Liberales Judentum
- Journal
- Liberales Judentum
- Volume
- 5 (1913)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1913)
- Date
- 1913-02-01
- Page
- Seite 41 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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Gedichte eines deutschen Inden 41 wohl übersehen konnte, daß es auch Leute geben könnte, die dasselbe empfanden, dasselbe erhofften und herbeisehnten wie ich. Wahrlich, da ivar auch nicht ein Tipfelchen an dem, was in dieser Versammlung gesagt wurde, den: ich nicht hätte beistimmen können, beistinnnen müssen. Jedes wort, das da non den Rednern gesagt wurde, ich bemühte mich, es ihnen schon vorher von ihren Lippen ablesen zu können. Ohne die Satzungen des Ili zu kennen, ohne überhaupt etwas näheres über ihn zu wissen, als das, was ich da gehört hatte, also als das, „was er wollte", meldete ich mich unverzüglich als Mitglied bei dem Vorstand an; denn wußte ich nicht genug von ihm, da doch das, „was er will", auch mein Wille ist, da doch das, was er erlx»fft und erstrebt, auch mein ganzes Soffen und Streben, auch meine Sehnsucht ist? K. Z. Cinkehr und flbroehr. Gedichte eines deutfchen Juden von €mil Spiegel. II. Mein Lied. Eure.Wege, die geraden, Rein, sie konnten mir nicht frommen, Bin auf schmalen, steilen Pfaden Erst zu meinem Gott gekommen. Trüb im Nebel blieb sein Bildnis Mir in langen, dunklen Jahren, Doch ich wand mich aus der Wildnis Zu der 1>öh' empor, der klaren. Anders schien mich zu berühren Jener Gott, den ich gefunden. Anders, als die Väter ihren In der Glut der Zeit empfunden. Und die Angst wollt' mich beschleichen, Ob er noch 'der Gott der Söhne, Ob das Lied vom Ewig-Gleichen Nicht verdrängt durch neue Töne. Nein, mein Sang, er ist kein neuer: Ueb ertönt durch stumpfes Beten Ward der alte nur, mit Feuer Einst gesungen von Propheten, von Propheten, deren Rlänge Unsres Geistes Flammen schürten, Unfern Blick aus dumpfer Enge herrlich in die weite führten. Die ihr nichts von dem vernehmet, was die Zeit herüber wehte, Nimmer mich darum verfehmet, Lallet weiter stumpf Gebete! Bleibet stehen an den Stufen, wo von Rindheit ihr gestanden. Aber mich laßt jene rufen. Die bei euch den Gott nicht fanden. Die, gebannt auf halber Höhe, Nie zum Abstieg sich verstünden, Ihnen möcht' ich Gottes Nähe Und den weg zu ihm verkünden. Jenen Weg zum Ewig-Einen, Den in gleichen Seelennöten Zwischen Dornen, zwischen Steinen Einst geschritten die Propheten.