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Liberales Judentum · 1912-10-01 · Heft 10-11 (Oktober 1912) · p. Seite 259

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Journal
Liberales Judentum
Volume
4 (1912)
Issue
Heft 10-11 (Oktober 1912)
Date
1912-10-01
Page
Seite 259 (sequence 43)
Language
German
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Vre Pssrner Versammlung — Ansprache Direktor Holzmann die heutige Zeit sich nicht mehr schicken und deshalb keine Geltung mehr haben. Und nun planen sie, in unserer Stadt, die in Israel berühmt war, 'weil in ihr die Heiligtümer Gottes hochgehalten wurden, sich in nahe bevorstehender Zeit zu versammeln. galtet euch fern von allen ihren Veranstaltungen, sorget besonders dafür, daß die Jugend nicht hingeht! — Da, wo sie Rat pflegen, weile nicht meine Seele. Wo sie Versammlungen abhalten, werde nicht mit eingeschlossen meine. Ehre." Meine Damen und Herren! Ich habe Ihnen diese predigt vorgelesen, nur als ein Dokument für die Form, in der selbst Führer unserer Gegner das liberale Judentum bekämpfen. Wir brauchen mit diesem Angriff nicht zu rechten. (Sehr richtig!) Dieser Angriff richtet sich selbst. (Bravo!) Aber als .ein Dokument für dis Form, in der der jüdische Liberalismus von feinen Gegnern bekämpft wird, ist er immerhin wertvoll, auch für die Zukunft. Wir stehen, ob wir wollen oder nicht wollen, mitten im Kampf. Wir kämpfen nicht umdes Kampfes willen, wir kämpfen nicht in Haß und blinder Wut gegen Andersdenkende, wir kämpfen nicht in dem Gedanken an eine Trennung und Sezession im Judentum. Wir kämpfen um unserer Liebe mm Judentum willen,, wir kämpfen um der Erhaltung der jüdischen Religion willen, wir kämpfen mit dem Willen, die Einheit des Judentums zu erhalten. Gibt es doch allzu viel des Gemeinsamen, als daß wir es zulassen könnten, das Schisma in das Judentum hineinzutragen. Wir kämpfen um den religiösen Bestand des Judentums, gehoben durch die Erinnerung an die Vergangenheit, getragen von der unauslöschlicher! Eröffnung auf die Zukunft und Mission des Judentums! (Stürmischer Beifall.) Direktor o. A. Ar. DoHmann-Serlin. Die Schule und der religiöse Liberalismus. Iwri onochi wees adonoi elohe hasrho* majim ani jore. Ich bin ein Jude und fürchte den Ewigen, den Gott des Himmels, das. ist das Bekenntnis, das, denkend und fühlend, in allen Lagen des Lebens ein jeder auszusprechen imstande sein soll, der im Geiste der Vereinigung für das liberale Iudentunr in unsre Glaubensgenreinschaft eingeführt worden ist. Iwri onochi wees adonoi elohe haschomajim ani jore. Ich bin ein Jude und fürchte den Ewigen, den Gott des Himmels, d. h. ich gehöre der Glaubensgemeinschaft an, die der Welt die Lehre von dem einzigen,, geistigen, heiligen Gotte gebracht bat undannoch und fort und fort künden muß: ich gehöre der Gemeinschaft . an, die die Gottesebenbildlichkeit des Menschen, aller Menschen gelehrt, die Einheit der Menschheit und das Walten Gottes in der Geschichte der Menschheit erkannt hat; ich gehöre der Gemeinschaft an, die arr den Fortschritt und die Vervollkommnung des Menschengeschlechts, an die dereinstige Herrschaft der Sittlichkeit, die Verstellung eines Reiches der Wahrheit und des Friedens, des Gottesreiches auf Erden glaubt; ich bin meiner Religion nach ein Jude und gehöre der Gemeinschaft an» die als ewed adonoi als Knecht des -Ewigen berufen ist, durch Lehre und Leben in allen Landen auf dem Wege zu jenem hohen Ziele ein or gojim1), ein Licht der Völker zu sein. Dieses Bekenntnis muß sich aber vor allem auf Kenntnis und Verständnis unsren Bibel stützen und im Leben durch gesinnungsvolles Tun bewahrheitet werden. An der Hand unsrer Bibel, die mit wunderbarer Schlichtheit unergründliche Tiefe verbindet und deshalb jeder Geistesstufe das i) Jesaia, Kap. 42, fi.

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