Liberales Judentum
- Journal
- Liberales Judentum
- Volume
- 5 (1913)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1913)
- Date
- 1913-01-01
- Page
- Seite 14 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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14 Rundschau: Frankfurt a. M. o 0 o o Gegenerklärung erlassen habe, sei der Vorstand genötigt gewesen, in einer zweiten Erklärung die Uebergriffe der Gegner zurückzuweisen und öffentlich auszusprechen, daß die Unterzeichner der Richtlinien selbstverständlich ihre Anschauungen und Grundsätze'aufrechterhalten. Roll. Blumenthal empfiehlt dringend, die Richtlinien in Massenauflagen herzustellen und zu verbreiten, damit die gerecht urteilenden Gegner einsehen, daß der Liberalismus positive Arbeit zu leisten gewillt sei. schließlich wird der Vorstand beauftragt, die Vorarbeiten zur Behandlung der religiösen Einzelfragen, die sich aus den Richtlinien ergeben, in die Lsand zu nehmen. Freisinniger Verein für jüdisches Gemeindeleben in Frankfurt a. M. Am % Dezember \ty\2 fand im Saal des Kaufmännischen Vereins die General-Versammlung des freisi7inigen Vereins statt. Auf derselben referierte Herr Rabbiner Dr. Seligmann über: „Die Richtlinien zu einem programmfürdasliberaleIudentum und die gegen dieselben gerichteten Angriffe". An das Referat schloß sich eine sehr lebhafte Diskussion, an welcher sich die Herren Dr. Benario, Dr. Rudolf Geiger, Rabbiner Dr. Lazarus, I.-R. Dr. Auerbach, Dr. Mainzer, Dr. Ed. Baerwald und der Vorsitzende Dr. Arnold Baerwald beteiligten. Eine Resolution wurde angenommen, welche die Notwendigkeit des Eintretens weiter liberaler Kreise für die angegriffenen Rabbiner zum Ausdruck brachte. Der Vorstand wurde beauftragt die geeigneten Maßnahmen in die Wege zu leiten. Demzufolge wurde in der Vorstandssitzung beschlossen, eine aufklärende Zuschrift an alle Gemeindemitglieder in Frankfurt zu versenden und derselbe:! die in der Hauptsynagoge am 30. November \ty\2 gehaltene predigt des Herrn Rabbiner Dr. Seligmann beizulegen. Die genannte Zuschrift lautet: Frankfurt a. M., im Januar 1913. An die Mitglieder der israelitischen Gemeinde in Frankfurt a. M. Vor fünf Zähren hat sich die „Vereinigung für das liberale Judentum in Deutschland" konstituiert, um durch Verbreitung des religiös-liberalen Gedankens und durch Schaffung liberaler Institutionen dem Abfall und der Teilnahmlosigkeit weiter jüdischer Kreise entgegenzuwirken. Eine der wichtigsten Aufgaben, vor welche sich die „Vereinigung für das liberale Judentum" gestellt sah, und deren Inangriffnahme von den verschiedensten Seiten immer aufs neue dringend gefordert wurde, war die Aufstellung von Richtlinien zu einem Programm für das liberale Judentum. Diese Richtlinien würden von einer Kornmission angesehener Rabbiner ausgearbeitet und haben die Anerkennung und Unterschrift von 63 liberalen Rabbinern gefunden. Sie sind nunrnehr der Öffentlichkeit übergeben*) und von der arn 13. Oktober v. I. in Posen stattgehabten großen Delegiertenversammlung der Vereinigung für das liberale Judentum als „bedeutsame Tat und geeignete Grundlage einer kraftvoll zu entfaltenden Propaganda für das liberale Judentum" unter den Teilnahrnlosen und Entfremdeten, begrüßt worden. Denn die Richtlinien — das sei, um allen Mißverständnissen entgegenzutreten, vorweg mit allem Nachdruck betont — wenden sich nur an denjenigen, die dem orthodoxer: Judentum entfremdet sind. Diesen wollen sie ein Führer und Wegweiser seirr. Sie wollen die Schwankenden festhalten, die Entfremdeten wiedergewinnen und so ein neues reges jüdisches Leben pflanzen. Darurn lehren und fordern sie ein Judentum, das im Geist und im Kerzen der religiös gestimmten, gebildeten Iudenheit heute lebt oder zum Leben erweckt werden kann. Die Richtlinien stehen auf dem Boden des bistorischerr Judentums. Die großen und grundlegenden geschichtlichen Glaubenswahrheiten und religiösen Erscheinungsformen, die von je als das Wesentliche im Judentum angesehen waren, werden von den Richtlinien in aller Entschiedenheit aufrecht erhalten. *) Die Richtlinien nebst Referaten und Ansprachen aus den Rabbinerversammlungen und der Delegiertenversammlung (196 Seiten) sind zum Preise von 50 Psg. bei der Buchhandlung I. Kauffmann, Börnestraße hier, zu haben.