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Liberales Judentum · 1913-02-01 · Heft 2 (Februar 1913) · p. Seite 28

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Journal
Liberales Judentum
Volume
5 (1913)
Issue
Heft 2 (Februar 1913)
Date
1913-02-01
Page
Seite 28 (sequence 4)
Language
German
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28 Herr Ar. Wshlgernuth und die Richtlinien o o o o lichen Fragen wird von Herrn Dr. Wohlgemuth „mit Hilfe des Kommentars der Richtlinien, der Jahrgänge der Zeitschrift „Liberales Judentum" in ehrliches deutsch übersetzt" und lautet nach seiner „Uebersetzung" folgendermaßen: „Für die jüdische Ehe werden alle Bestimmungen des jüdischen Religionsgesetzes aufgehoben." Und das wagt sich: „wissenschaftlich", „sachlich", „objektiv" zu nennen! Wo aber in den Jahrgängen der Zeitschrift „Liberales Judentum" nichts zu finden ist, woraus den Richtlinien ein Strick zu drehen wäre, ja wo vielleicht, wie wir gleich sehen werden, das „liberale Judentum" und die Richtlinien selbst just das Gegenteil sagen, da wandelt die üppige Phantasie des Herrn Dr. wohlgemuth ihre selbsteigenen j)fade und wird zur „göttlichen Erfinderin". Herr Dr. wohlgemuth will nämlich die These beweisen: „Das liberale Judentum steht, was seine religiöse Lehre anbetrifft, dem liberalen Thristentum näher, als dem geschichtlichen Judentum. Es hat die gleiche Auffassung von den geschichtlichen Grundlagen und der geschichtlichen 'Entwickelung der Religion im allgemeinen und des Judentums im Besonderen. Es teilt mit ihm im wesentlichen die Dogmatik. Es stimmt mit ihm in der Verwerfung des alles beherrschenden und grundlegenden Prinzips des geschichtlichen Judentums überein." Wohlgemutst. Die Auffassung von der Entstehung des Judentums ist . . . die religionsgeschichtliche, d. h. die Auffassung, daß die Religionen aller Zeiten und Völker und in gleicher Weise die jüdische, ihren Ursprung haben in geschichtlichen Zufälligkeiten, in der Entwicklung der Menschheit. Man beachte die — es fehlt mir die parlamentarische Bezeichnung — Beschuldigung, wenn die Antisemiten einem christlichen Gegner einen besonderen Hieb versetzen, wenn sie eine Sache tot machen wollen, so brauchen sie nur zu sagen: „Es ist jüdisch." Das ist in den Augen der Gesinnungsgenossen ein Schimpf, der in allen Fällen seine Wirkung tut. So ist der letzte Trumpf der „vornehmen" Herren Drthodoxen gegen uns und gegen unsere Richtlinien: „Thristianisierung des Judentums." Ich habe einmal in einer predigt anläßlich des Verbandstags der deutschen Zudem in Frankfurt gesagt: „wir sind müde, jedem Buben zu versichern, daß wir keine Mörder von Religionswegen sind." wahrlich, wir sind auch müde, der jüdischen Geffentlichkeit, der dieses Gift eingeträufelt wird, zu versichern, daß unsere Richtlinien keine Thristianisierung des Judentums sind. Ein gehässigerer Vorwurf ist wohl noch nie mit einem so armseligen Spinngewebe von sogenannten Beweisen begründet worden. Möge der Leser selbst entscheiden. Wir stellen im folgenden die betreffenden Stellen der „Richtlinien" und „ihres Kommentars, ^>en Jahrgängen der Zeitschrift „Liberales Judentum" auf der einen, die „Beweise" des Herrn Dr. wohlgemuth auf der anderen Spalte einander gegenüber: Richtlinien und „Liberales Judentum". Richtlinien: Die von der Vorsehung bestimmte Aufgabe Israels ist es^, feine Religion in ihrer Reinheit^) zu bewahren und zu verkünden. Die geschichtliche Grundlage der jüdischen Religion ist die heilige Schrift, sowie die von ihr ausgehende Weiterbildung des Judentums im na-chbiblischen Schrifttum, Talmud, rabbinischer und religionsphilosophischer Literatur bis' auf die Gegenwart. Die historisch - kritische Würdigung dieser Religionsurkunden ist der Wissenschaft des Judentums?) als eine ihrer Aufgabe zuzuweisen.

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