Liberales Judentum
- Journal
- Liberales Judentum
- Volume
- 5 (1913)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1913)
- Date
- 1913-02-01
- Page
- Seite 32 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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32 O O o o Herr Ar. Wohlgemuth und die Richtlinien digend" empfindet, ist hier als Prinzip der Abrogation proklamiert" (nicht ganz wörtliches Zitat aus der Kritik des Herrn Dr. Ivohlgemuth). ' Nun ist unser Beweis nicht erbracht? Erbracht durch dieselbe Methode, in der Herr Dr. wohlge»»»uth seine Beweise führt? Ist unser Beweis nicht schlagend und überzeugend? Genau so schlagend und überzeugend wie die Beweise des Herrn Dr. wohlgemuth, daß unsere Richtlinien die Vorsehung leugnen, den Sabbat aufgeben, das Judentum christianisieren? II. Are dogmatische Aifferenz. Wozu der Lärm? Was steht dem Herrn zu Diensten? Eoethe's Faust. Das verdamrnuirgsurteil der traditionellgesetzestreuen und orthodoxen Rabbiner gegen die Richtlinien lautet in dem Punkt, in welche»» die beiden Erklärungen fast wörtlich übereinstnninen: „Die Richtlinien leugnen de»» göttlicher» Ursprung der Thora und die ewige Verbindlichkeit des jüdischen Religionsgesetzes". Herr Dr. wohlgemuth geht noch weiter und ,»ennt u»»s eine Gruppe, die sich vom Juden tu»»» loslöst und zu ihm in einen viel schärferen Gegensatz tritt, als zu ihrer Zeit die Samaritaner, die Iudenchristen und die Aaräer, den»» die genannte»» Sekten erkan»»ten doch den Pentateuch als göttliche Autorität an, während die Richtlinien in ih»n iw Wesentlichen nur eine Zusammenftellung „geschichtlich bedingter Glaubensvorstellunge»» und Erschein ungsfor »ne»»" sehe»». Mit Verlaub: So viel uns bekannt ist, habe»» sich die Iudenchristen u»»d die Raräer als beso»»dere Gruppe vom Gesamtjudentum ihrer Zeit aus eigene»»» willen losgelöst. „Der Scheidebrief, den das Iudenchristentum der Muttergemeinde zuschickte, ist »»och vorhanden; er fordert die jüdischen Anhänger Jesu auf, sich von 'den"''Stammgenossen völlig loszulösen." Ls »st der Hebräerbrief?) — Und die Aaräer sagten sich gleichfalls von den Rabbaniten los und enthielte»» sich ihrerseits des commercium und couuubium mit ihnen?) was die Samaritaner betrifft, so wäre»» sie von vornherein ein fremder Bestandteil in Israel. wir aber erklären feierlich in unseren Richtliirien rdievereinigungderliberalen Rabbiner Deutschlands tritt mit aller Entschiedenheit für die religiöse Einheit des 'Judentums ein. Sie weist deshalb die Behauptu»»g einer konfessionellen Verschiedenheit innerhalb des Judentum salsun w ahr und alle v ersuche einer Spaltung der Gemeinden als unjüdisch und unheilvoll z u r'ü ck. Und doch solle»» wir in einen viel schärferen Gegensatz zun» Judentum treten als die Sa»»raritaner, die Iudenchristen und die Karäer? Doch legen wir dem unwissenschaftlichen u»»d grundfalsche»» geschichtlichen Vergleich kei»»e»» allzu hohen Wert bei. Sonst wird Herr Dr. Wohlgemuth komme»» und uns sagen — wir kennen ja die Methode schon: Es kommt nicht darauf an, was die Herren erklären, sondern was wir herauslesen; „daher kann man auch nur mit einem Lächeln von der Erklärung Renntnis nehmen," daß wir uns nicht scheiden wollen. „Das erinnert," so meint Herr Dr. wohlgemuth, „an den Mann, der seiner Frau das Haus zur Hölle machte, der ihr das Leben bedrohte, ja öffentlich erklärte, daß *) S. Graetz, Gesch. i>. Juden IV2, Pag. 91. -) S. Fürst, Gesch. d. Karäertums I, P. 40 ff. n»»d Graetz, Gesch. d. Inden V, p. 181.