Liberales Judentum
- Journal
- Liberales Judentum
- Volume
- 5 (1913)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1913)
- Date
- 1913-01-01
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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rUonatsfdirift für die religiösen Tntereffen des Judentums herausgegeben van der Vereinigung für das liberale Judentum in Deutfdiland unter der Redaktion van Dr. Caefar Seligmann, Rabbiner in Frankfurt a. M. No. 1. Jahrgang 5. Januar 1913. Zum neuen Jahrgang. Van Dr. Seligmann-frankfurt a. 1TI. in bewegtes Jahr liegt hinter uns. Vor allem die letzten Wochen des Jahres standen unter Sturmzeichen. Für den religiösen Liberalismus bedeutet das Jahr \%2 einen Wende- und Höhepunkt. Aus einer langen Periode des Niederganges und der Unfruchtbarkeit hat er sich zu fruchtbarer Betätigung emporgerafft. Und dies eben ist es, was ihm nicht verziehen wird. Mochte die Teilnahmlofigkeit weiter jüdischer Kreise noch so erschreckend um sich greifen, mochte das gesetzestreue Judentum, trotz mancher organisatorischer Erfolge, in den Häusern und Kerzen der deutschen Juden zusehends von Geschlecht zu Geschlecht immer mehr zurückgehen, mochte die Schwäche des religiösen Liberalismus eine Gefahr für den Fortbestand des deutschen Judentums bedeuten — die Schwäche des Liberalismus mit ihren Begleiterscheinungen des Abfalls oder der Teilnahmlosigkeit, waren dem „gesetzestreuen" Judentum .trotz alledem lieber als die Erstarkung des Liberalismus. Gegen diese richtet sich der Sturm, der in den gegnerischen Blättern seit Wochen tobt. Kurzsichtiges Parteiinteresse, das sich hinter Dogmen und Schlagwörtern verschanzt, hat eine Brandfackel entzündet und die Leidenschaften bis zur Siedehitze entflammt mit der deutlich ausgesprochenen Absicht, das deutsche Judentum in zwei Lager zu spalten. Nicht unsere „Richtlinien", sondern ihre Trennungsgelüste sind die treibenden Motive ihres Verhaltens. Unsere Richtlinien sind nur der durchsichtige Vorwand zu ihrer aufteizenden Agitation. In einem unbewachten Augenblick hat der sonst so kluge Führer der Separatisten es verraten: „Niemals war die Gelegenheit in Deutschland günstiger als jetzt, im Augenblick der liberalen Richtlinien jede jüdisch fühlende Brust inmitten der Reformgemeinden für die Größe und Herrlichkeit wahrhaft jüdischen Gemeindelebens zu begeistern und sie zu uns zu rufen, an unsere Fahnen zu fesseln." In demselben instruktiven Artikel ist nicht von der Zukunft des Judentums, sondern von der „Zukunft des Austrittsgedankens" die Rede. „Der Austrittsgedanke — und von ihm hängt alles ab — ist eben in Deutschland bis heute durchaus nicht zum Siege oder gar zur Annahme gelangt; das ist aufs tiefste zu beklagen, läßt sich aber a l s T a t s a ch e nicht aus der Welt schaffen. . . Raffen wir uns auf, ich meine die überzeugten Vertreter des Austrittsstand^'