Liberales Judentum
- Journal
- Liberales Judentum
- Volume
- 5 (1913)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1913)
- Date
- 1913-01-01
- Page
- Seite 11 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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o o o o Gedichte eines deutschen Juden 11 Nicht, daß ich Glück von Dir erflehe. Daß Du nur bist, ist mir genug. Du bist der Tag, nach dem ich spähe, Erwachend aus der Sinne Trug. Wenn in dem Spiel von Lust und Wehe Das Uleer des Zweifels steigt und fällt, Du bist der Fels, auf dem ich 'stehe In allem Sturme dieser Welt. Lebendig Ja, begrabt nur eüern Gott im Worte, galtet Wache in dem Haus des Toten; Wir indessen schlüpfen durch die j)sorte, In den Tag hinaus, den goldig roten. tt. Nicht, was und wie mit mir geschehe. Nein, was ich soll, das frag' ich bloß; Du bist die Bürgschaft, daß ich gehe Nach einem Ziel, das rein und groß. Du bist die Ferne, bist die Nähe, Du bist das Dort, Du bist das Hier; Das Ganze, das ich nicht verstehe. Ich grüß' es, unerkannt, in Dir. r r G l a u b e. lind sieh' da! Den ihr für tot erkläret, Allwärts tritt er liebend uns entgegen; Während ihr mit Schutt sein Grab beschweret, Gibt er uns, den Sündern, seinen Segen. - K a mps. Der osf'ne Kampf läßt sich nicht ganz vermeiden. Wer ihn nicht mag, ist meist nur zu bequem; Die Sache gilt's von der j)erson zu scheiden. Der rechte Kamps ist auch Kiddusch haschem! Die schlimmste Partei. Klagt nicht ob der s)artei'n, der vielen. Sie sind bei Gott das Schlimmste nicht, Das Schlimmste sind die vielzukühlen, Die frei sich dünken jeder Pflicht. Die fest am Judentum zwar halten, Doch gar nichts tun, daß es sich hält. Und die das Erbgut so verwalten, Daß nichts mehr an die Enkel fällt. Weh' uns, wenn sie allein einst schalten, Wenn sie die einzige Partei! Dann sind wir zwar nicht mehr gespalten. Doch ist's dann auch mit uns vorbei. B i b e l f o r s ch u n g. Aus der alten Väterweisheit uns ein tiefes Wort bewahrt ist: Totes wissen bleibt die Thora, die mit Arbeit nicht gepaart ist. Anders noch, als es gemeint war, werden wir es nehmen müssen: Mhne Arbeit an der Thora bleibt sie nur ein totes Wissen. „Seht, ich leg' euch vor das Leben", sagte Uloses zu den Seinen, Doch gerade dieses eben will man heute uns verneinen. Wo die Väter frei gewaltet, daß sie lebe und sich mehre, Will die Lehre uns erstarren und wir starren in die Leere. E s st e ht g e s ch r i e b e n. „Es steht geschrieben". Aus dieser Quelle . Wurden die Augen der Menschheit Helle. Ebendasselbe „Es steht geschrieben", Soll es sie-heute aus immer trüben?