Liberales Judentum
- Journal
- Liberales Judentum
- Volume
- 5 (1913)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1913)
- Date
- 1913-01-01
- Page
- Seite 12 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/3126481-3126558-3126560--1343-3128153- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
12 Gedichte eines deutschen Juden vergeblicher Wider st and. Ja, die Ghettomauern sind gefallen Und das Licht des Wissens leuchtet allen! Glaubt ihr wirklich, es euch fern zu halten, Bergend euch in des Gesetzes Falten? Glaubt ihr wirklich durch die alten Zäune Zu verhindern, daß es drüber scheine? Frisches Leben sprießt aus frischer Erde Und noch einmal heißt's vom Licht: Es werde! Antitaufliga. Leben zeuget nur, was lebet, nicht vom Toten könnt ihr's fodern; Soll der Glaube Glauben zünden, muß er selbst lebendig lodern. Neue Brücken gilt's zu schlagen, neue Wege gilt's zu graben, wollen wir die Zukunft retten, wir, die wissen, was wir haben, wir, nicht unsre Abgefallnen, wir allein sind pflichtvergessen, Da sich jene nur entäußern dessen, was sie nie besessen, wir sind schuld, daß sie es sehen.in dem falschen Licht, dem trüben, wir sind schuld, wenn sie verwerfen, was sie nie gelernt zu lieben. Unsere Zugend. Alter Geist, wie alter Leib, Beide lieben dichte füllen, Beide bau'n sich ihre Welt Gern im Engen und im Stillen. Zugend aber liebt sich Licht, Luft und Freiheit aller Glieder. Licht und Luft in unser Saus Und ihr habt die Zugend wieder E pur si muove! Sie bewegt sich! Frei und offen sei's gesagt zu uns'rer Ehre: was wir kaum gewagt zu hoffen, sie bewegt sich, uns're Lehre! Viele Zeichen es verkünden: neue Rräfte frisch lebendig Zu dem Werke sich verbünden, und die Zahl, sie wächst beständig. Me vom Tode schien beschlichen, sie erwacht aus ihrer Starre, Unsere Sorge ist gewichen, daß sie ewig drin verharre. Zn den Sarg des Buchs gebettet, schien sie ganz vom Tod bezwungen, Doch nicht lang mehr, und, gerettet, steigt sie aus den Niederungen. Sie bewegt sich, neue Bahnen wandelt sie dem Licht entgegen, Und vom Geiste uns'rer Ahnen weht's uns zu wie Gruß und Segen. Gute und schlechte Z u d e n. Dem „guten Zuden" alle Ehr', Rein Zweifel seiner Güte, Doch auch kein Zweifel: das Gesetz vernichtet manche Blüte. Geht einer durch der Zeiten Saal, Er wird gar bald erkennen: Die schlimmsten Zuden sind es nicht, Die sie die schlechten nennen.