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Liberales Judentum · 1912-09-01 · Heft 9 (September 1912) · p. Seite 207

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Liberales Judentum
Volume
4 (1912)
Issue
Heft 9 (September 1912)
Date
1912-09-01
Page
Seite 207 (sequence 15)
Language
German
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Zur Geschichte der Entstehung der Nichtlinien 207 Richtlinien bis nahe zum Abschluß war durch die Fünszehnerkommisssion geleistet worden. Am 6. November (9(( tagte in Berlin die Versammlung der liberalen Rabbiner Deutschlands. In seinem dort gehaltenen Vortrag: „Unsere Stellung zu den Rabbinerversammlungen und Synoden des neunzehnten Jahrhunderts" (abgedruckt in unserer Monatsschrift (9(2, 5. ^—9)/ sprach Rabbiner Dr. Freudenthal-Nürnberg von der Pflicht der heutigen liberalen Rabbiner, programmatische Richtlinien festzulegen. Seligmann-Frankfurt griff sofort den Gedanken auf und stellte in der Rabbinerversammlung den Antrag, eine Kommission zur Ausarbeitung eines Entwurfs von Richtlinien zu ernennen. Die Versammlung stimmte diesem Antrag einmütig bei, und so wurde unter dem Vorsitz von Seligmann eine Kommission gewählt, zu der außerdem Bloch-j)osen, Blumenthal - Berlin, Grünfeld - Augsburg, Gorges-Leipzig, Vogelstein-Königsberg, lvalter-Bromberg, Milde-Magdeburg und Minter-Dresden gehörten. Für die erste Sitzung arbeiteten Seligmann und Freudenthal einen vorläufigen Entwurf aus, dem die Arbeit der Fünfzehnerkommission zu Grunde lag. Dieser Entwurf bildete den Ausgangspunkt der ersten Kommissionsberatung in Berlin am (0. April (9(2, sowie aller folgenden mündlichen und schriftlichen Beratungen. - Noch einmal wurden in unverdrossener, sorgfältiger und gewissenhafter Arbeit die Prinzipien, sowie die einzelnen Punkte gedanklich und stilistisch durchgearbeitet, um eine möglichst alle Mitglieder der Kommission befriedigende, breite liberale Plattform zu finden, auf welche sich alle verständigen konnten. Nach Abschluß der Koyrmissionsarbeiten trat in Berlin unter dem Vorsitz von j)rof. Bloch-s)osen am 28. Mai (9(2 die Versammlung der liberalen Rabbiner Deutschlands zur Beratung und Beschlußfassung über die Richtlinien zusammen. Auf dieser Versammlung wurde die erste (theoretische) Hälfte der Richtlinien mit vielfachen^ Veränderungen angenommen, die zweite aus Mangel an Zeit auf eine demnächst anzuberaumende weitere Versammlung verschoben. Um möglichst alle Mitglieder der Vereinigung liberaler Rabbiner Deutschlands zur Mitarbeit an den Richtlinien heranzuziehen, um die Meinung derjenigen Kollegen kennen zu lernen, die an der Versammlung nicht teilgenommen hatten, und um der zu erwartenden Fülle von Initiativanträgen auf der nächsten Versammlung gewachsen zu sein, forderte der Vorsitzende der Richtlinien-Kommission unter vertraulicher Zusendung des gedruckten Entwurfs sämtliche liberalen Kollegen auf, sich zu dem bereits in der Versammlung angenommenen Teil der Richtlinien zu äußern und für den noch nicht beratenen Teil eventuelle Verbesserungsvorschläge schriftlich einzureichen. Auf Grund dieses Rundschreibens gingen von siebenundfünfzig Kollegen zahlreiche Veränderungsvorschläge ein. Dieselben wurden vom Vorsitzenden der Kommission in den folgenden zwei Monaten durchgearbeitet, und aus ihnen ging ein neuer, teilweise stark veränderter Richtlinienentwurf hervor. Da in dieser Zeit der Ferien eine Zusammenkunft der Kommissionsmitglieder nicht zu ermöglichen war, fanden — unter Zustimmung des Vorsitzenden der Vereinigung — schriftliche Kommissionsberatungen über den neuen Entwurf statt, indem sämtliche Kommissionsmitglieder zu gutachtlicher Aeußerung und

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