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Liberales Judentum · 1912-09-01 · Heft 9 (September 1912) · p. Seite 208

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Liberales Judentum
Volume
4 (1912)
Issue
Heft 9 (September 1912)
Date
1912-09-01
Page
Seite 208 (sequence 16)
Language
German
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208 _° O o o Zur Geschichte der Entstehung der Richtlinien eigenen Vorschlägen über den neu ausgearbeiteten Entwurf aufgefordert wurden. Das Ergebnis dieser Beratungen wurde zusammengefaßt in dem neugedruckten, allen Mitgliedern der Vereinigung liberaler Rabbiner — zusammen mit der Einladung zur Rabbinerversammlung in Frankfurt a. M. am 2. September — vertraulich zugeschickten Richtlinienentwurf, wiederum lag eine Aufforderung bei, eventuelle Anträge oder redaktionelle Abänderungsvorschläge, schriftlich einzureichen, und wiederum gingen von vierzig Kollegen zahlreiche Abänderungsvorschläge ein. Alle diese immer wieder erneuten Anträge bezogen sich nicht auf Prinzipienfragen, sondern betrafen nur die Formulierung der einzelnen Punkte, die Disposition u. dergl. Ueber die prinzixienfragen herrschte von vorneherein — von zwei bis drei Ausnahmen abgesehen — eine erfreuliche Einmütigkeit. Nachdem die Abänderungsvorschläge vom Vorsitzenden der Kommission gesichtet und durchgearbeitet worden waren, konnte am Vorabend der Rabbinerversammlung eine aus den anwesenden Kommissions- und Vorstands- Mitgliedern gebildete vorberatende Konferenz die Anträge zu wenigen neuen Vorschlägen zusammenfassen. Zu der Versammlung am 2. September hatten sich trotz der unmittelbar bevorstehenden Festtage siebenundvierzig Rabbiner angemeldet; einige wenige waren im letzten Augenblick verhindert worden und erklärten schriftlich ihre Zustimmung zu den Richtlinien, von den Uebrigen, die nicht zur Versammlung kamen, hatten schon einige Zwanzig ihre Zustimmung vorher schriftlich erteilt. So herrschte am 2. September eine gehobene, feierliche Stimmung unter den Teilnehmern der Versammlung. Man fühlte, der 2. September werde zu einem denkwürdigen Tage in der religiösen Entwicklung des deutschen Judentums werden. Und es wurde ein schicksalsvoller Tag. Nicht froh über die nahe Vollendung des seit einem Jahrhundert vergebens angestrebten Werkes, sondern ernst und in dem vollen Bewußtsein, eine dornenvolle Pflicht zu erfüllen, in dem vollen Bewußtsein, Issebsin schomajim, nicht aber der Mitwelt zu Dank zu arbeiten, in dem vollen Bewußtsein, von rechts und links Anfeindungen und Kämpfen entgegenzugehen, einzig und allein getrieben von der glühenden Liebe zum Judentum und dem Verantwortlichkeitsgefühl vor der Geschichte, traten die Rabbiner, die von allen Teilen Deutschlands, von den Vogesen und der Weichsel, aus Schlesien und Posen, aus Baden, Bayern, Württemberg, Sachsen, wie aus den Rheinlanden zusammengekommen waren, zu ernster Beratung zusammen. Ernst und würdevoll blieb der Ton während der ganzen achtstündigen Verhandlung.. Kein Mißton störte die friedliche Harmonie. Die gespannteste Aufmerksamkeit war auf allen Gesichtern zu lesen und ließ keine Müdigkeit, keine Abspannung aufkommen. Bewundernswert war die weise Selbstbeschränkung, die selbstlose Disziplin, die sich jeder im Interesse des Zustandekommens der großen. Sache auferlegte. Alle persönlichen wünsche wurden zurückgehalten. Um so lebhafter setzten die Debatten bei den prinzipiell wichtigen Punkten ein. Die ganze Verhandlung, trug den Stempel des festen Willens, endlich

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