Liberales Judentum
- Journal
- Liberales Judentum
- Volume
- 4 (1912)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1912)
- Date
- 1912-12-01
- Page
- Seite 275 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Air Kssrnrr Versammlung 275 Sie erschienen sind. Ich bitte Sie, recht eifrig an unseren Beratungen teilzunehmen, aber zu bedenken, daß die Geister verschieden sind, daß sie aber herzlich Zusammenwirken müssen im Streben nach einer Einigung, damit etwas Gedeihliches aus unseren Beratungen hervorgehe. Und so wende ich mich jetzt zum geschäftlichen Teil unserer heutigen Verhandlung. Ich habe Ihnen mitzuteilen, welche Veränderungen bisher in unserm Kreise und welche Veränderungen in unferm Vorstände seit der Nürnberger Tagung entstanden sind. Sie alle wissen, wen wir am schmerzlichsten heute unter uns vermissen. Den Namen Vogelstein brauche ich nur zu erwähnen (die Versammlung erhebt sich von ihren Plätzen), um in allen Kerzen .wehmütige Gedanken wachzurufen. Lin Mann wie Vogelstein, der so aus innerster Ueberzeugung für das liberale Judentum gewirkt hat, wird niemals vergessen werden, wir sind ihm alle zum allerherzlichsten Dank verpflichtet, wir sehen sein Bild immer vor uns, was wir auch beraten mögen, wir können ihn nicht vergessen, denn er ist ein Teil von uns geworden. Ich danke Ihnen, meine Damen und Herren, daß Sie sich von den Plätzen erhoben haben. wir haben ferner aus unserm Kreise unseren lieben guten Kollegen Flörsheim- Dortmund verloren, Herr Flörsheim, der von Anfang an eifrig und tätig in seinem Kreise für uns gewirkt hat, ist leider sehr frühzeitig abberufen worden. Lr hat das Bewußtsein mit in das Grab genommen, zu jeder Zeit ehrlich das Beste gewollt zu haben wir haben ferner einen Mann verloren, der mit ganzer Seele bei uns gewesen ist, Herrn Justizrat Dr. Löb-Mainz, der bekannt ist wegen seiner starken Ueb erzeugungstreue, die er bei jeder Gelegenheit als Jude zum Ausdruck gebracht hat. Löb ist ein gottbegnadeter Redner gewesen. Sein Mund ist für uns immer geschlossen. Aus dem Vorstande ist endlich aresgeschieden unser Hamburger Kollege, Herr Lippmann. Der Umfang seiner sonstigen Arbeit ist so gewachsen, daß er sich nicht mehr stark genug fühlte, um für uns das zu leisten, was er gern geleistet hätte. Deshalb hat er gebeten, ihn vom Amt als Mitglied des Vorstands zu entbinden. Meine Damen und Herren! Anstelle derjenigen, die wir aus dem Vorstande verloren haben, find neue Männer getreten. Bei uns im Judentum hat es noch niemals an Männern gefehlt, wenn es galt, für das Judentum zu wirken. Und wir freuen uns mit ganzem Kerzen, daß für Vogelstein sein Sohn eintritt, der nicht nur in seinen Spuren wandelt, sondern die Gedanken und Gefühle seines Vaters von frühester Jugend in innerster Ueberzeugung übernommen hat. Anstelle des Herrn Flörsheim-Dortmund ist Herr Rechtsanwalt Dr. Katzenstein - Bielefeld getreten, der schon früher unser eifriges Mitglied gewesen ist; anstelle des Justizrat Dr. Löb-Mainz, ist sein Bruder, Justizrat Dr. Löb- Darmstadt, an Stelle des Herrn Lippmann Herr Dr. Tentler - Hamburg getreten, der auch schon vorher eifrig für uns gearbeitet hat. Wir begrüßen die neuen Mitglieder im Vorstande herzlich. von sonstigen Mitgliedern, die eifrig für uns gewirkt haben, haben wir verloren: Justizrat Frankenftein - Bielefeld, Justizrat Broda-Leipzig und Kommerzienrat Gallinger - Nürnberg. Frankenstein hat in Westfalen immer für die Juden gewirkt, Broda hat in Leipzig guf recht sprödem Boden eine recht schöne Ortsgruppe zustande gebracht, und was Gallinger geleistet hat, das brauche ich Ihnen, meine Herren, nicht zu sagen. Alle, die dahingegangen sind, werden in unseren dankbaren Herzen weiterleben. Nachdem der Vorsitzende die Namen derer, die ihr Ausbleiben entschuldigt, mitgeteilt und die eingegangenen Briefe und Depeschen verlesen hatte, fuhr er fort: Die Vereinigung hat in der Zwischenzeit viel und wenig geleistet. Sie hat viel geleistet in der Abhaltung von Sitzungen, sie hat wenig geleistet bei der Propaganda, sie hat ihre ganze Kraft und Tätigkeit auf die innere Arbeit der Ausarbeitung der Richtlinien gerichtet. Vorstandssitzungen haben nur drei stattgefunden, eine in Frankfurt a. Main und zwei in Berlin. Line große Anzahl von Beschlüssen der Vorstandsmitglieder sind aber durch Korrespondenz erledigt worden. Vorträge sind O gehalten worden. Außerdem sind eine Reihe von Rundschreiben an die Ortsgruppen erlassen und Anfragen an dieselben gerichtet worden, um Material