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Liberales Judentum · 1912-10-01 · Heft 10-11 (Oktober 1912) · p. Seite 267

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Journal
Liberales Judentum
Volume
4 (1912)
Issue
Heft 10-11 (Oktober 1912)
Date
1912-10-01
Page
Seite 267 (sequence 51)
Language
German
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267 Nie Po jener Uersammlung — Ansprache Ar. FreudenthaL des Verstandes mit unserem Judentum verbindet, ihre Mitarbeit in einem jüdisch-liberalen Iugendverein betätigt, wir erkennen dankbar an, daß die Vereinigung für das liberale Judentum in Deutschland sich immer mehr auch der Aufgabe gewidmet hat, die ihr der Jugend gegenüber Pflicht ist. Wir alle wissen, was es bedeutet, wenn unsere Wünsche und Bestrebungen wurzeln treiben in den kommenden Generationen. Die fugend schlägt die Brücke von dem Ringen der Gegenwart zu der Erfüllung der Zukunft. Sie Alle, meine Damen und Herren, mögen dafür sorgen, daß, wenn Ihrer Hand einst die Führung des liberalen Judentums entsinkt, dann eine Jugend dasteht, die seine Fahne aufheben kann, um sie zu neuem Kampf und hoffentlich zum Sieg zu tragen. (Großer Beifall!) Rabbiner Nr. Frrudenthal-Nürnberg, was Judentum, die Menschheitsreliaion. Seit die Propheten ihren Traum von der messianischen Zeit, von der künftigen Herrschaft des einen Gottes auf Erden und der endlichen Verbrüderung der Menschheit im Glauben und Tun in so farbensatten Bildern und zündenden Worten ausgesponnen haben, ist es liebe Gepflogenheit in Israel geworden, keinen religiösen Festtag zu beschließen ohne diesen Ausblick auf die höchsten und reinsten Zukunftsideale. Solch einen Festtag haben auch wir heute begangen. Denn was könnte festlicher und erhebender stimmen als das Zusammensein lebenserfahrener und gereifter Persönlichkeiten, welche doch einzig und allein die Begeisterung für ideale Güter mit dem Enthusiasmus der Jugend aus allen Gauen des Vaterlandes hierhergeführt hat, und was könnte mit stärkerer religiöser Weihe erfüllen, als daß es eben religiöse, daß es jüdische Ideale sind, deren Aufrechterhaltung die ernste Sorge, aber auch das heilige und treue Bekenntnis dieser Männer und Frauen gilt, wenn ihnen nun gar wie in dieser Stunde vergönnt war, vor einer so stattlichen Schar von wißbegierigen ihr Sorgen und Bekennen unverhohlen und frei vor aller Welt zum Ausdruck zu bringen, und wenn sie aus deren beifälliger Anteilnahme die Erwartung mit von hinnen nehmen dürfen, daß solch offenes Auftreten und Eintreten nicht ohne Wirkung bleiben, daß es Gleichgesinnte in Begeisterte, Gleichgültige in Bereitwillige, Voreingenommene in Unparteiische, Gegner in Gerechte wandeln werde, strömt dann nicht erst recht Festtagswirkung, Festtagsstimmung in die Kerzen, Festtagsstimmung, die um so tiefer begreifen läßt, warum in solchen Augenblicken von selber alle Zukunftsträume wach werden, selbst die weitest ausblickenden, selbst die Träume der Propheten von der Zukunft Israels, des alten Gottesvolkes, des Trägers der künftigen Menschheitsreligion! wer aber dürfte mit mehr Berechtigung auf solche ferne Ziele seine Blicke richten als wir l i b e r a l e n Juden? Denn wenn sie je erreicht werden sollen, wenn die Hoffnungen der Propheten je in Erfüllung gehen können, dann nur durch die Grundsätze, die wir bekennen, dann nur auf dem Wege, den wir wandeln, auf dem Wege ständig fortschreitender Entwicklung und niemals mit starrem, unbeweglichem Beharren. Wenn alles ewig und immerdar so bleibt, wie es einst war und heute ist, so wird die Menschheit sich nie zusammenfinden können zu einem Reiche des Glaubens, des Friedens und der Liebe. Der fromme Wahn gar, daß nichts geändert werden darf und braucht bis zu den Tagen des Messias, weil dann ganz plötzlich und von selber alle füllen, Fesseln und Schranken mit einem Male fallen werden, ist so weltenfremd und wolkenluftig, daß er, wo es sich, wie für uns, um die sorgende und denkende Betrachtung realer Lebensmöglichkeiten handelt, gar nicht ernstlich mit einbezogen werden kann. Run hat freilich schon der jüdische Sokrates, der weise MosesMendelssohn. mit dessen Erscheinen in der Geschichte bekanntlich das Zeitalter des kulturellen und damit auch des religiösen Fortschrittes unter den deutschen Juden einsetzt, dringend vor diesem Schwärmen für die Glaubensvereinigung der Menschen gewarnt. Glaubensvereinigung, so meinte er, ist nicht Toleranz, sie ist vielmehr der wahren Duldung gerade entgegen. Darin hatte er Recht, wenn sie, wie er dort ausführt, nur als Vorbedingung für die Gewährung äußerer Rechte gefordert wird, wenn sie nichts anderes zu be-

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