Liberales Judentum
- Journal
- Liberales Judentum
- Volume
- 5 (1913)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1913)
- Date
- 1913-01-01
- Page
- Seite 23 (sequence 23)
- Language
- German
- Belongs to
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o o o o 23 Rundschau: Fandsderg a. M„ München pflege finden, die das Gemüt der Kinder mit religiösen Ahnungen, Gedanken und Empfindungen erfüllen. Geradezu ergreifend wirkten die Schilderungen, die Dr. Blumenthal von der Weihe der Festtagsabende bot. ZHU einem Gleichnis schloß er seine mit stürmischem Beifall aufgenommenen Darlegungen. Vor Rabbi Ismael fei eine Frau, deren Züge Spuren einstiger großer Schönheit zeigten, in alter abgetragener Gewandung mit der Rlage erschienen, ihr Gatte wolle sich von ihr scheiden. Der Rabbi hieß sie neue Moderne Kleider anlegen. Als sie in diesen' vor ihrem Gatten erschien, war er von ihrer Erscheinung entzückt und hatte seine Liebe wieder seiner Gefährtin zugewandt. So möge die Größe und Echtheit des Judentums in seiner freien und modernen Ausgestaltung allen denen zum Bewußtsein kommen, die es in seiner Enge und Beschränkung verkannten, und Liebe und Anhänglichkeit für den altgeheiligten Väterbund in den Gleichgültigen und Entfremdeten erwecken. Herr Dr. med. Frank vertrat in der Diskussion die Anschauungen, die in den vom „Mainzer Israelit" veröffentlichten Erklärungen der Orthodoxen zum Ausdruck kamen. Etliche Fragen, die er an den Referenten stellte, hatte dieser mit aller Offenheit beantwortet. Diese Erklärungen fanden erneut stürmische Zustimmung von Seiten der Versammlung. Eine Reihe von Neuanmeldungen für die Vereinigung des liberalen Judentums war die nächste Wirkung der Versammlung, deren großer moralischer Erfolg darin zu erblicken ist, daß viele erst durch das Referat auf die Ziele der liberalen Bewegung aufmerksam wurden und deren Bestrebungen würdigen und schätzen lernten. München. Am Dienstag, den 26. November \%2 hielt der Verein für die liberalen Interessen des Judentums in München im Nebensaale des Botels Treffler seine Hauptversammlung ab; wozu sich viele Mitglieder und zahlreiche Gesinnungsgenossen eingefunden haben. Nach herzlichen Begrüßungsworten des Vorsitzenden, Herrn Albert Landauer, gab der Schriftführer des Vereins, Herr Kommerzienrat Hermann Niedermeier, Aufschluß über die bisherige Tätigkeit und weiteren Aufgaben des Vereins. Dem eingehenden Rechenschaftsberichte war zu entnehmen, daß der Verein zur Zeit H20 Mitglieder zählt und insbesonders zu den bevorstehenden Wahlen zur Verwaltung der israelischen Kultus-Gemeinde am \5. beziehungsweise 22. Dezbr. a. p. wieder hinsichtlich Organisation und Agitation Stellung genommen hat. Schatzmeister, Herr Kommerzienrat Bühler, gab den Vermögensstand bekannt und erhielt unter Worten des Dankes für seine bisherige Tätigkeit Decharge. Sodann ergriff Rechtsanwalt Dr. Gestreich das Wort zu seinem Referat über den jetzigen Stand unserer Bewegung; Er machte dabei vornehmlich und eingehend den inneren Stand der jüdisch - liberalen Bewegung zum Gegenstand 'seiner Betrachtungen und führte aus, daß sich die Lntwickelungsstufe, bis zu welcher die Vereinigung heute gelangt sei, am besten erkennen lasse aus den Richtlinien und der Stellungnahme des posener Delegiertentages zu ihnen. Hieran anschließend legte Redner in verständlicher Weise den Geist der Richtlinien dar und wies nachdrücklich darauf hin, in welch schroffem Gegensätze die tolerante Gesinnung in den Richtlinien zu der geradezu haßerfüllten Art ihrer Bekämpfung durch die Orthodoxie stehe. Mit einem warmen Appell an die Hörer,, den liberalen Rabbinern die der Vereinigung gewahrte Treue durch ebenso treue und tapfere Gefolgschaft zu lohnen, schloß der Redner, welchem langanhaltender, großer Beifall gezollt wurde. Hierauf berichtete der \. Vorsitzende der israelitischen Kultusgemeinde, Herr Iustizrat Dr. Ofner in klarer, übersichtlicher Weise über alle Zweige der Tätigkeit des verwaltungsausschu'sses in den Jahren $^0—\ty\2; dieses eingehende Referat gab ein Bild über den Abschluß einer weitsichtigen, für die Gemeinde segensreich wirkenden Tätigkeit. Auch diesem Redner wurde für seine Ausführungen der verdiente Beifall. Sodann ergriff der letzte Referent des Abends, Herr Kommerzienrat Niedermeier, das Wort, um über die Organisation und Agitation zur bevorstehenden Gemeindewahl zu sprechen. Er wies vor allem darauf hin, daß dieses Mal angesichts der akuten Frage der Aenderung des Juden-