Liberales Judentum
- Journal
- Liberales Judentum
- Volume
- 5 (1913)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1913)
- Date
- 1913-02-01
- Page
- Seite 29 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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q a o o. 29 Herr Ar. Wohlgemuth und die Richtlinien ... Zu einer solchen Behauptung, so behaupten die Vertreter der Richtlinien .Don Herrn Dr. W. gesperrt!!), zwingt «uns die empirische und die Geistes Wissenschaft unserer Zeit. Die religionsgeschichtliche Auffassung hat nun das liberale Judentum ... aus den Ergebirissen der religionsgeschichtlichen Forschungen der christlich - liberalen Theologen übernonnnen. Die Lehre des liberalen Judentums verdankt dernnach ihr Entstehen der liberal-protestantischen, theologischen Wissenschaft... Nur kurz sei auf eine eigene Ironie des Schicksals ^verwiesen. In denl Augenblick, da die liberal-christliche Theologie sich anschickt, die ganze Grmldlage dieser religionsgeschichtlichen Auffassung, die Wellhausen'sche Theorie, die sie ein Menschenalter beherrschte, zu stürzen, errichtet das liberale Judentum seinen stolzen Neubau auf diesem sinkenden Fundament. lieber die beiden anderen Punkte, die uns Herr Dr. wohlgemuth als „Christianisierung" aufmutzt, über das „wesen des Judentums" und die „Stellung zum Religionsgesetz" werden wir noch zu reden haben. .. wir kommen zürn Schluß der Beleuchtung der „Methode" unseres Gegners. Und wir haben uns für diesen Schluß das alleroriginellste aufbervahrt. <Ls wäre zum Lächelt, wenn es nicht zum weinen wäre. Herr Dr. wohlgernuth ist nänrlich ein unübertrefflicher Spezialist auf einem ganz besonderen Gebiete. Cumbertand, der berühmte Gedankenleser, ist ein armer Schächer gegen ihn. Cumberland konnte die Zahle»! angeben, die man Ich gedacht hat, konnte die Stecknadel finden, die nran hinter ein Bild gesteckt hat. was will das gegen Herrn Dr.> wohlgemuth heißen! Herr Dr. wohlgemuth findet die Stecknadel hinter einen» Bild, die man nicht hingesteckt hat, Herr Dr. Wohlgemuth kann die Zahle»» angeben, die man sich nicht gedacht hat. Seine genialen Schlußfolgerungen betröge»» sich ungefähr in folgenden Gedankeng-ängen: Es steht das und jenes zux»r nicht Kommentar: x) „in ihrer Reinheit" ist mit starke»»» Nachdruck au diese Stelle gesetzt, dem» es gibt Religionen, die dem Judentum seine Existenzberechtigung bestreiten und sagen, wir sind anstelle des Judentums getreten (s. Lib. Jud. Jahrg. IV, p. 228). 2) Wir Rabbiner in unserer Eigenschaft als Lehrer u»»d Verkünder der autoritativen Religion hüben als solche nicht die Aufgabe Kritik zu üben und uns der Bibel gegenüber auf den Standpunkt der Kritik zu stellen (s. Lib. Jud. Jahrg. IV, p. 224). Den reiferen Schülern soll, vor allen» zu apologetischen Zudecken, tve»»n das Judentum von einer befangetlen, von fertigen Voraussetzungen ausgehenden evangelisch-theologischen Bibelkritik zu einer minderivertige»» Vorstufe einer gradlinig bis zur Gipfelhöhe des Christentums aufsteigenden Entwicklung herabgedrückt wird, gesagt »verden, daß um die Authentizität der Bibel ein gelehrter Streit entbrannt ist nsw. (s. Lib. Jüd. Jahrg. I p. 102). ausdrücklich in der» Richtlinien geschrieben. Ja es steht in den Richtlinien gerade das Gegenteil geschriebe»». Aber wir pfiffigen Leute, wir wissen es besser. U»»s macht man kein 3t für ein U vor. Hat nicht schon Talleyrand gesagt: „Die Sprache ist dem Menschen gegeben, un» seine Gedanken zu »verbergen?" Ls gehört viel Selbstüberwindung dazu, alle»» diesen bodenlosen Unterstellungen nachzugehen. Aber es ist notwendig, um die Methode des Geg»»ers, auf die er alle feine unerhörte»» Folgerungen aufbaut, bloßzustellen. In den Richtli»»ie»r herrscht die Tendenz, für alle Lehren den möglichst kurzen, lapidare»» Ausdruck zu wählen, alle Gedanken gleichsam in n»ice zu geben. So bedeutet für jeden nur halbwegs religionsphilosophisch Geschulten der Ausdruck: „Gott der Gerechtigkeit und Liebe" soviel als „Gott der Vorsehung", „Gott der richtenden Vergeltung" und „Gott der waltenden Liebe", was sollte „Gott der Gerechttgkeit und Liebe" denn a»»ders bedeuten? Zudem zeigt die später folgende Stelle, »wo die Richtlinien von der