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Liberales Judentum · 1913-02-01 · Heft 2 (Februar 1913) · p. Seite 31

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Liberales Judentum
Volume
5 (1913)
Issue
Heft 2 (Februar 1913)
Date
1913-02-01
Page
Seite 31 (sequence 7)
Language
German
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Herr Ar. Mohlgewnth und dir Richtlinien 31 tagsarbeit gelte nicht, solange die volle Erfüllung an den wirtschaftlichen Verhältnissen scheitert; unser Paragraph, in dem wir klipp und klar sag-en, „jede Werktagsarbeit soll unterbleiben", gebe sich nur den A n - schein, die Werktagsarbeit am Sabbat verbieten zu wollen.") Und dieser Ulann hat den Ulut zu sagen: „Die Herren Unterzeichner sollen nicht sagen können, daß man die Richtlinien „d u r ch Unterstellungen mißhandelt hätte." Weil etwas so dasteht, deshalb glaubt Herr Dr. Wohlgemuth nicht, daß wir es so nieinen. Wie hätten wir es denn anstellen sollen, damit Herr Dr. Wohlgemuth es uns glaubt? hätten wir vielleicht schreiben sollen, daß die Werktagsarbeit anr Sabbat erlaubt sei, damit Herr Dr. wohlgemuth auf den Einfall käme, daß wir uns nur den Anschein gäben, daß wir dies erlaubten? hätten wir vielleicht das Wort Vorsehung und den „Gott der Gerechtigkeit und Liebe" nicht erwähnen sollen, danüt Herr Dr. Wohlgemuth aus unserem Schweigen schließe, daß wir daran glauben? Erinnert dieses ganze Verfahren nicht an die bösartige Anekdote von den zwei Juden, die sich im Lisenbahncoupö trafen. „Wohin fährst Du," fragt der eine den anderen. „Ich fahre nach Iarotschin," lautet dessen Antwort. Darauf der Andere: „Was lügst Du? Wenn Du sagst, Du fährst *) An einer anderen Stelle der Wohlgemuth'schen Besprechung, wo es dem Verfasser daraus ankommt, an den Ernst unserer Forderung der Sabbatrühe zu glauben, um von hier aus uns anzugreisen, da kann Herr Dr. Wohlgemuth auch anders; da schreibt er: „Mit dem Sabbat steht und fällt das Judentum, das ist nämlich auch die Meinung der liberalen Juden. Und „daß jede Werktagsarbeit unterbleiben soll" wird als unerläßliche Forderung des religiösen Lebens auch in den Richtlinien" hingestellt. Dieser eine Selbstwiderspruch charakterisiert schon an sich die ganze Methode. Alles wird ausgelegt, wie es gerade Gelegenheit gibt, den Gegner anzugreisen. Herr Dr. W will, daß wir Nihilisten sind, also müssen wir es sein. Gegen diese Methode sind wir machtlos. nach Iarotschin, glaubst Du, ich meine, Du fährst nach Arotoschin; nun weiß ich aber. Du fährst wirklich nach Iarotschin; was lügst Du?" Im Ernst. Rach der Ulethode des Herrn Dr. wohlgemuth mache ich mich anheischig, alles, aber auch alles zu beweisen. Sogar, daß Herr Dr. Wohlgemuth ein liberaler Anhänger der Richtlinien ist. Zwar er sagt es nichtausdrücklich; zwar er hätte es für unmöglich gehalten, daß ein ehrlicher Ulensch auf diese Idee komme; es ist auch von vornherein anzunehmen, daß er es nicht ist. Aber was tut das zur Sache? Daß in Wirklichkeit Herr Dr. Wohlgemuth ein verkappter Liberaler ist, geht aus „seinem Uommentar" hervor. Hat er nicht ein Buch geschrieben: „Die Vorträge des p. Erich Wasman in Berlin?" Und steht in diesem Buche nicht auf Seite 26: „Immer von neuem muß die Gesamtheit den Bestand ihrer religiösen Wahrheiten mit den tatsächlichen Ergebnissen der Wissenschaft vergleichen und durch diese Prüfung einerseits sich des unermeßlichen Wertes ihres Besitzes bewußt werden, andererseits alles Schädigende, das durch die Uleinung und den Brauch Einzelner sich eingeschlichen, ausscheiden?" „Tatsächliche Ergebnisse der Wissenschaft!" brrr! Also Wellhausensche Bibelkritik, Häckels Welträtsel, Nietzsches Philosophie. „Ulan weiß ja, was „diese Herren" unter tatsächlicher Wissenschaft verstehen." Und gar alles Schädigende, das durch die Weinung und den Brauch Einzelner sich eingeschlichen, ausscheiden! Ist hier nicht der subjektiven Willkür Tür und Tor geöffnet? Wer ist es denn, der den Einspruch darauf machen darf, zu entscheiden, was „schädigend" ist und ausgeschieden werden soll? „Es ist der Geist unserer in religiöser Hinsicht armseligen Zeit oder vielmehr der Herren eigener Geist, in dem unsere Zeit sich bespiegelt. Die Summe dessen, was eine Reihe liberaler Juden als „schä-

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