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Liberales Judentum · 1912-10-01 · Heft 10-11 (Oktober 1912) · p. Seite 246

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Journal
Liberales Judentum
Volume
4 (1912)
Issue
Heft 10-11 (Oktober 1912)
Date
1912-10-01
Page
Seite 246 (sequence 30)
Language
German
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246 Are Pssrnrr Arrsammlung — Ansprache Justiz rat Blau zu können als außerhalb, find gegen den Rat bewährter orthodoxer Renner der Verhältnisse eine Anzahl Führer der Gemeindeorthodoxie aus Norddeutschland der freien Vereinigung beigetreten, ohne daß sie jedoch ihre Hoffnung verwirklicht gesehen haben. Den unentwegten- Separatisten ist aber durch diesen Zuwachs die Kraft und der Mut so gewachsen, ' daß sie sich als die Herren der Situation fühlen und ihr Tätigkeitsgebiet nunmehr auch auf den Norden und Osten ausgedehnt haben. Zhre Sendlinge predigen des Separatismus, den Kampf gegen alles, was nicht absolut so denkt wie sie und ihre Auftraggeber, auch auf Kosten der Einheit und Einigkeit des deutschen Judentums. Welcher Schaden ^dieser Einigkeit und Einheit und dem Frieden selbst auf Gebieten zugefügt wurde, welche mit der Religionsausübung an sich nichts zu tun haben, davon wissen die Mitarbeiter in den großen jüdischen Organisationen, wie verband der deutschen Juden, D. 3- G. B, A. 3- K. und die große Berliner Gemeinde, ein Wörtlein zu reden und zu klagen. Auch bis in diese Provinz sind diese Sendlings gedrungen; sie haben manchen Vorsteher betört, nicht ohne Erfolg manchen Rabbiner in ihrem Sinne zu beeinflussen gesucht. Nun hört man auch hier diesen agressiven Ton und die scharfe Spitze gegen alles Nichtorthodoxe, die ein unangenehmes novum atque inauditum für alle die sind, die nicht orthodox sind, aber in Frieden mit der Orthodoxie leben wollen, die ihr Spielraum und freie Hand gönnen, die aber nicht gewillt sind, sich au>s dem jüdischen Gemeinschaftsleben hinausdrängen zu lassen und den Unentwegten die Führung und Bestinnnung in allen jüdischen Angelegenheiten zu überlassen. Aber diese Unentwegten sind Eiferer und gewaltige Redner vor dem Herrn; sie haben einen Rückhalt an einergroßen, opferfreudigen Organisation, sie suchen und finden, ohne sich durch die Rücksicht auf die jüdische Gesamtlage auch nur im Mindesten beirren zu lassen, Hilfe bei unseren heftigsten politischen und religiösen Gegnern und werden auch hier in der Provinz Erfolg haben, wenn ihnen nicht durch den organisierten und in oben erwähnter Weise verstärkten jüdischen Liberalismus energisch Halt geboten wird. 3hr Einfluß muß mit aller Kraft und Entschiedenheit zurückgedrängt werden, sollen nicht die Früchte einer hundertjährigen Emanzipationsarbeit im Sturm zerstört werden. 3« der Emanzipation des deutschen 3udentmns droht Gefahr von Seiten der separatistifchen Orthodoxie, weil diese das in den großen Verbänden geeinte deutsche 3udentum in seinem Kampfe um die Gleichberechtigung hindert, seine Stoßkraft schwächt allenthalben und namentlich gegenüber der Regierung, der ein zersplittertes 3udentum freilich lieber ist als ein einiges. 3™ diesev Regierung nährt sie den Glauben, die wahren 3uden — und das sind natürlich sie — seien garnicht so uribescheiden in ihren Forderungen an den Staat, wie die Reformjuden, die unbeengt durch die Schranken des Religionsgesetzes alles werden und in alles Hineinreden wollen; ihnen genüge es, wenn sie als fromme 3uden im Staate leben könnten; sie seien die königstreueu 3uden, denen das Religionsgesetz verbiete, gegen die Regierung zu sein, auch wenn sie mit deren Maßnahmen unzufrieden rvärem Die Gefahr der Zerstörung der Früchte einer hundertjährigen Emanzipationsarbeit droht aber noch von anderswoher, nämlich vorn Zionismus, der teils allein, teils im Bund mit der obengeschilderten Orthodoxie auch in die Provinz eingedrungen ist und einige Führer in ihr hat — ob auch bereits großen Anhang, weiß ich nicht.

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