Liberales Judentum
- Journal
- Liberales Judentum
- Volume
- 5 (1913)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1913)
- Date
- 1913-02-01
- Page
- Seite 27 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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o o o o Krrr Pr. Wohlgrmuth und dir Nichtlinirn 27 sem Gebiet, die Zerfahrenheit. „Man hat geschwiegen, man hat geliebäugelt mit der Orthodoxie, man hat sich eingesponnen in die lebensfremde Romantik der Vergangenheit. Mas hat es genutzt? Sind unsere Gemeinden, unsere Juden frommer geworden? Sind sie von ihrem religionentfremdeten Lieben zurückgekehrt? fjat die Heiligung des Sabbats und der Festtage weitere Kreise gewonnen? Merden die religiösen Einrichtungen, für die man sich einsetzt, stärker benutzt und die Gebote strenger beobachtet?" .... Dazu kommt, daß bei einem großen Teil derer, die die alten Gebräuche noch halten, dies alles meist ein Tun ohne Glaube und Begeisterung ist, ohne innere Befriedigung, vielfach nur geübt aus mechanischer Gewohnheit oder aus äußerlicher Rücksichtnahme, aus M en s ch enfur cht, aber nicht aus Gottesfurcht. Das ist die wahre und eigentliche Zerrissenheit im Judentum, das ist der Zwiespalt, den nicht wir durch unsere Richtlinien schaffen, sondern nur endlich einmal aufdecken, um zu heilen, was zu heilen ist. . . . Der gegenwärtige Zustand ist ein sittlicher Notstand und legt uns die sittliche Verpflichtung auf, auf bisher unbeschrittenem Mege den versuch zu machen, ihm zu steuern." Und nun lese man die Broschüre des Herrn Dr. Mohlgemuth: „Mar die Aufstellung der Richtlinien," so fragt er, „für die Gemeinden, für' das Volk ein Bedürfnis?" „Die Antwort die darauf gegeben wird, ist eine unbewiesene Behauptung. Die Behauptung ist folgende: Ls herrscht unter den deutschen Juden ein quälendes Sünderbewußtsein. Aus Verzweiflung darüber, daß sie durch die Verletzung des Zeremonialgesetzes und ihren Unglauben hinsichtlich einzelner Dogmen ihr seelisches Heil ohnehin verscherzt haben, werfen sie sich dem Indifferentismus in die Arme. . . . Diesen verzweifelnden muß das Sünderbewußtsein genommen werden." Ein Kommentar zu dieser Art von Beweisführung ist überflüssig. Anstatt mit den angegebenen Hauptmotiven sich auseinanderzusetzen, hakt er sich an nebensächliches an und übergeht die Hauptsache mit Schweigen. Aber nicht nur mein Referat wird in der angeführten Meise für die Kritik gegen die Richtlinien ausgeschlachtet, sondern — was das Tollste ist — alle Minkel unserer Monatsschrift von der ersten bis zur letzten Nummer aller erschienenen Jahrgänge werden durchstöbert, um einen Indizienbeweis für unsere Bösartigkeit zu erbringen. Nun steht freilich jeder Nummer die Bemerkung vorgedruckt: „Meder die Vereinigung für das liberale Judentum, noch auch die Rodaktion übernehmen die Vertretung für jede Ansicht und jeden Vorschlag, die in den unter dem Namen ihrer Autoren erscheinenden Artikeln geäußert werden." Aber das geniert große Geister nicht. Die Feier des Sabbats und die Anfrechterhaltung der Institution der Beschneidung sind Dinge, die eigentlich in den Richtlinien stehen. Ja, die Richtlinien treten dafür mit ganz klaren und bestimmten Morten ein. Schade, denkt der Herr Kritikus, da könnte doch irgend ein naives orthodoxes Gemüt auf ».den Glauben kommen, die Liberalen wären gar nicht so schlimm, wie ich sie hinstelle. Mas tut der „vornehme" Herr? Er schreibt: „Daß in Mirklichkeit das Ziel des liberalen Iudentunrs die Verlegung des Sabbats auf den Sonntag ist, geht zwar nicht aus den Richtlinien, aber aus ihrem Rommentar, den Iahrgängender Zeitschrift „Liberales Judentum" hervor." Und in bezug auf die Beschneidung „weiß der Kundige ja aus der Lektüre der Zeitschrift „Liberales Judentum" Bescheid." Der für Jeden Kündigen klare paffus der Richtlinien über die eherecht-