Liberales Judentum
- Journal
- Liberales Judentum
- Volume
- 4 (1912)
- Issue
- Heft 8 (August 1912)
- Date
- 1912-08-01
- Page
- Seite 186 (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3126481-3126500-3126509--1215-3128021- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
186 Montrfisrr's Umrisse des liberalen Judentums wer ihn von dem Ersticken retten könnte, Den wollt' er königlich belohnen. Schnell fjolt man den Kranich, dem es leicht gelang, Mit seinem langen Schnabel aus dem Hals Des Löwen jenen Knochen zu entfernen. Nun fordert er den Lohn. Allein der Löwe Erwidert: „Ist es dir denn nicht genug, Daß du vor aller Welt dich rühmen kannst. Du stecktest in dem Rachen eines Löwen Und bist doch unversehrt davongekommen?" So, liebe Freunde, seien wir auch froh, wenn uns die Römer nur in Ruhe lassen, Und wollen nicht auf das Versprechen pochen. Akiba. wenn unsre Makkabäer so wie du Gedacht und ruhig abgewartet hätten, So gab' es heut vielleicht kein Judentum. Iosua. wie damals liegen heut die Dinge nicht. Und jene Syrer waren keine Römer. Ich habe wohl gehört, du schürst den Aufstand; Ich kann nur warnen, dich und euch, Genossen! Doch sei's genug 'hiervon! Berichtet mir, was heut im Lehrhaus ist verhandelt worden. I o ch a n a n. Der Rabbi Eleasar, Sohn Asarjas Besprach den Satz im fünften Mosesbuch (Deut. 3(, \2): „Versammle mir das Volk, die Männer und Die Frauen samt den Kindern —" „Das Volk" genügt — warum noch Frau'n und Kinder? Und Lleasar, Sohn Asarjas, sagt: Die Männer, daß sie lernen; und die Frauen, Auf daß sie hören; und die Kinder — nun. Daß sich die Eltern das Verdienst erwerben. Die Kinder der Belehrung zuzuführen. Iosua (erfreut). Seht, solch ein Kleinod hattet ihr empfangen Und habet es beinah' mir vorenthalten? Asarja (tritt ein). Ihr Freunde und Genossen, klagt mit mir. Denn unser Stolz und unser Schmuck ist hin: Der weise Gamaliel ist nicht mehr! Eli es er. G klagt um ihn! Er war ein Fels im Meer, Der jeder Spaltung und Sektiererei. Ein Halt gebot.. Auch meine Schüler sollen Betrauern ihn wie ihren eignen Vater. Io sua. Bei meiner Seele! auch die meinigen! Lleasar. wer aber soll an seine Stelle treten? Denn dieses muß die nächste Sorge sein: Lin Haupt zu finden dem Synhedrion. Doch soll ich meines Herzens Meinung sagen. So scheint mir Iosua der würd'ge Mann. Alle. Der weise, der gelehrte Iosua, Der schon des Lebenden Vertreter war, Der edle Menschenfreund, er sei's, er sei's! Prof. Kuttner, Frankfurt a. M. Umrisse äe5 liberalen luclentums für kltern uncl Lebrer^ von Oaucle 6. Montefiore. uf das Buch von Llaude Montefiore hat Dr. Norden in der letzten Nummer dieser Zeitschrift bereits hingewiesen und einen wichtigen Abschnitt über liberales und konservatives Judentum in dankenswerter weise übersetzt. Wenn ich, einem Wunsche der Redaktion folgend, noch einmal zu dem Werke *) Outlines of Liberal Judaism for the use of parents and teachers by Claude G. Montefiore. Macmillian and Co., limited St. Martin’s street, London 1912. 8°. XIV a. 855 p. das Wort ergreife, so geschieht es in dev Ueberzeugung, daß Ihm in der Geschichte des liberalen Judentums eine außergewöhnliche Bedeutung zukommt. — In seiner schlichten und ansprechenden weise erzählt Montefiore in der Einleitung, wie er dazu gekommen sei, das Buch zu schreiben. Lin Freund, der wie er dem Glauben des liberalen Judentums huldigt, bestritt eines Tages, daß man Kinder mit den ,Ideen des liberalen Judentums er-