Liberales Judentum
- Journal
- Liberales Judentum
- Volume
- 4 (1912)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1912)
- Date
- 1912-12-01
- Page
- Seite 287 (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
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Nie Pssenrr Uersammlnng 287 Judentum auf einer anderen religiösen Basis, einer positiven, stehen muß. von unserer Seite wird ganz gewiß die Einheit nicht gesprengt werden. €s ist aber heute leider das Wort gefallen — ich weiß im Augenblick nicht, wer es gesagt hat —, in den und den Fällen, wenn gewisse Wünsche nicht erfüllt werden, werden viele Leute aus der liberalen Vereinigung austreten. Wir wehren uns gegen das Schisma, daß von der Mrthodoxie dem Judentum aufgezwungen werden soll; und darum dürfen wir in unseren Reihen auch nicht mit Austritt drohen und irgendwie ein Schisma propagieren. Ich glaube, daß wir durch einfache Annahme der Richtlinien vollständig allen Ansprüchen gerecht werden, und als Ergebnis dieser Versammlung soll öffentlich in alle Welt hinausgehen die Tatsache, daß wir liberalen Juden uns auf einen positiven, religiösen, verpflichtenden Boden gestellt haben. Als einzige Resolution können wir nur den Satz annehmen: Wir erblicken in diesen religiösen Richtlinien des liberalen Nab b in er v er b and e s die positive, verpflichtende Grundlage, die der liberale Jude in Zukunft anerkennen und befolgen muß! Rechtsanwalt Dr. Kaempferposen. Herrn Dr. Goldmann ist bei der Kritik des Antrages Blau ein schwerer Irrtum unterlaufen. Denn der dritte Absatz des Blauschen Antrages sagt nicht, daß es der persönlichen Prüfung und Ueberzeugung jedes einzelnen frei gestellt wird, wie er sich zu dem Gesamt inhalt der von dem liberalen Rabbinerverbande beschlossenen Richtlinien stellt, sondern nur, daß Ziffer IX dieser Richtlinien, der das religiöse Leben des einzelnen behandelt, der Prüfung und Ueberzeugung des einzelnen überlassen bleiben soll. Ich gebe Herrn Dr. Goldmann zu, daß es ein idealer Zustand gewesen wäre, wenn wir heute ohne jede Einschränkung hätten sagen können, die Vereinigung für das liberale Judentum billigt die Richtlinien Wort für Wort. Wir haben diesen idealen Zustand nicht erreicht, weil vorzugsweise im IX. Abschnitt der Richtlinien Sätze aufgestellt sind, die innerhalb der Vereinigung auf ernsten Widerspruch gestoßen sind, Herr Iustizrat Blau hat die Bedeutung der Sache richtig gewürdigt, als er in seinem Anträge alles das zusammenfaßte, was man als communis opinio der Vereinigung aussprechen kann, und was auch in der Auffassung der Herren Rabbiner, soweit sie vor Herrn Dr. Goldmann zu Wort gekommen sind, Ausdruck gefunden hat. Es ist heute von dem Herrn Generalreferenten das Wort vom objektiven und subjektiven Standpunkt der Religion gefallen, und Herr Rabbiner Dr. Toblenz hat, hierauf gestützt, gemeint, die Richtlinien wären durchaus billigenswert als Richtlinien der Rabbiner, aber die Vereinigung müsse sich selbst abweichende Richtlinien geben. Ich habe eine solche Schlußfolgerung aus "den Worten des fjerrn Generalreferenten nicht gezogen. Ich bin umgekehrt der Rkeinung, es wäre für die Sache der Vereinigung ein Unglück, wenn die Theologen und die Laien selbständig und unabhängig voneinander sich Richtlinien geben würden. Aus den Worten des Herrn Dr. Seligmann vom objektiven Standpunkte der Theologen, dem subjektiven Standpunkt der Laien und der zu ziehenden Diagonale, ergibt sich die Forderung: Schaffen wir Richtlinien, die den Beifall der Theologen und Laien finden können! Denn, der Liberalismus wird eine geistige Rlacht nur sein, solange Theologen und Laien Zusammengehen, (Sehr richtig!) und in dem Augenblick, wo sie nach zwei verschiedenen Polen auseinanderfallen, wird die positive Arbeit aufhören. (Lebhafte Zustimmung.) Deswegen bringt der Antrag des fjcmt Iustizrats Blau in seinem ersten Teile in unzweideutiger Weise zum Ausdruck, daß die Vereinigung für das liberale Judentum diese Tat als hervorragend und als einen 'Fortschritt auf dem Gebiete der Entwicklung der Religion betrachtet. Ich habe als Laienmitglied der Fünfzehner-Kommission sicherlich eine Reihe der übrigen Laienmitglieder hinter mir, wenn ich sage, daß uns nicht jeder Satz in diesen Richtlinien, namentlich im Abschnitt IX, gefällt. Aber die heutige Versammlung ist für die Entwicklung des liberalen Judentums zu bedeutsam, als daß einzelne Wünsche das Gelingen des Ganzen gefährden dürften. Kleine Herren, es war in der Zeit, da ich in der Fünfzehner-Kommission gearbeitet habe, für mich eine besonders freudige Erkenntnis, daß, soweit auch in einzelnen Fragen Gegensätze sich geltend machten, doch ein