Liberales Judentum
- Journal
- Liberales Judentum
- Volume
- 4 (1912)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1912)
- Date
- 1912-12-01
- Page
- Seite 282 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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28 2 Air Kosener Versammlung d ders an. wir wünschen, daß die allgemeinen Redewendungen in den Richtlinien z. B. „wir haben das Recht, wir haben die Pflicht, zu ändern, abzuschaffen oder auch neu zu schaffen", näher erläutert werden, was ist damit gemeint, wenn es bei dem Sabbat unter IX heißt: Lntgegenstehende, erschwerende Bestimmungen haben keine Gültigkeit mehr; oder wenn es weiter heißt unter X: Die Beobachtung aller weiteren, den Einzelnen betreffenden traditionellen Vorschriften wird dem religiösen Empfinden des Einzelnen überlassen? Was sind das für Vorschriften? Gehören dazu z. B. die Speisegesetze? Oder wenn es unter XI Nr. 7 heißt: Der Werktagsgottesdienst ist nach denselben , Grundsätzen wie der Sabbatnd Festgottesdienst würdig zu gestalten. Ist darunter auch z. B. zu verstehen, daß an einem Werktage, der bürgerlicher Ruhetag ist, auch ein solch würdiger Gottesdienst veranstaltet werden darf? — Das, meine Herren, sind die Punkte, auf deren Klarstellung man bei uns inr Westen, ich weiß nicht, ob auch anderswo, besonders wartet. Nach dem, was ich heute Morgen gehört habe, muß ich nun sagen, das erste und wichtigste ist, daß wir einheitliche Beschlüsse fassen; das erste und wichtigste ist, daß die Disziplin erhalten bleibt, und jeder seine Einzelwünsche, auch jede Ortsgruppe die eigenen Wünsche zurückstellt. Darum erkläre ich, und werde dafür nachträglich wohl die Genehmigung von meiner Ortsgruppe bekommen: Unsere Anträge soweit sie redaktioneller Natur sind, werden fallen gelassen; die Anträge, soweit sie mehr nach links gehen, werden gleichfalls fallen gelassen, was das „unerläßlich" angeht, so ist es durch den bserrn Kollegen Dr. Freudenthal genügend erläutert, und wenn es auch in den Zeitungen so erklärt werden wird, und die Mitglieder es glauben (Heiterkeit), so sind wir auch damit zufrieden. Ls bleibt da nur noch übrig, die deutliche Erklärung der allgemeinen Redewendungen, wie sie in unseren Rabbinerrichtlinien vorhanden sind durch Beispiele. Ich will aber, im Interesse des einheitlichen Zustandekommens unserer heutigen Beschlüsse, sogar auf diese Anträge heute verzichten, sodaß eigentlich gar keiner mehr übrigbleibt. (Bravo!) Nur hätte ich einen Wunsch, den ich an den vorstandstfsch richten möchte. Wenn einmal von uns öder von anderen Ortsgruppen Anfragen an den Vorstand der Vereinigung ergehen dahin, wie die Vereinigung über dieses oder jenes, was in den Richtlinien nicht deutlich gesagt ist, denkt, daß dann von Seiten des Vorstandes eine klare und deutliche Antwort gegeben wird, damit jedes Mitglied unserer Ortsgruppe Bescheid weiß. Denn das ist ja vorhin von Herrn Kollegen Eoblenz gesagt worden, und ich kann es nur bestätigen, wir sind ja ungefähr aus derselben Gegend: Wenn uns nicht von Vorständswegen entsprechende Aufklärung gegeben wird, dann stehe ich nicht dafür ein, daß unsere Mitglieder inr Westen bei uns Kleiben, sondern ich habe große Furcht, daß unsere Ortsgruppen, die wir uns geschaffen, in die Brüche gehen. Und das möchte ich unter keinen Umständen. Ich stelle also nochmals alle Anträge zurück und spreche nur den Wunsch gegenüber dem Vorstande aus, er möge uns in der weise zur Seite stehen, daß wenn wir Aufklärung haben wollen, sie uns gegeben wird, damit jeder weiß, woran er ist. Vorsitzender: Ich kann dem Herrn Vorredner das Versprechen geben, daß wir seinen wünschen gern Nachkommen und solche Auskünfte erteilen werden, die ihm und den anderen. Mitgliedern vollständig genügen. Prediger Dr. Rieger -Hamburg: Wenn wir nach dem Norden'schen Rezept und nach dem Vorschläge des Herrn Geigerverfahren wollten, so würden wir genau so nach Haus kommen, wie wir hierhergekommen sind, d. h. ^rit leeren fänden, ohne ein festes Programm. So dringend nötig also für den Fortschritt unserer Bewegung ein Programm ist, so ist es meiner Meinung nach doch unmöglich, die vorgelegten Richtlinien als solche anzunehmen. Sie sind theologisch und sachlich angreifbar; sie werden weder dem liberalen Judentum, noch dem Judentum überhaupt gerecht. (Lebhafter Widerspruch.) Das klingt scharf, und es ist mir peinlich, daß ich soviel Wasser in Ihren wein schütten muß. Das neue Programm bedeutet einen .neuen Schulchan Aruch anstelle des alten, und ich bezweifle, daß der neue besser als der alte ist. (Widerspruch.)