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Liberales Judentum · 1913-02-01 · Heft 2 (Februar 1913) · p. Seite 36

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Liberales Judentum
Volume
5 (1913)
Issue
Heft 2 (Februar 1913)
Date
1913-02-01
Page
Seite 36 (sequence 12)
Language
German
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36 Herr Ar. Mshlgemuth und dir Richlliuirn C 0 u v und durften nicht abgeschafftwerden. Jedes wejesch nohagin,6 *) wejesch lebachmir T) und kol hamachmir towo olof berochoh 8) galt wie eine verpflichtende Gottesoffenbarung, und das Wort: Io sosur9) und der Grundsatz: en besäiu jochol lewatel diwre besdin chawero elo im ken godol mimenu bechoehmoh uweminjon10) und en leschannos minbag awoseou ll) wurden als Wächter vor das Heiligtum gestellt. Die schriftliche Modifizierung des jüdisch-religiösen Lebens zuerst im Talmud, dann in den mittelalterlichen Gesetzbüchern, vor allem im Schulchan aruch verwandelte den zeitgemäßen religiösen Brauch in ewig alle Nachwelt bindende Satzung. Dieses „Religionsgesetz" nennt die Orthodoxie Th au roh und ruft über jeden, der es praktisch oder gar theoretisch in Frage stellt sein ecrasez l’infäme und nennt ihn einen Thoraleugner. So sieht es aus mit der geschichtlichen und wissenschaftlichen Berechtigung zu dem verdammungsurteil der 200 orthodoxen Rabbiner: „die Richtlinien leugnen den göttlichen Ursprung der Thora und die ewige Verbindlichkeit des jüdischen Religionsgesetzes." Aber wie wäre es, wenn ich Herrn Dr. Wohlgemuth beweisen würde, daß er selbst und die ganze Orthodoxie nicht an den göttlichen Ursprung der Thora in seinem Sinne glaubt, daß diese ganze Theorie ein wissenschaftlicher Wahnsinn ist, ein Selbstbetrug. 6) So pflegt man zu tun. ') Man soll erschweren. s) Wer erschwert, auf den komme -Legen. 9) Du sollst nicht abweichen (von dem, was die Rabbiner sagen, nicht nach rechts und« nicht nach links). 10) Keine rckbbinische Behörde kann dasjenige, was frühere Behörden eingeführt haben, aufheben, es sei denn, sie sei qualitativ und quantitativ größer. Man darf keinen Brauche der Vergangenheit rindern. Antworten Sie mir bitte, aber klar und bestimmt und ohne „wenn" und „aber"! Glauben Sie an jedes Wort, wie es in der Thora geschrieben steht? Und das müßten Sie doch, wenn die Thora auf übernatürliche weise vom Himmel herabgekommen ist. Glauben Sie, daß der liebe Gott im Paradiese bei. der Aühlung des Tages lustwandelte? Glauben Sie, daß Gott gesprochen hat mit ZtToie von Angesicht zu Angesicht, von Mund zu Mund? Glauben Sie wortwörtlich, daß Gott Himmel und Erde an sechs aufeinanderfolgenden Tagen geschaffen hat, die Pflanzen vor der Sonne? Glauben Sie, daß die Schlange im Paradiese und daß die Eselin des Bileam gesprochen hat, wie Menschen sprechen? Glauben Sie, daß der Prophet Jona drei Tage im Bauche eines Fisches zubrachte, daß Elisa Eisen auf dem Wasser schwimmen ließ, daß - die Sonne stillstand in Gibeon fast einen ganzen Tag, wodurch der ganze Planetenlauf gestört, die Ordnung der Tage und Jahre und der ganzen Natur aufgehoben wurde und jede astronomische'Berechnung zur Unmöglichkeit gemacht wird? Warum sollten Sie es nicht glauben? „wir,. die Vertreter des gesetzestreuen Judentums," so erklären Sie ja in Ihrem bereits erwähnten „Kommentar",^) „glauben (nur) an die in der Bibel berichteten wunder, wir sind der Meinung, daß Gott (nur) in Zeiten und bei Gelegenheiten, wo es sich um Sein oder Nichtsein der Grundlagen der jüdischen Religion, um Beglaubigung der gottgesandten Führer und Propheten unseres Volkes handelt, daß Gott (nur) dort das vor Aller Augen sichtbare wunder vollzog." Und müssen Sie es nicht glauben? Wollten Sie ungläubiger sein als der berühmte Göttinger Physiologe Rudolph Wagner, der einmal gesagt hat: „In Sachen des Glaubens l2) Die Vorträge des P. Erich Wasmann in Berlin von Dr. Josef Wohlgemuth Dozent am Rabbinerseminar zu Berlin. Seite 107.

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