Liberales Judentum
- Journal
- Liberales Judentum
- Volume
- 4 (1912)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1912)
- Date
- 1912-12-01
- Page
- Seite 291 (sequence 23)
- Language
- German
- Belongs to
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Die Posener Uersammlnng 29 l hin mißverstanden worden. Ich habe nicht gesagt, wir sollen besondere Richtlinien aufstellen für die Rabbiner und für die Richtrabbiner, sondern ich habe nur referiert, mir sei von anderer Seite mitgeteilt worden, es sollen besondere Richtlinien für die Theologen und die Richttheologen aufgestellt werden. Ich habe sodann, anknüpfend an die Ausführungen des Herrn Dr. Seligmanri nach meiner Erinnerung gesagt: wir Rabbiner als Vertreter des objektiven Judentums haben die Richtlinien anfgestellt, aber die Richttheologen, als Vertreter des subjektiven Judentums, behalten sich vor, in eine ernste Prüfung derselben einzutreten, um danach ihre Entscheidung zu treffen, was ich gesagt habe, ist also vollständig in dem Anträge Blau enthalten. Damit, glaube ich, sind auch die im Laufe der Dehatte gegen nach gerichteten Bemerkungen erledigt. R a b b i n e r D r. Selig m a n n (Schlußreferat): weine verehrten Damen und Herren! Ich werde bei der vorgerückten Zeit Ihre Aufmerksamkeit nicht lange in Anspruch nehmen. Ich habe nur eine ganz kurze Erklärung abzugehen. Wir liberalen Rabbiner, die dieser Versammlung anwohnen, haben nicht das Recht, im Ramen der Vereinigung der liberalen Rabbiner zu sprechen; wir haben auch nicht das Recht, hu Ramen der 65 Rabbiner, welche die Richtlinien unterschrieben haben, zu sprechen. Infolgedessen können die hier anwesenden Rabbiner keine allgemein bindende Erklärung, weder für die Vereinigung der liberalen Rabbiner, noch für die Rabbiner, die die Richtlinien unterschrieben haben, abgeben. Lediglich jeder einzelne kann, als Angehöriger der Vereinigung für das liberale Judentum, zu der vorgeschlagenen Resolution für sich Stellung nehmen, wie es ihm sein Gewissen und seine Neberzeugung vorschreibt. Ich persönlich, und ich spreche auch im Rainen der beiden Herren wlitreferenten, der Herren Kollegen Freudenthal und Vogelstein, kann mich wohl auf den Standpunkt der Resolution, wie sie von Herrn Instizrat Dr. Blau vorgeschlagen ist, stellen . . . (lebhafter Beifall), vor allein darum, weil die Resolution in ihrem dritten Satze ausdrücklich erklärt, daß dieser Satz im Sinne d er von uns erstatteten Referate gemeint sei. Die beiden ersten Sätze der Resolution sind, glaube ich, ohne weiteres anzuerkennen. Der einzige Satz, über den eine Zwiespältigkeit in den Anschauungen der Herren Kollegen zu herrschen scheint, ist der dritte Satz. Dieser dritte Satz ist meiner Ansicht nach vom Standpunkte eines wirklich liberal Denkenden aus vollkommen berechtigt. Denn er enthält keine Ablehnung der von uns als religiös unerläßlich bezeichneten Vorschriften, er erkennt den liberalen Rabbinern, nach den Ausführungen der betreffenden Diskussionsredner das Recht — und, was ich von unserem Standpunkte aus hinzufüge, die Pflicht — zu, die liberale Iudenheit, vor allem die Jugend, für die von uns als unerläßlich angesehenen religiösen Pflichten zu gewinnen. Es will sich dieser dritte Satz aber wahren das höchste Gut des liberalen Wenschen, die Gewissensfreiheit, die auch wir liberalen Rabbiner unbedingt anerkennen. (Lebhafter Beifall.) Vorsitzende r: Die Rednerliste ist erschöpft, wir konunen zur Abstimmung. Ich beabsichtige so abzustimmen, daß ich zunächst hinsichtlich jedes der drei Punkte frage, wer dagegen ist. Dann wird die Sache sich kürzer gestalten. Der erste Punkt lautet: Die Vereinigung für das liberale Judentum in Deutschland begrüßt die aufgrund der Vorarbeiten der Fünfzehner- Kornmission von den liberalen Rabbinern aufgestellten Richtlinien als bedeutsame Tat und hervorragenderr Fortschritt auf dem Gebiete des religiösen Liberalismus in Lehre und Leben. wer ist dagegen? . . . niemand, das ist einstimmig angerlornmen. Punkt 2: Die Vereinigung erachtet die Richtlinieil als geeignete Grundlage ihrer Arbeit in der Richtung liberaler Weiterentwicklung und wird hiernach ihre Tätigkeit kraftvoll entfalterr. wer ist dagegeri? . . . niemaild.