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Liberales Judentum · 1912-12-01 · Heft 12 (Dezember 1912) · p. Seite 290

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Liberales Judentum
Volume
4 (1912)
Issue
Heft 12 (Dezember 1912)
Date
1912-12-01
Page
Seite 290 (sequence 22)
Language
German
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290 Are Pssener Uersammlung nimmt und Beschlüsse faßt. Diese Beschlüsse werden für uns liberale Rabbiner „unerläßlich sein, für die Mitglieder der liberalen Bereinigung immer nur als Richtlinien gelten, nach denen sie sich richten sollen, da ein Zwang, sie ausznführen, für niemanden besteht. D r. Salomonski - Frankfurt a. G. Uleine Damen und Herren, ich wende mich nicht an die Mehrheit der hier Bersammelten, sondern an ineine Herren Kollegen, die Rabbiner. Ich bin der Meinung, daß wir weise und im Interesse der liberalen Bereinigung handeln, wenn wir die Resolution für uns Rabbiner annehmen. (Bravo!) Ls ist von einem Rollegen, Herrn Dr. Goldmann, auf das Schisma hingewiesen worden, das aus nichtiger Ursache für unsere Bereinigung entstehen könnte. Ich möchte nicht, daß wir Rabbiner, die solange an der Materie gearbeitet haben, nachdem, wie heute anerkannt wurde, wir etwas Taugliches und Anerkennenswertes geliefert haben, unsererseits die ganze Sache zu Falle bringen, indem wir der Resolution nicht beiftimmen. Gerade weil wir unsere Richtlinien nicht für einen Schulchan Aruch Hallen, weil wir glauben, daß eine Aendernng sich als notwendig erweisen kann, deshalb bitte ich Sie, die wichtige Stunde zu nutzen, bitte ich insbesondere meine Herren Rollegen, die Resolution zu decken. Denn wenn nicht heute die Richtlinien hinausgehen mit einem doppelten Siegel, dem der liberalen Rabbiner und dem der Bereinigung, dann stehen wir vor einem Bankerott; dann höre ich schon das Triumphgeschrei — ich wäge ineine Worte wohl — der Ecclesia militans, der orthodoxen Hetzkaplläne — und der zionistischen Scharfmacher auf der anderen Seite! Wir haben mit vornehmem Takt jeden Eingriff auf Grthodorie und Zionismus in unseren Richtlinien vermieden. Und gerade deshalb wollen wir besonders die Verpflichtung fühlen: Ls handelt sich um einen Lebensschritt für den Liberalismus! Darum bitte ich Sie, meine Herren Rollegen, unterschreiben Sie die Resolution, die Ihnen an Ihrer Ueberzengung nichts raubt, die unseren Freunden von der liberalen Bereinigung ihre Ueberzengung läßt! (Stürmischer Beifall.) Rechtsanwalt D r. Rudolf Geiger: Meine Damen und Herren: Nur wenige Worte, denn das Meiste von dem, was ich sagen wollte, hat mir der Herr Borredner schon weggenommen. Ls ist vorhin in privatbesprechungen zum Ausdruck gebracht worden, daß man sich auf die Resolution Blau nicht einigen könne, weil damit den Herren Rabbinern etwas „zugemutet" werde und weil man damit von den Richtlinien etwas „wegnehme". Das ist ein grundlegender Irrtum. Das ist gerade der Unterschied zwischen der Stellungnahine, die die Herren R a b b i n e r einnehmen und der einschränkenden Stellungnahme, die w i r zu den Richtlinien einnehmen müssen. Meine Herren, in den: Beschluß, den wir vorgeschlagen haben, muten wir den Herren Rabbinern garnichts zu. Wir wollen auch von den Richtlinien nichts wegnehmen; wir haben alle Sonderwünsche zurückgestelll, die Richtlinien sollen so, wie sie sind, als Richtlinien der R a b b i n e r in die Welt gehen, und somit sind die Rabbiner gewissermaßen von uns autorisiert, auf Grund derselben zu arbeiten, zu predigen und auch die Jugend zu gewinnen. Mehr können Sie nicht verlangen. Aber die Herren Rabbiner können uns auch nicht zmnuten, daß wir die Richtlinien von der ersten bis zur letzten Nummer, mit allem, was darin steht, als unantastbar und verbindlich für die Bereinigung und für jeden Linzelnen von uns ansehen. Schließlich hat man doch auch noch ein Selbstbestimmungsrecht; man darf sagen, das ist für mich bindend, und das nicht. Und etwas anderes will die Resolution ja nicht zum Ausdruck bringen. Wir muten mit ihr den Herren Rabbinern nichts zu, wahrend, wenn wir die Richtlinien heute als Richtlinien der B e reinig u n g annehmen würden, u n s etwas Unmögliches zugemutet würde. Wenn Sie von diesem Gesichtspunkte ausgehen, meine Herren, so müssen Sie der Resolution znstimmen. Dann wird dieser großen Tat auch ein großer Lrfolg beschieden sein. (Lebhafte Zustimmung.) B o r s i tz e n d e r: Zum Schlußreferat hat Dr. Seligmann das wort, die anderen Herren verzichten. R a b b i n e r D r. T o b l e n z (persönliche Bemerkung): Ich glaube, ich bin vor-

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