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Liberales Judentum · 1913-02-01 · Heft 2 (Februar 1913) · p. Seite 44

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Liberales Judentum
Volume
5 (1913)
Issue
Heft 2 (Februar 1913)
Date
1913-02-01
Page
Seite 44 (sequence 20)
Language
German
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44 Rundschau: Mürzburg O o O o - jbec, au die Mahrbeit! Gegenüber allen gegnerischen Vorstößen und Angriffen sei betont: Der Liberalismus bedeutet: Gegenüber dem Radikalismus die religiöse Gebundenheit, gegenüber der Rückständigkeit die zeremonielle Freiheit, in allem aber zuerst Die Liebe? Menu dieser Liberalismus den Sieg davonträgt, dann erst kann das Judentum seine Aufgabe erfüllen: das Fundament zu. sein des Gotteinheitstempels!' Die Anwesenden, die dem vortrage mit großer Aufmerksamkeit gefolgt waren, gaben durch lebhaften Beifall zu erkennen, wie gewaltig der Redner in ihr Inneres gegriffen und die Saite religiöser Begeisterung in Schwingungen versetzt hatte. — Der Zweck der versarnmlung ist durchaus erreicht worden. Alle Teilnehmer waren sich bewußt, reiche Anregung empfangen zu haben. Mehrere Herren traten der „Vereinigung des liberalen Judentums" bei. Ker Kampf um die Richtlinien in Mürzburg. Mit einem Schlage ist die Jüdische Bevölkerung Mürzburgs aus einem recht kräftigen und langjährigen Schlafe erwacht. Die Friedensliebe, aber auch der Indifferentismus der liberalen Kreise störte bisher die Zirkel der Orthodoxen nicht, obwohl diese letzteren seit Jahren in der Minorität sind. Ueber Rächt ist's nun anders geworden. vor einigen Machen hat der Ausschuß der Kultusgemeinde sich der bekannten Resolution der Berliner Gemeinde angeschlossen. Davon erfuhr inan in der Geffentlichkeit erst etwas, als eines Tages in der gelegensten Zeitung der Stadt eine öffentliche Protest Versammlung ausgeschrieben war. Gegen den Beschluß vom (5. Dezember vor. Jahres sollte .protestiert werden. Und jetzt fragte man gespannt: „Mas ist da beschlossen worden?" Da bekam inan nun allerhand zu hören: der Ausschuß habe seine Kompetenz überschritten, habe sich auf den Boden der „Richtlinien" gestellt, bringe Unfrieden in die hiesige 'Gemeinde u. dgl. mehr. Und was wurde erst alles von den „Richtlinien" behauptet! Gar häuftg konnte mau hören: sie wollen den Samstag auf Den Sonntag verlegen und ähnliches. Sicher war nur das eine: die Orthodoxen und zahlreiche Auch-Orthodoxe waren in großer Aufregung; am meisten die, die am wenigsten orientiert waren. In der Protestversammlung berichtete Herr Grünebaum (Nürnberg) über die Dinge wie er sie sieht. Man kann nicht behaupten, daß nach dieser Versammlung gründlichere Kenntnisse über den Inhalt und die Bedeutung der Richtlinien hier verbreitet gewesen wären. Da traten nun wir Liberalen auf den pkm und luden zu einer Versammlung ein, in der von berufener Seite Aufklärung gegeben werden sollte. Diese Versammlung hat am Sonntag, den $. Januar im Saalbau des Hotel Goldschmidt stattgefunden. Auf V29 Uhr war der Beginn angesetzt. Um 3A7 Uhr kamen schon die ersten Besucher. Vor 8 Uhr schon war der Saal überfüllt. Die Orthodoxie hatte ihren Heeresbann aufgeboten und war zahlreich vertreten. Sie hatte sich zwei Redner von auswärts mitgebracht, obwohl ausdrücklich nicht zu einer öffentlichen, sondern nur zu einer Versammlung eingeladen worden war und die Einladung rächt durch öffentliche Ausschreibung, sondern durch an alle Mitglieder der hiesigen jüdischen Gemeinde persönlich gerichtete Anschreiben erfolgt war. Mir hatten außerdem auf Anfrage erklärt, daß jeder Eingeladene Redefreiheit habe, daß wir diese aber einem Nichteingeladenen nicht gewähren. Und daran hielten wir fest und ließen uns auch Durch die angedrohte „Auswanderung nach dem heiligen Berg" nicht davon abbringen. Diese Auswanderung erfolgte — nicht zu unserem Leidwesen. Mir wollten diese Herren ja gar nicht bekehren und eines besseren belehren. So aber bekamen wir platz für unsere Gesinnungsgenossen; allerdings auch jetzt rächt genügend platz. Dutzende mußten mit einem Stehplatz fürlieb nehmen. Herr Rechtsanwalt Dr. Rosenthal eröffnete die Versammlung, indem er sich über Veranlassung und Zweck derselben verbreitete. Sodann referierte Herr Direktor G 0 m b r i ch - Nürnberg über die Entstehung und die Ziele der „Vereinigung liberaler Juden" in klarer und eindringlicher Sprache und forderte zur Gründung einer Ortsgruppe Mürzburg auf. Mit warmem Beifall begrüßt, erschien sodann Herr Rabb. Dr. | Freudenthal- Nürnberg am Rednerpult

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