Liberales Judentum
- Journal
- Liberales Judentum
- Volume
- 4 (1912)
- Issue
- Heft 9 (September 1912)
- Date
- 1912-09-01
- Page
- Seite 206 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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206 Jur Geschichte der Entstehung der Richtlinien weiter vorzugehen. Zu Generalreferenten und Korreferenten wurden Seligmann-Frankfurt a. Main und Vogelstein-Stettin, zu Spezialreferenten über die Stellung zu der religiösen Lehre Vogelftein-Rönigsberg und Blaschke- Berlin, zu Spezialreferenten über die Stellung zum Religionsgesetz Freudenthal-Nürnberg und Blumenthal-Berlin, zu Referenten über die spezielle Frage der Ehegesetze vogelstein-Stettin und Simon-Berlin, zum Referenten über synagogale Liturgie Henle-Hamburg bestellt. Die zweite wichtige Sitzung wurde fast fünf Monate später, am 29. Januar \9U/ in Berlin abgehalten. In der Zwischenzeit waren von Seligmann und Vogelstein gemeinschaftlich der erste Entwurf der Richtlinien, von Vogelftein-Rönigsberg ein Referat über die Stellung des liberalen Judentums zur religiösenLehre, von Freudenthäl und Blumenthal je ein Referat über die Stellung des liberalen Judentums zum Religionsgesetz, von Vogelstein-Stettin und Veit Simon-Berlin je ein Referat über die Ehegesetze, von Henle-lhamburg ein Referat über s^nagogale Gesänge ausgearbeitet worden, x Zur Grundlage aller weiteren Verhandlungen wurde nunmehr nach längerer Debatte der vorgelegte Entwurf der Richtlinien genommen, in welchen die Ergebnisse der Spezialreferate hineingearbeitet wurden. s)unkt für j)unkt dieses Entwurfes wurde in derselben und in vier weiteren Sitzungen zu Berlin am s8. März, 6. Juni, 3. September und H. November durchberaten. Jeder Gedanke, jedes Wort fast wurde auf die Wagschale gelegt. Andere Mitglieder der Rommission, wie Geh. Gberregierungsrat Dr. Mayer-Rarlsruhe und Rechtsanwalt Raempfer-j)osen, arbeiteten teils aus eigenem Antrieb, teils im Auftrag der Rommission die Richtlinien noch einmal durch und legten der Rommission zum teil überarbeitete Entwürfe der Richtlinien vor. Alle neuen Entwürfe, Vorschläge, Amendements, . Beschlüsse der Rommissionssitzung gingen jedesmal an den Generalreferenten zur Bearbeitung. Neben dieser ernsten Rommissionstätigkeit ging eine durch zwei Jahre fortgesetzte, umfangreiche Rorrespondenz zwischen den einzelnen Referenten untereinander und mit dem Vorsitzenden einher. Dem von der Nürnberger Versammlung eingeräumten Rechte der Rooptation wurde insofern Rechnung getragen, als der nahezu fertig gestellte Entwurf einigen bekannten Männern der Wissenschaft zur Begutachtung vorgelegt wurde, deren Mithilfe wertvolle Verbesserungen zu verdanken sind. Am Ende des Jahres Ml, nach der siebenten Rommissionssitzung, war das Werk soweit gediehen, daß man der Frage näher treten konnte, auf welche Weise der Entwurf einem größeren Rreise vorgelegt werden könne. Da waren es die rabbinischen Mitglieder der Fünfzehnerkommission, welche darauf hinwiesen, daß das weitere Vorgehen nunmehr in die Hand der Rabbiner gelegt werden müsse. Dhne die Autorität der liberalen Rabbiner und ihre Bereitwilligkeit, sich an die Spitze der liberalen Bewegung in den einzelnen Gemeinden zu stellen, sei mit der bloßen .Aufstellung von Richtlinien an sich nichts gewonnen. In diesem Sinne beschloß denn auch nach vielfachen lebhaften Erörterungen die Fünfzehnerkommission und gab damit den Beweis einer nicht hoch genug anzuerkennenden Selbstentäußerung. Denn die Hauptarbeit an den