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Liberales Judentum · 1913-01-01 · Heft 1 (Januar 1913) · p. Seite 3

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Liberales Judentum
Volume
5 (1913)
Issue
Heft 1 (Januar 1913)
Date
1913-01-01
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Zuur neuen Juhrgäug 3 zurück, im religiösen Fühlen himmelhoch uns überragen! wenn die Rabbiner des gesetzestreuen Judentums gegen die Verkündigung der neuen Religion (!) sich wenden, wenn sie offen aussprechen, was zu vertreten ihr Beruf, so kann das allein noch keine große Wirkung üben. Darum an Luch, Ihr „taten", Ihr Männer, die Ihr soviel der Treue zum angestammten Glauben opfert, die Ihr nicht selten Gut und Blut auf dem Altäre unserer heiligen Gesetze darbringt, die Ihr so oft den Namen Gottes geheiligt habt: Erhebet Luch und schart Luch um die Fahne! pfleget Rat, wie Ihr zur Abwehr schreiten sollt." „Als einst in Hamburg bei einer Prüfung der Schulkinder der Reformprediger Kley den Gottesnamen mit unbedecktem Haupte aussprechen ließ, da zerriß einer der Zuhörer sein Gewand. Und heute ist die gesetzestreüe Iud.enheit so tolerant geworden, daß sie ein Attentat, wie es die Geschichte noch nicht erlebt, stillschweigend hinnimmt." „Reinem der Herren (die die Richtlinien unterschrieben) wird auch nur ein Haar auf seinem Haupte gekrümmt. Und wenn die ersten starken Wellen der Erregung sich gelegt, dann wird in den Kreisen, die es angeht, wieder Ruhe einkehren und Frieden, Frieden. Und daß dem so ist, daß nicht die öffentliche Meinung wie ein Stürm emherbraust und die hinwegfegt, die ihre Hand gegen alles, alles, was dem frommen Juden heilig ist, erhoben, das ist das sicherste, das schlimmste Zeichen der schweren Krankheit unserer Zeit." Ist das nicht die Sprache eines Tapistrano, eines Großinquisitors, dem nur die Macht fehlt zu verbrennen? In welche schauerliche Tiefen eines wilden Fanatismus, eines Linas obinoin, eines grundlosen Hasses, durch den Jerusalem einst unterging, läßt uns diese Verirrung blicken! „Sie haben nichts gelernt und nichts vergessen." Das sind die Schriftgelehrten, von denen es heißt: „Ihr Biß ist der Biß des Schakals, ihr Süch der Stich des Skorpions, ihr Zischen das Zischen der Schlange und ihre Worte sind glühende Kohlen." Das sind dieselben, die einen Rabbi Elieser in Bann getan, die auf den Grabstein des Maimonides geschrieben haben: „Hier ruht Mose Maimonides, der gebannte Ketzer", die die deutsche Bibelübersetzung Mendelssohns mit ihren „Donnerkeilen" zerschmettern wollten. Im Talmud steht geschrieben: „So groß ist der Friede, daß, wenn die Israeliten selbst dem Götzendienste fröhnen, aber Frieden herrscht unter ihnen, es dem Allheiligen wohlgefällt." Der Liberalismus Im Judentum ist der Friede. Die Vereinigung für das liberale Judentum tritt, zusammen mit den liberalen Rabbinern, „mit aller Entschiedenheit für die religiöse Linheit des Judentums ein. Sie weist deshalb die Behauptung einer konfessionellen Verschiedenheit innerhalb des Judentums als unwahr und alle versuche einer Spaltung der Gemeinden als unjüdisch und unheilvoll zurück." Ls ist eine entscheidungsvolle große Zeit für den religiösen Liberalismus im Judentum. Wer für Linheit und Frieden, für Bildung und Gewissensfreiheit erglüht, der stehe nicht länger teilnahmlos abseits, sondern — ob Mann, ob Frau, ob Alt, ob Jung — trete zu unseren Reihen und st ä r k e uns und sich selbst durch sei - nen Beitritt zum liberalen Judentum.

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