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Liberales Judentum · 1913-02-01 · Heft 2 (Februar 1913) · p. Seite 40

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Liberales Judentum
Volume
5 (1913)
Issue
Heft 2 (Februar 1913)
Date
1913-02-01
Page
Seite 40 (sequence 16)
Language
German
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40 Gin Bekenntnis den „abgrundtiefen Abstand zwischen der dogmatischen Grundlage des gesetzes- Lreuen Judentums und der des liberalen" sind 'SU selbst hineingefallen als Kopher, als Sektierer, als Ketzer! Aber das kommt von der „unaufrichtigen" und „unverzeihlichen" Verdunklung des Tatbestandes, von der lvillkürherrschaft des nebelhaften Begriffes Thora min haschomajim! — — — Ueber die „Verschiedenheit in der Lebensführung" und „Die ewige Verbindlichkeit des jüdischen Religionsgesetzes" das nächstemal. 6n Bekenntnis. 3di weiß nicht, ob das, was ich hier niederschreibe, jemals an das Licht der Deffentlichkeit gebracht werden wird, und ich weiß auch noch nicht, ich muß es gestehen, was ich hier niederschreiben werde. Soll ich über mich schreiben, soll ich meinem Innersten Morte verleihen, oder soll ich mich mit dem Problem der Juden befassen? Im Grunde ist es alles gleich, alles würde mir selbst entstammen, der ich mich, ich möchte beinahe sagen, Tag und Nacht mit diesen Dingen beschäftige. Vor noch kaum 5 Minuten dachte ich noch nicht einmal daran, mich hinzusetzen und zu schreiben; ganz plötzlich kam es über mich mit unwiderstehlicher Macht; mechanisch ergriff ich die Feder, holte Tinte und Papier herbei, und — schreibe. Ich war neulich (am (0. Dez. v. I.)*) in der vom Jüdisch-Liberalen Jugendverein einberufenen Versammlung, in der auseinandergesetzt wurde, „Mas wir wollen", natürlich die Liberalen. Und erst da, wie drei hervorragende Redner in drei Referaten die Tendenzen und Zukunftsbestrebungen des Jüdisch-Liberalen Jugendvereins, oder ich kann sogar noch weiter gehen, und sagen, das Münschen und Hoffen der ganzen liberalen Indenheit, auseinandersetzten, da erst, sage ich, empfand ich so recht von Kerzen, daß dies alles mein innerstes Denken und Hoffen *) Der Aufsatz ist uns schon anfangs Januar d. I. zugegangen. D. Red. und Münschen und Sehnen ans Tageslicht brachte, daß das, was da begeistert ausgenommen wurde von einer großen Zuhörerschaft, meine Ideale waren, daß ich, wenn ich nur älter und reifer gewesen wäre, ebenso hätte dort auf dem Podium stehen können, und ebenso wie diese Männer, indem ich mein Innerstes offenbart hätte, die Bestrebungen, die Münsche, die Zukunftsgedanken derer auseinander hätte setzen können, zu denen ich eigentlich ja noch gar nicht gehörte. Denn war ich denn ein Mitglied jenes Vereins, der an diesem Abend auseinandersetzen ließ, was e r wollte. Gehörte ich 'denn überhaupt einem Verein an, der etwas derartiges erstrebte? Mas war ich denn bis zu diesem Abend gewesen? Nun wohl ein Träumer vielleicht, ein Mensch, der nicht gehört und nicht gesehen hatte, der blind und taub bis dahin durch die Melt gegangen war. Mie war es denn nur möglich, so fragte ich mich, daß ich bis dahin nie etwas gewußt hatte von den Menschen, die genau so dachten und fühlten wie ich? Daß ich noch nie etwas gehört hatte vom Iüd. Lib. Iugendverein? Nun, es lag wohl daran, daß ich, indem ich mir selbst m mir alles ausmalte, was komnren könnte und kommen müßte, indem ich mir selbst eine Meinung bildete, frei von jedem Ginfluß über die so wichtige Iudenfrage, nur mir selbst meine Ziele steckte, ich

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