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Liberales Judentum · 1912-12-01 · Heft 12 (Dezember 1912) · p. Seite 280

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Liberales Judentum
Volume
4 (1912)
Issue
Heft 12 (Dezember 1912)
Date
1912-12-01
Page
Seite 280 (sequence 12)
Language
German
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280 O » o s Are Posenrr Versammlung Ihnen sollen wir die Sache überweisen, und Pflicht der Rabbiner ist es, von der Ranzel herab, in Wort und in Schrift und wo immer möglich den liberalen Gedanken im Judentum zu predigen, und sie sind es, die zuerst die Massen hinter sich cher ziehen müssen, nicht aber die Vereinigung. Diese kommt erst dann, wenn es Organisationen und praktische Arbeit gibt! (Sehr richtig!) Das zum ersten. Run der zweite Punkt, der insbesondere von Herrn Dr. Loblenz berührt worden ist. Die Vereinigung darf allerdings — damit bin ich vollkommen einverstanden — diese Richtlinien nicht einfach „annehmen", sie darf nicht sagen: was hier steht, sind „u n s e r e" Richtlinien, ist gewissermaßen „unser" Statut von Ziffer I—XIII, und dieses Statut soll maßgebend sein für unsere Mitglieder. Das geht natürlich nicht; denn da finden sich so viele Einzelheiten, die dem einen zu weit, dem anderen zu Wenig weit gehen; es fehlen so viele Einzelheiten, die der eine nicht darin haben will, die der andere aber vermißt, daß man das einem Verein von 6000 Mitgliedern nicht zumuten kann. Und, meine Damen und Herren, wenn sie die Richtlinien heute durch Majoritätsbeschluß in der vorliegenden Form als Richtlinien der Vereinigung „annehmen", also für alle Mitglieder als bindend hinstellen, so würde das allerdings ein Gewissenszwang sein; dann würde es dazu kommen, daß die Vereinigung für das liberale Judentum sich auf ein Gebiet begiebt, auf dem jedem Einzelnen nachgespürt wird, was er von den Richtlinien, Insbesondere aus der Ziffer IX, tut und glaubt und was er läßt oder nicht glaubt. U)enn wir das tun, so fahren wir mit vollen Segeln in das Lager des Rlerikalismus und tun das Gegenteil von dem, was liberal ist. Aber was wir tun können, ist, daß wir uns hinter die Rabbiner stellen und sagen: Diese Richtlinien sind ein ausgezeichneter Ausgangspunkt für unsere praktische Arbeit, sie sind zweifellos eine bedeutsame Tat und ein Fortschritt. Das wollen wir anerkennen und aussprechen; dann sind diese Richtlinien eine Grundlage, von der ausgegangen werden kann, ein Ausgangspunkt liberaler Entwicklung. Und in dieser liberalen Entwickelung wollen wir die Rabbiner unterstützen; auf Grund dieser religiösen Richtlinien, die dieRabbiner aufgestellt haben, und die auch Richtlinien der Rabbiner bleiben sollen, wollen wir uns praktisch betätigen, wie ich es vorhin mir zu skizzieren erlaubt habe. Das ist der richtige weg. Dabei begrüßen wir es dankbar, heute eine gewisse Milderung der Richtlinien in dem Vortrag eines der Herren Referenten insofern stattgefunden hat, als das Mort „unerläßlich" von Herrn Dr. Freudenthal — man darf wohl ruhig sagen — fallen gelassen, oder mindestens so erklärt worden ist, wie es gemeint war. Das ist gar keine Aenderung gegenüber dem, was die Rabbiner tatsächlich gewollt haben, und es ist richtig, wahier gesagt worden ist: „Man ist Jude ohne weiteres, schon von Geburt, unter gewissen Umständen kann man auch, ohne Beobachtung von Einzelvorschriften, ein „guter Jude" sein, und das, was von den Richtlinien im Einzelnen gefordert wird, ist nur dann notwendig, wenn man nach Auffassung der Rabbiner ein „frommer Jude" sein will. Meine Damen und Herren, ich bin der Ansicht, daß es unmöglich ist, heute an diesen Richtlinien etwa 'Einzelnes zu andern. Es ist ganz ausgeschlossen, daß in einer derartigen Versammlung, und in dieser Stunde, insbesondere nachdem so viel Rabbiner sich durch ihre Unterschrift festgelegt haben, die zum großen Teil hier nicht anwesend sind und sich nicht äußern können, — die liberale Vereinigung einzelne Aenderungen und einzelne Rorrekturen vornehmen kann; sondern wir können uns heute nur in irgend einer Form einheitlich zu dieser ganzen Sache äußern. Und deshalb bin ich der Ansicht, daß wir eine Form finden müssen, in der das möglich ist — und es ist möglich —, was ich vorhin umschrieben habe. Menn wir in der Vereinigung etwas erreichen wollen, so müssen wir den Rabbinern einen Resonanzboden geben, den nötigen Rückhalt, damit sie wissen, sie haben Gemeinden, auf die sie sich stützen können. Hier helfen keine Majoritätsbeschlüsse, sondern nur einmütige Kundgebungen, und . diese einmütigen Kundgebungen können nur auf der Basis erfolgen, daß wir sagen: wir wollen diesen Richtlinien als 'solche im Wesentlichen zu stimmen, jedoch

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