Liberales Judentum
- Journal
- Liberales Judentum
- Volume
- 4 (1912)
- Issue
- Heft 10-11 (Oktober 1912)
- Date
- 1912-10-01
- Page
- Seite 262 (sequence 46)
- Language
- German
- Belongs to
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262 Die Pssener Versammlung — Ansprüche Dr. Srligwann bensgemeinschaft sich in die Kultur des Landes, in dem sie sich niedergelassen hatte, sowie die äußeren Schranken gefallen waren, schnell hineinfand und an deren Förderung tätigen: Anteil nahm. Unsre Jugend lerne auch, daß dieses besonders von uns Juden in Deutschland gilt. Nachdem uns die reine deutsche Sprache erschlossen und das Element geworden war, in dem unsre Seele ihren Atem schöpft, wandten wir unser ererbtes ideales Streben den deutschen Dichtern und Denkern zu, bildeten uns an ihnen, nahmen so die wahren deutschen Kulturelemente in uns auf und gaben damit als Deutsche jüdischen Glaubens der Liebe zum Vaterlande eine geistige Grundlage. Und auch das soll unsere Jugend erfahren, daß ein konstitutives Element des wahren deutschen Geistes, wie er sich im achtzehnten Jahrhundert gebildet hat —- nämlich die Idee .der Lsumanität — uns dank den Lehren unsrer Propheten und unsrer Geschichte nicht fremd war und deshalb von uns verständnisvoll und freudig erfaßt und unverfälscht und kraftvoll vertreten wurde. (Bravo!) Von den Mitteln, die geeignet sind, die obersten Forderungen unsrer Religion im späteren Leben immer wieder ins Bewußtsein zu rufen und den Willen zu deren Erfüllung anzuregen, muß die Schule nächst den wichtigsten Gebeten eindringlichst den Sabbath und die Festtage behandeln. Vor allem den Sabbath. j)rägt doch dessen Zweck, wie er im fünften Buche Ktofc10) angegeben ist: damit ruhe dein Knecht und deine Magd wie du — gerade den Gedanken der Gottesebenbildlichkeit aller Menschen und die sozialen Pflichten ein, die sich daraus ergeben. Dem Sabbath ist aber — und zwar in beiden Fassungen des Sabbathgebotes, so- —wohl der des zweiten,1X) wie der des 10) Kap. 5, 14. iij Kap. 20, 10. fünften Buches Mose — noch eine Bestimmung zugewiesen. Bier wie dort heißt es: Und der siebente Tag sei eine Feier dem Ewigen deinem Gotte. Diese Forderung sollen und können wir wahrhaft und innerlich dadurch erfüllen, daß wir den Tag dem Göttlichen in uns, der Erhebung des Geistes und Veredlung des Gemütes widmen. Daß dies allsabbathlich nicht nur durch den Gottesdienst in des Wortes gewöhnlicher Bedeutung, sondern auch — je nach dem Maße der demeinzelnen zur Verfügung stehenden Zeit — durch häusliche Lesung der Bibel erfolgen solle, das muß der Lehrer seinen Schülern fort und fort einschärfen. Dadurch wird auch die Erreichung des Zieles gefördert, das Familie und Schule im Auge behalten müssen, des Zieles, daß unsere Bibel eine wahre morosedok kehilas jaakow, ein durch stetes Erwerben gesichertes Erbe der Gemeinde Jakobs werde. (Bravo!) Diese Bemerkungen, meine Damen und Herren, mögen genügen zur Andeutung einzelner Strecken des Weges-, der meiner unmaßgeblichen Ansicht nach einzuschlagen wäre, damit — vorausgesetzt ist hier immer die Unterstützung von seiten des Elternhauses — die im Geiste der Vereinigung für das liberale Judentum unterwiesenen Knaben und Mädchen, Jünglinge und Jungfrauen sich dereinst als sittlich-religiöse Persönlichkeiten, und verständnisvolle und treue Glieder uns.erer Glaubensgemeinschaft erweisen, die sich der Sendung des Judentums bewußt sind und dessen religiöse und sittliche Lehren betätigen. (Lebhafter Beifall!) Rabbiner Mr. Ketigmann-Frankfurt a. M Forderungen des religiösen Liberalismus. Meine verehrten Damen und Herren! Der Philosoph Schopenhauer hat ein-' mal das' pvoh(em erörtert, was zwei Men-- schen, die von dem Dasein anderer Men-^