vorwärtsstrebens zurück. Lebhafter Beifall lohnte dem Vortragenden seine Mühe und bewies, daß die Versammlung sich völlig eins fühlte mit der Darlegung von berufener Seite und der Aktion der Vereinigung überhaupt. Der Schriftführer, Herr Alfred Bielschowskv, berichtete sodann von der rn den letzten Tagen erfolgten Gründung eines jüdisch-liberalen Iugendvereins, beglückwünschte herzlich die jungen Mitstreiter und gab der Hoffnung Ausdruck, daß beide Vereine gemeinsam, die Alten und die Jungen, mit allen Kräften die Förderung liberalen Lebens in unserer Gemeinde betreiben würden. Diesem Glückwunsch schloß sich namens des liberalen Vereins der Vorsitzende gern an und der neue Vorsitzende des jungen Vereins, Herr Referendar Fränkel, knüpfte an seinen Dank für die sympathische Begrüßung das Versprechen, daß der Iugendbund, wenn auch in anderem Kreise und unter anderen Verhältnissen wirkend, wie der alte Verein, stets gern zu uns halten und das beiden Vereinigungen gemeinsame Ziel niemals aus dem Auge verlieren werde. Die von etwa 1(50 Personen besuchte Versammlung wurde gegen Uhr geschlossen. Rheda. Am Sonntag, den 2. Februar fand Hierselbst eine Versammlung statt, in der Herr Rabb. Dr. Tob lenz aus Bielefeld über „die Richtlinien und ihre prak - tische Anwendung" sprach. Aus allen Nachbargemeinden — Gütersloh, Neuenkirchen, Rietberg, Oelde, Lippstadt — war eine große Zuhörerschar herbeigeeilt, die den hinreißenden Worten des Referenten mit voller Anteilnahme folgte. Ausgehend von der Frage „was ist das Wesen des Juden»