Liberales Judentum
- Journal
- Liberales Judentum
- Volume
- 4 (1912)
- Issue
- Heft 10-11 (Oktober 1912)
- Date
- 1912-10-01
- Page
- Seite 247 (sequence 31)
- Language
- German
- Belongs to
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Are Posrner Versammlung — Ansprache Justrzrat Slau 247 Ich habe es nicht nötig, vor diesem Zuhörerkreis die Gefahren des Zionismus für das deutsche Judentum zu besprechen, vor Personen, in deren Herz und Geist Deutschtum und Judentum sich zu einem unauflöslichen Bund verflochtenhaben, die kein anderes Vaterland kennen und lieben als den deutschen Boden, auf dem sie gewachsen und die deutsche Kultur, an deren Brüsten sie sich vollgesogen, die sich als Glieder der d e u t s ch e n Nation fühlen und betätigen, die sich aber als Deutsche in keiner Meise behindert fühlen, ihr angestammtes Judentum mit der gleichen Liebe und Begeisterung zu umfassen, es bis zum letzten Atemzug zu bekennen, seine Kulturschätze zu pflegen, die alle diejenigen sich verbunden fühlen, die gleichen Glaubens und gleicher Abstammung sind und denen, die um dieses ihres Judentums willen leiden, mit allen Kräften hilfreich 'beizustehen sich verpflichtet fühlen, gleichviel ob diese Landesgenossen sind oder nicht. Gier brauche ich nur auf unseres Goldmann wackere Schrift: „Zionismus oder Liberalismus" hinzuweisen, um den Kampf gegen den Zionismus auch in dieser Provinz als eine weitere große Aufgabe der Liberalen dahier hinzustellen. Nur auf einen die Situation, in die uns der Zionisnius zu bringen vermag, grell beleuchtenden Fall möchte ich noch Hinweisen, der sich nach dem Bericht jüdischer Zeitungen vor gar nicht langer Zeit in' einer Stadt dieser Provinz ereignet hat — ein Bericht, der mir, als ich ihn las, die Zorn- und Schamröte ins Gesicht getrieben. Da waren bei einer zionistischen Veranstaltung — wahrscheinlich doch auf spezielle Einladung der Veranstalter — neben andern Nichtjuden auch einige höhere Verwaltungsbeamte zugegen, die nach Schluß der Versammlung an den Nedner, der von seinem zionistischen Standpunkt aus das Thema: „Was uns Juden not tut" behandelt hatte, herangingen, um ihm für seine Ausführungen zu danken und noch mehr von ihm über den Zionismus zu erfahren; noch mehr zu erfahren über diese neue jüdische Bewegung, die über die Fxage, was den Juden not tut, und über die Stellung, die die deutschen Juden in Deutschland einzunehmen haben, so merkwürdig widere Anschauungen hat, als die, die man bisher von den deutschen Juden zu vernehmen gewohnt war, Anschauungen, die in vielen Beziehungen so merkwürdig mit denen der Antisemiten übereinstimmen. An der kurzen Diskussion beteiligte sich nach dem Bericht ein Orthodoxer, der aber nur die Betonung des religiösen ZTTomeiits im Zionisnius vermißte. Davon, daß auch ein Vertreter des jüdischen Liberalismus, der von der Unhaltbarkeit der zionistischen Theorien und von der Gefahr der zionistischen. Phrase für die deutschen Juden, besonders für deren Emanzipation überzeugt ist, das Wort ergriffen und flammenden Protest gegen diese Theorien und Phrasen eingelegt und hervorgehoben, daß die überwältigende Majorität der deutschen Juden diese Gedanken und Empfindungen der Zionisten nicht teilt, sondern in nationaler Beziehung deutsch und nichts anders als deutsch ist und sein will, habe ich zu meinem tiefsten Bedauern nichts gelesen. Hatte ich recht, über diesen Bericht empört zu sein? Darf man — sagen wir es offen heraus — aus Scheu vor feindseligen und gehässigen Eingriffen weiter sich passiv verhalten und ingrimmig, aber stillschweigend zusehen, wie durch die zionistische Arbeit der deutschen öffentlichen Meinung systematisch ein ganz falscher Begriff von den Anschauungen und Bestrebungen der großen Masse der deutschen Iudenheit beigebracht wird; wie diese kleine Partei durch ihr lautes und terroristisches Schreien, durch ihre der schlimmsten Demagogie abgeguckten Agitationsmetho-