Mannheim
Compact Memory

Liberales Judentum · 1912-10-01 · Heft 10-11 (Oktober 1912) · p. Seite 229

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Liberales Judentum
Volume
4 (1912)
Issue
Heft 10-11 (Oktober 1912)
Date
1912-10-01
Page
Seite 229 (sequence 13)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/3126481-3126500-3126511--1260-3128068
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

229 Are Pofenrr Versammlung — Referat Ar. Vogelstern Bei der Darlegung der sub II und III aufgeführten ewigen Wahrheiten und sittlichen 'Grundgebote kann ich auf s)orges' Referat auf der Tagung der liberalen Rabbiner vom 28. Mai d. (abgedruckt im Juli- Heft . unsrer Zeitschrift) verweisen. Tr führt dort aus, daß keine dieser Lehren sich von der jüdischen Religion wegdenken läßt,. ohne daß sie damit eines Teiles ihres wesentlichen Gehalts beraubt wird. An der Spitze steht die Lehre von dem einig-einzigen, reingeistigen, heiligen Gott. Ts ist selbstverständlich und dennoch gegenüber gewissen Anschauungen, die bisweilen vertreten werden, notwendig es ausstisprechen: Wir kennen kein Judentum ohne Gott. „Jude sein heißt, als den Grund des Daseins, als den Halt der Welt den einigeinzigen Gott bekennen." So faßt Tohen es zusammen. Aber das Tharakteristische des jüdischen Monotheismus ist nicht allein die Anerkennung nur eines Gottes, sondern die Betonung des ethischen Tharakters auch dieses Gottesbegriffes. Mit gleichem Nachdruck wie die Einheit Gottes wird seine Heiligkeit ausgesprochen. Das Judentum ist nicht um deswillen allein eine so grandiose religiöse Erscheinung, weil es mit der Vielgötterei gebrochen hat, sondern weil sein Gott' Urbild und Urquell aller Sittlichkeit ist und die Sittlichkeit des Ulenschen fordert, und weil dies den eigentlichen Inhalt seines Gottesbegriffs ausmacht, wir haben darum die Lehre von Gott in der weise formuliert, daß entsprechend der prophetischen Auffassung, die sich durch die ganze Entwicklung hindurchzieht, von Gott nichts ausgesagt wird als das sittliche Attribut der Heiligkeit. Auf biblische Stellen und ihre späteren Erläuterungen gestützt, haben wir diese sittlichen Attribute lediglich verdeutlicht und schärfer präzisiert als Gerechtigkeit und Liebe. Aus dem Begriff der Heiligkeit erwächst unabweisbar die Lehre von der Einheit und Geistigkeit Gottes. Alle weiteren Spekulationen über das Wesen Gottes liegen dem Judentum fern. Es fordert Gotteserkenntnis und erkerint wiederum an, daß das Wesen Gottes von dem Menschen nicht voll erkannt werden kann. Aber nicht die Frage, was Gott ist, steht im Mittelpunkt unsres religiösen Gedankenkreises, die Frage nach dem Wesen Gottes ist uns nicht eine theologische gelehrte Streitfrage. Religiös ist uns wesentlich, was Gott für den Menschen bedeutet; das aber ist erkennbar und faßbar in dem sittlichen Begriff der persönlichen Gottheit. Alles Weitere bleibe der Freiheit des Denkens überlassen; wir haben nichts darüber aussprechen wollen. Nur ein Moment haben wir noch herausgehoben. Wir betonen die Lehre von dem einig-einzigen Gott. Denn ohne alle Polemik grenzen wir so den jüdischen Gottesbegriff scharf ab gegen die Trübung dieser Lehre im Thristentum. Ist der Begriff Gottes die selbstverständliche religiöse Voraussetzung, so konzentriert sich das religiöse Interesse des ethischen Monotheismus des Judentums auf den Menschen. Der Mensch ist nicht nur das religiöse Subjekt, er ist auch das Gbjekt der Religion. Dem Menschen ist die Fähigkeit gegeben, zwischen gut und böse zu unterscheiden, die Freiheit, das Gute zu wählen; in ihn ist die göttliche Kraft der Sittlichkeit gelegt und ihm ist die Aufgabe gestellt, seine geistigen und sittlichen Einlagen zu möglichster Vollkommenheit auszubilden, theologisch ausgedrückt, Gott ähnlich zu werden oder, um die biblische Ausdrucksweise zu wählen, zwar nicht heilig zu sein, wohl aber heilig zu werden. Das hat die Bibel in die Formel gekleidet, daß der Mensch im Ebenbilde Gottes geschaffen ist. Wir haben diese Formel als den prägnantesten Ausdruck für diese Lehre festgehalten. Aber das Wort spricht zugleich eine weitere fundamentale Lehre des Judentums

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.