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Liberales Judentum · 1913-01-01 · Heft 1 (Januar 1913) · p. Seite 15

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Liberales Judentum
Volume
5 (1913)
Issue
Heft 1 (Januar 1913)
Date
1913-01-01
Page
Seite 15 (sequence 15)
Language
German
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o o o o Rundschau: Frankfurt a. M. 15 Die durchaus religiöse Tendenz und der maßvolle Lharakter der Richtlinien ist für feden gerecht und vorurteilslos Denkenden klar. Trotzdem aber hat die separatistische Orthodoxie gegen die Richtlinien e i n e n .k ü n st - lichen Sturm heraufbeschworen, der die Einheit des deutschen Judentums bedroht. Daß von der Trennungs-Orthodoxie dieser Sturm erregt wurde, kann nicht Wunder nehmen, da von feher ihr Lsauptbestreben darauf gerichtet war, das deutsche Judentum in zwei Konfessionen zu spalten. Aber es ist tief bedauerlich, daß auch der traditionell-gesetzestreue Rabbinerverband sich dem Vorgehen der von ihm früher bekämpften separatistischen Orthodoxie angeschlossen hat. Die beiden Rabbinerverbände haben sich zu Erklärungen Hinreißen lassen, die dem Liberalismus die Daseinsberechtigung bestreiten und ein orthodoxes Kirchenregiment aufzurichten persuchen. Aus den Erklärungen der beiden Rabbinerverbände seien folgende Lsauptstellen hervorgehoben: Aus der Erklärung des orthodox separatistischen Rabbinerverbandes: Religiöse Entscheidungen und Autorisationen liberaler Rabbiner haben keinen Anspruch auf Gültigkeit. Ein Zusammenschluß des überlieferten und liberalen Judentums in religiösen Dingen ist nicht denkbar. Zum Schutze der Reinheit desjüdischenFamilienlebens müssen Maßnahmen getroffen werden, die in jedem-Linzelfalle den Nachweis aller vom Religionsgesetz geforderten Vorbedingungen ermöglicht. Aus der Erklärung der traditionell-gesetzestreuen Rabbiner: Die Richtlinien zerstören die Grundlagen der Religion des Judentums. (!!) Religionsgesetzliche Entscheidungen und Autorisationen von solchen Rabbinern, welche sich zu den im Vorstehenden als destruktiv bezeichneten Grundsätzen bekennen, sind als gültig nicht anzuerkennen. Ein irn Sinne der „Richt- Elinien" erteilter Religionsunterricht bedeutet eine Gefahr für die füd. Zugend. (!!!) Gegenüber der aus diesen Erklärungen sich ergebenden Verkennung des Inhalts und der Tendenz der Richtlinien hat Herr Rabbiner Dr. Seligmann in einer am 30. November 1912 in der Hauptsynagoge zu Frankfurt a. TTl gehaltenen predigt den Standpunkt des liberalen Judentums zum Ausdruck gebracht. Wir überreichen Ihnen in der Anlage diese predigt. Aber auch wir, die wir, in treuer Anhänglichkeit an der Religion unserer Väter, seit langen Zähren in unsrer Vaterstadt für die Erhaltung und Weiterentwicklung eines lebensfähigen Judentums tätig sind, legen gegen diese Erklärungen und gegen den Geist der Unduldsamkeit, der aus ihnen spricht, Verwahrung ein. Wir weisen Jeden Versuch einer Aechtung der liberalen Rabbiner mit Entschiedenheit zurück und treten der Herabsetzung des mit so großem Erfolg auch von liberalen Rabbinern in den Frankfurter Schulen erteilten Religionsunterrichtes auf das schärfste entgegen, wir werden es nun und nimmer dulden, daß eine Alleinherrschaft der Orthodoxie zur Macht kommt, welche den Frieden der Gemeinden zerstört, die Einheit des deutschen Judentums zerreißt und die religiöse Gewissensfreiheit gefährdet. In der Frankfurter Gemeinde herrscht erfreulicherweise seit Jahren gegenseitige Duldung; zum Segen der Gemeinde haben beide Richtungen des Judentums innerhalb der Gemeinde zusammengearbeitet, wir finden es in hohem Grade betrübend, daß dieser weg einträchtigen Zusammenarbeitens verlassen worden ist. wir bedauern aufs tiefste den Kampf, der durch die Erklärungen der orthodoxen Rabbinerverbände und durch leidenschaftliche Protest Versammlungen heraufbeschworen worden ist. Wem das wohlunsrer Gemeinde, wem die Einheit des deutschen Judentums am Gerzen liegt, der muß mit uns bestrebt sein, allem Aufwühlen der Leidenschaften, allen Versuchen zu einer

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