Liberales Judentum
- Journal
- Liberales Judentum
- Volume
- 5 (1913)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1913)
- Date
- 1913-01-01
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Zum neuen Jahrgang Punktes, wirken wir. positiv für den Sieg unseres Gedankens"! Und damit dieses edle, großzügige Ziel, dieses religiös-sittliche Ideal der Trennungsfanatiker, dem der Rabbiner der Frankfurter Austrittsgemeinde in seiner Synagoge am Sabbat vor dem Versöhnungstag mit den schier unglaublichen Worten Ausdruck verliehen hat, die erste Frage, die der heilige Gott dem Juden im Jenseits vorlege,' laute: Bist du aus der Gemeinde ausgetreten? — damit dieses Ideal erreicht werde, scheute man sich nicht, in die Richtlinien „Vorstellungen und Bekenntnisse hineinzuinterpretieren, gegen die sich die Betroffenen mit vollem Recht entschieden verwahren", ja man ging auf orthodoxer Seite so weit, „alsdann auf diesen höchst hypothetischen Vorstellungen auch noch einschneidende Lntrechtungsparagraphen von prinzipiell unberechenbarer Tragweite für Kelal Israel aufzubauen." (Zitat aus dem oben erwähnten Artikel!!!) wir werden noch Gelegenheit) nehmen, die haarsträubenden „Lsineininterpretationen" in die Richtlinien ans Licht zu ziehen.*) Für heute nur noch eine Frage an die aggressive Orthodoxie, die dem Liberalismus das Leben innerhalb des Judentums mcht gönnen will: warum hat die Orthodoxie die von ihrem Begründer Samson Raphael pirsch ihr vorgezeichnete Richtlinie verlassen? Am $. April \853 hat er die schönen programmatischen Worte niedergeschrieben: „Friedlich hätte man uns unfern Weg gehen lassen können, wir haben die auf anderem Wege ihr Ls eil suchenden Brüder nie angegriffen und werden sie nie angreifen, wir sind überzeugt, das bessere, wahrere *) Aus Platzmangel mußte der Artikel: „Herr vr. Wohlgemuth und die Richtlinien. Eine vorläufige Abrechnung" für die nächste Nummer zurückgestellt werden. Teil ergriffen zu haben, — wir gestehen, provoziert, es offen, wir sind von der Ueberzeugung allerdings durchdrungen, unser Judentum als das allein wirkliche Judentum verehren zu dürfen — und wehe dem Juden, der selbst an der Wahrheit seines Judentums noch zweifelte, ünd nicht stark genug wäre, das bessere, wahrere zu ergreifen — wir sind überzeugt, mit unserm Streben nicht nur unser Heil, sondern auch das Heil der einst zum Bessern erwachenden Lnkel der uns jetzt entgegentretenden Brüder zu begründen. — Aber nimmer haben wir und nimmer werden wir diese Urbrrzrugung anderen aufdrängrn, haben nm dieser Keberzeugung willen andere nie angefeindrt und werden sie nie anfrindrn, wir erwarten den Sieg unserer Sache von der still und um so sicherer siegenden Kraft der lebendigen Wahrheit." Vierundzwanzig Jahre später schrieb der Sohn von S. R. pirsch, Direktor Wendel pirsch, in demselben Sinne: „Wir stören nicht und greifen niemanden an, wollen auch keinen hrrübrrzirhrn. wir wollen nur nicht gestört werden." Und heute stört, diese separatistische Orthodoxie fast jede positive Arbeit der deutschen Iudenheit. Sie ist eine Kampforganisation geworden, die immer weitere Kreise zu sich herüber zu ziehen bemüht ist und jeder anderen Richtung des Judentums die Daseinsberechtigung bestreitet. Sie peitscht die wildesten Leidenschaften der Massen auf gegen den Liberalismus und sät Haß und Zwietracht. Ist mit diesen Worten zuviel gesagt, wenn es in einer sich „wissenschaftlich", „objektiv" und „sachlich" nennenden Beurteilung der Richtlinien zum Schlüsse heißt: „wo lodern noch "die Feuersgluten, die Flammen des Göttlichen, wie sie unsere Alten beseelt, wie sie in jenen Männern Osteuropas glüht, die in der Kultur vielleicht