Liberales Judentum
- Journal
- Liberales Judentum
- Volume
- 4 (1912)
- Issue
- Heft 8 (August 1912)
- Date
- 1912-08-01
- Page
- Seite 185 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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Prof. Ar. Kuttner: Szenische Arider aus der Mischen Geschichte . 1.85 Akiba. Wein teurer Rabbi, gehst du nicht zu weit? Spricht nicht Entrüstung gegen jene Heuchler, Die mit der Frömmigkeit auf Warkt und Straßen Sich brüsten vor der Welt, spricht nicht dein Zorn <Db solchen Treibens auch ein Wörtchen mit? Zosua. Riag. sein! Und ist das nicht ein heil'gerZorn? Seht ihr denn nicht, wohin dies Treiben führt? Soll unser Judentum zum Spotte werden? Soll denn der Berg der pflichten immer wachsen, Dieihr so eifrig sucht und stützet, bis Die Wehrzahl sie nicht kennt und nicht beachtet? Roch einmal sag' ich euch: Studiert die Schrift! Doch legt ihr aus, so achtet auf das Leben! Studiert die Tradition, um sie zu prüfen, Studiert sie aber nicht, um zu erschweren, Stets neue pflichten aufzufinden, und Statt Frömmigkeit die Heuchelei zu züchten. Elieser. Zch mag nicht widersprechen, denn so ist's: Die Uebertreibung macht uns zum Gespött. 3st irgendwo die weise Wäßigung Am platze, dann ist's in der Religion. Ts ist genug, wenn wir das Ueberlieferte- Geprüft und Einigkeit gewonnen haben. Für heut leb' wohl! Akiba. Leb' wohl! IV. Zosua. Ich danke euch, daß ihr mich nicht vergeßt, Der ich nun leider den Verhandlungen Zm Lehrhaus eben nicht beiwohnen kann. Akiba. Wir können deinen Kummer wohl verstehn. Und doch ging' ich am liebsten nicht hinaus, Denn was ich seh' und höre, schmerzt noch mehr: Ward je ein Volk der Welt so schwer geprüft, -Wie wir durch dieses harte Römerjoch? Zosua. Za, eine böse Zeit, in der wir leben! ' Seitdem das Gotteshaus in Trümmer sank, Fehlt unsrem Volk der rechte Wittelpunkt; Da gibt es keinen Tag mehr ohne Fluch, Nicht sinkt der Tau zum Segen uns hernieder, Des Feldes 'Früchten fehlt der Wohlgeschmack. Elieser. Ach, leider sprichst du wahr! Doch schlagen wir An unsre eigne Brust! Mb unsrer Sünden 3ft alles so gekommen, wie es kam. Und soll es besser werden, kann es nur Durch Reue und durch Buße besser werden. Drum: tun wir Buße, kommt auch die Erlösung. Z o s u a. Erlösung kommt durch 'Gottes Gnad' allein Sobald die Zeit dazu gekommen ist. Akiba. Die Zeit dazu? Und wer ist denn die Zeit? Sind's nicht die Wenschen, die die Zeiten machen? Das Waß ist voll. Sind wir nur erst gewillt Das Leben für die Freiheit einzusetzen. Und haben wir den rechten Führer erst. So denk' ich, ist die rechte Zeit schon da. Zosua. So dachten unsre Väter auch, so kam's Zu Kampf und Sieg und endlich Untergang. Der Wacht der Römer können wir nicht trotzen. Das sah mein weiser Lehrer Zochanan, Das seh' auch ich und jeder Denkende. Es bleibt uns andres nicht, als in Geduld Der Zeit zu harren, bis es Gott gefällt:. Akiba. So sollen wir der Römer Uebermut Und jede Frechheit, die sie sich erlauben. Den Druck ertragen, den sie auf uns legen Und gar den Wortbruch dieses Hadrian, Der alles, was uns je versprochen ward, Wit einem Wal — warum? — 'so schnöd' vergißt? 3 o s u a. M Freunde, lasset mich euch eine Fabel Erzählen! Einstmals blieb dem Löwen, als Er. gar zu gierig feine Beute schlang, Zm Hals ein Knochen stecken: Er versprach.