Liberales Judentum
- Journal
- Liberales Judentum
- Volume
- 4 (1912)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1912)
- Date
- 1912-12-01
- Page
- Seite 274 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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274 Aie Posenee Versammlung ihr auf und von dort habe sie das Oelblatt gepflückt." Ls ist wie ein Vorgeschmack des Paradieses, den das Bewußtsein bietet, das Gute und heilsame redlich gewollt und es mit der uns verliehenen Rraft und mit allem uns möglichen Lifer angestrebt zu haben. Auch wir werden von dem Bewußtsein getragen, daß wir ein hohes, heiliges Ziel anstreben, wenn wir darauf ausgehen, den Willen zum Judentum neu zu beleben, den Blut für unser Bekenntnis zu heben, die Freude und Lust an unserer Lehre und an unserer Vergangenheit zu erfrischen, die Treue für unseren Glauben zu festigen und die kalten, leeren Kerzen zu netzen mit des göttlichen Wortes erquickendem bstmmelstau. Wir wollen nicht schlaff und lässig zuschauen, wie immer mehr Früchte, und selbst verheißungsvolle, vom Baume des Judentums dem dürren Laub gleich abfallen; wir müssen tun, was wir können, solchen Verlusten vorzubeugen. Unsere Absicht ist lauter, nur auf dieses Ziel ist unser Auge gerichtet. Ob wir es erreichen, —was wir erreichen werden, das steht in Gottes Hand, zu dem wir vertrauensvoll unser Herz erheben. „Wir tun das Unserige, damit der Herr das Reinige tue?) Wir bauen auf seine Verheißung, daß er das Haus Jakobs nicht verlassen, nicht vergessen werde. Za, „Israel wird blühen wie eine Lilie und Wurzeln schlagen wie .der Libanon; seine Sprößlinge werden fortschreiten und seine Frische wird sein wie die des Oelbaumes." Amen. 5) Tanchuma zu Bamidbar Stichvers: pekod es bene lewi. Die Pofener Versammlung. Verhandlungen und öefdiäftsberidit. Nach dem stenographischen Protokoll der dritten ordentlichen Delegierten- und Mitgliederversammlung der Vereinigung für das liberale Judentum in Deutschland am Sonntag, den 13. Oktober 1912, 8^s Uhr vormittags, zu Posen, im Stern'schen Saale, wilhelmftr. 1. Anwesend sind \o\ stimmberechtigte Delegierte und Mitglieder aus allen Teilen Deutschlands. Einziger Gegenstand der Tagesordnung sind die von den liberalen Rabbinern in Deutschland aufgestellten „Richtlinien für das liberale Judentum." Kommerzienrat Hamburgerposen begrüßt im Namen der Ortsgruppe mit herzlichen Worten die Anwesenden und hebt hervor, daß es eine hohe Freude und Genugtuung für Posen sei, daß gerade diese Stadt auserwählt wurde für die bedeutsame Versammlung, in welcher die Richtlinien für das liberale Judentum zur Beratung stehen. Ls sei eine Legende, daß Posen eine überwiegend konservative Gemeinde sei; nachweislich bestehe die Gemeinde wenigstens zur Hälfte aus Religiös - Liberalen. Nachdem der Redner in vornehmer Weise die Angriffe, die in jüngster Zeit erfolgten, kurz gestreift hatte, schloß er mit dem Wunsche, daß die Beratung des Gegenstandes, an dem zwei Jahre lang die besten Geister beschäftigt gewesen, segensreich für die Entwicklung des liberalen Gedankens sein möge. Den Vorsitz übernimmt hierauf Iustizrat Breslauer -Berlin mit folgenden Ausführungen : Meine hochverehrten Damen und Herren! Ich eröffne die dritte Delegierten-Versammlung der Vereinigung für das liberale Judentum in Deutschland. Lin wichtiger Moment ist es, in dem wir hier im Osten zusammengekommen sind, um zu beraten, was für unser liberales Judentum Grundsatz und Richtlinie sein soll. Ich hoffe, aus dem Osten kommt das Licht, nicht nur für uns, sondern für das gesamte religiöse Judentum, das alle stürmischen Zeiten überdauert hat, das niemals unterdrückt worden ist, wenn es auch zeitweise bedrückt worden ist und das nach meiner innersten Ueberzeugung noch Bestand haben wird, wenn alle anderen geistigen Bewegungen längst dahingeschwunden sein werden. An dem Ausbau dieses Judentums mitzuarbeiten, dazu sind Sie, meine Damen und Herren, jetzt hier berufen. Ich begrüße Sie namens des Vorstandes der Vereinigung aus vollem Herzen. Ich danke Ihnen, daß