Liberales Judentum
- Journal
- Liberales Judentum
- Volume
- 4 (1912)
- Issue
- Heft 10-11 (Oktober 1912)
- Date
- 1912-10-01
- Page
- Seite 265 (sequence 49)
- Language
- German
- Belongs to
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Nie Posrnrr Uerfammiung — Snsprucke Ar. Mrrtheim 26^ Gabriel Rießer, als er die Zeitschrift „Der Jude" herausgegeben hat, und als ihm eine ungeheure Summe dafür geboten worden ist, wenn er den damals ungern gehörten Namen „Jude" unterdrücke, hat gesagt: dieser Name soll bleiben stehen, ich will, diese,: Namen zu Ehren bringen. So wollen auch wir, die liberalen Juden, den Namen, der uns als Schmähwort gegeben wird, Assimi - lanten, zu Ehren bringen. Wir deutschen Juden haben vaterländische Gesinnung und wollen dieselbe pflegen; auch das ist eine unserer Forderungen. Wir haben uns erfüllt mit deutscher Kultur und wollen uns nicht mehr wie in den Zeiten, die gottlob hinter uns liegen, ganz, in uns abschließen, wir sind und wollen sein Assimilanten an das deutsche Vaterland und an die vaterländische'Kultur. Aber — wo es das Judentum gilt, das Judentum, das für uns allein Bedeutung hat, das religiöse Judentum, da sind wir keine Assimilanten, da stehen wir in Treue zur reinen, ungetrübten heiligen Väterreligion. ''(Bravo.) Da wollen wir — allem Abfall, allem Indifferentismus gegenüber — ein Verband der Fahnentreue sein (Stürmischer Beifall). Wir wollen die religiöse Fahnenflucht mit dem Schandmal öffentlicher Verachtung brandmarken. (Erneuter Beifall.) Wir wollen aus unserer Mitte jeden ausschließen, der um äußerer Vorteile willen, zu fremden Elitären geht oder seine Kinder dahin führt. Wir rvollen alle diejenigen von uns abschütteln, die uns bei unserem Kampfe um Erneuerung der Religion durch feigen Abfall in den Rücken fallen und jede Gemeinschaft mitihnen meiden. (Bravorufe!) Und so möchte ich m vier Forderungen alles zusammenfassen, was wir zu sagen haben. Gegenüber den Radikalen und Religionslosen: Religiöse Gebundenheit! Gegenüber denen, die die Masse äußerer Vorschriften zum Wesen und das Festhalten an allen alten Bräuchen zum Gesetz, machen: Zeremonielle Freiheit! Gegenüber denen, die den Schwerpunkt des Judentums vom Religiösen auf das rein Nationale verschieben: Vaterländische Gesinnung! Neber alles aber: Liebe und Treue zu u n s e r m heißgeliebten Judentum, zu dem Judentum, das bei aller Verschiedenheit der jüdischen Standpunkte den gemeinsamen Boden bilden solch auf dem wir alle, Zionisten, Orthodoxe und Liberale uns einigen können, wenn wir wollen! (Stürmischer, langandauernder Beifall!) Nr. John Mrrtheim-Berlin. Die Jugend im Judentum. Wer in irgendeiner Weise an der Entwickelung und Fortbildung des Judentums interessiert ist, kann nur — auf welchem Standpunkte er auch stehen mag — mit freudigem Gerzen sehen, in wie mannigfachen Formen wir Juden uns in den letzten Jahren organisiert haben. In diesem Ring jüdischer Bestrebungen, der die Jahrtausende umschließt, bildet das letzte Glied die Organisation der Jugend. Das erste Wort eines Gassenjungen, das aus rohem Munde dem jüdischen Kinde ins Ohr klingt als eine Beschimpfung seines Judentums und seiner selbst, soll es aufrütteln, sich zu befassen mit den großen Gedanken seiner Väter, damit es erkennt, daß es ein Stolz ist, einer Gemeinschaft anzugehören, die durch das Dunkel der Menschheitsgeschichte dieFackel des Monotheismus treu getragen hat. Meine Damen und Gerren! Kts Vertreter der ersten Organisation der jüdischen liberalen Jugend habe ich die Ehre, hier vor Ihnen das Wort nehmen zu dürfen, und an die Jugend im Iudenturn vor allem wende ich mich. Gewiß, ich weiß, daß gerade die Mehrheit der jüdischen Jugend, soweit sie in Organisationen zusammengeschlossen ist, in einem anderen Lager als dem unsrigen steht. Aber ich glaube, daß dies nicht ein Mangel an der Werbe- und Lebenskraft unserer Ideen ist, sondern daß diese Ideen nur richtig hinausgetragen zu werden brau-