Liberales Judentum
- Journal
- Liberales Judentum
- Volume
- 4 (1912)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1912)
- Date
- 1912-12-01
- Page
- Seite 271 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Erklärung der Gemeinden — Predigt van Prof. Ar. Aloch 271 Erklärung äer Oemeinäen. wir sehen .uns zu folgender Erklärung veranlaßt: - h Innerhalb des deutschen Judentums bestehen die verschiedensten Anschauungen und Richtungen, die durch das Band der Jüdischen Gemeinde zu einer Einheit zusammengeschlossen sind. Diese unverbrüchliche Einheit kann weder durch Erklärungen liberaler Rabbiner noch durch Erklärungen orthodoxer oder traditionell-gesetzestreuer Rabbiner erschüttert werdeü. 2. Reiner Richtung im Judentum steht das Recht zu, einer anderen die Zugehörigkeit zur religiösen Gemeinschaft abzusprechen oder ihr den Makel religiöser Minderwertigkeit anzuhesten. 5. wir bedauern und mißbilligen, daß eine Anzahl von Rabbinern einer bestimmten Richtung für sich das Recht in Anspruch nimmt, religiöse Entscheidungen, Funktionen oder den Religionsunterricht der von den jüdischen Gemeinden erwählten Rabbiner als ungültig oder gefährlich zu erklären. % Bei der Wahl der Rabbiner tragen wir den verschiedenen, in der Gemeinde bestehenden religiösen Richtungen Rechnung und werden jedem Oorgehen entgegentreten, das geeignet ist, die Autorität unserer Rabbiner, welcher Richtung sie auch angehören mögen, zu beeinträchtigen. Berlin, den \. Dezember \%2. Vorftand u. ReprdfentantenDerfammlung zu Berlin. Vorftand der judifdien Gemeinde zu Frankfurt a. Ul. Dieser Erklärung schlossen sich bis jetzt an: Augsburg, Darmstadt, Köln, Königsberg, München, Nürnberg, Dffenbach a. M. weitere Gemeinden werden folgen. - Predigt — gehalten von Rabbiner j)rof. Dr. Bloch beim Festgottesdienst in f)osen am Sabbat Noach, 12. (Okt. I9I2. Borueb habbo bschem adonoj, berachnuchem mibbes adonoi“. „Gesegnet sei, wer im Namen Gottes kommt! wir grüßen euch vom Ganse des Gerrn." wir grüßen euch, die ihr hier erschienen seid als eine Ksnesijob ZebeKi 1686Ü6M sebomajim. „eine Oereinigung im Namen Gottes," die sich bestrebt, die religiöse Gleichgültigkeit, welche immer weitere, und wahrlich nicht die schlechtesten Schichten unserer Glaubensgemeinde zu ergreifen droht, aufzurütteln und den teilnamlosen Raltsinn gegen unser Bekenntnis in neue Wärme aufznlösen. „Im Namen Gottes", das ist und war ursprünglich ein biblischer Ausdruck, das Judentum hat ihn allmählich zu einem religiösen Begriff entwickelt, aus dem die Strahlen frommer Gesinnung und heiligen Eifers hervorleuchten, welcher alles, was seinen Lichtkreis streift und berührt, mit idealem Glanz vergoldet, verklärt und sittlich adelt, was in diesem Zeichen versucht, unternommen oder ausgeführt wird, das geschieht rein um seiner Sache willen, hält sich frei von unlauteren, selbstsüchtigen Beweggründen, bleibt fern von Eitelkeit, Scheelsucht, Oerbissenheit, geht darauf aus, Gott die Ehre zu geben und dem Wohl der Menschen zu dienen, trachtet darnach, den Namen Gottes zu heiligen und den Geist unseres Glaubens zu verherrlichen. Aber wie das Feuer zwei verschiedene Gestalten aufweist, die eine Flamme wohltätig und heilsam, erleuchtend und erwärmend, und eine andere Flamme trübe und qualmend, verheerend und verzehrend den Fleiß der Menschenhand, ebenso ist „im Namen Gottes" auch viel des Unheils angerichtet worden, „im Namen Gottes" sind Flamnien hervorgebrochen, welche die Menschen unsagbar gequält, ganze Oölker verwüstet, deren blutige (Opfer einstmals besonders die Bekenner des Judentums gewesen sind. Auch innerhalb unseres Glaubenskreises fehlt es nicht an wohlmeinenden oder anmaßlichen Schwärmern und Schwarmgeistern, welche sich nicht scheuen, „im Namen Gottes" das Feuer der Zwietracht allenthalben zu entzünden, zu schüren und die ohnedies schwache Widerstandskraft unserer Glanbensgenossenschaft, welche uns nur durch das einheitliche Zu-