Liberales Judentum
- Journal
- Liberales Judentum
- Volume
- 4 (1912)
- Issue
- Heft 8 (August 1912)
- Date
- 1912-08-01
- Page
- Seite 184 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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184 Prof. Ar. Kuttnrr: Szenische Bilder aus der jüdischen Geschichte O o o o D o ß a. 0 hör' auf ihn, es ist die Stimme Gottes! Alan kennt Gamaliel, und man kennt auch dich Die Unterwerfung bringt dir keine Schande. Auch dein Gewissen kann beruhigt sein, Denn du tust nur, was ein Gesetz befiehlt. 3 of ua. So will ich denn gehorchen, weil's Gesetz! Habt Dank, daß ihr zur rechten Zeit mich mahntet. Dem zu gehorchen, der befehlen darf. III. Zosua. Zhr kommt, nur eure Teilnahme zu zeigen, Ihr fragt, wie mich der Präsident empfing: 0, er ist ein verehrungswürd'ger Mann, Und seine Strenge ist nur heil'ger Lifer. Gr war gerührt, gehorsam mich zu sehn, Gr fiel mir um den Hals und küßte mich, Zu Tränen, selbst gerührt, und rief: „Willkommen, Willkommen, du mein Lehrer und mein Schüler: Mein Lehrer in der Weisheit, im Gehorsam Mein Schüler! Glücklich ist die Zeit zu preisen, Zn der die Großen auf Geringe hören." Glies er. Zch muß es anerkennen in der Tat: Gr ist ein edler Mann mit hohem Sinn, Der zwar auf seiner Meinung stehen bleibt, Doch gerne nachgibt, wenn man ihn belehrt. Zosua. Gewiß, so ist er. Doch ist seine Strenge 0ft gar zu lästig, wenn nicht gar beschämend. Für alles sucht er feste Norm und Ginheit. A k i b a. Und ist das nicht ein heiliges Verdienst? Soll Spaltung oder Sekten gar entstehn? Gs muß sich doch das Richtige finden laffctt. Und wozu haben wir auch noch die Thora? Zosua. Und wie, wenn eine Norm notwendig ist, Für die die Thora keinen Anhalt bietet? Akiba. Man suche nur, so wird man sie schon finden. Z o s u a (spöttisch). Mein Lehrer Rabbi Zochanan ben Sakkai Erklärt, daß jegliches Gesetz, das nicht Begründet in der Schrift, verschwinden werde; Akiba aber sucht und. findet Stellen Für solcherlei Gesetze in der Schrift. Glieser. So ist's am besten, keine neuen Pflichten Aus alten abzuleiten, sondern sich Mit den ererbten ewig zu begnügen? Zosua. vernehmt's und sagt's in meinem Namen weiter: Die nur entscheiden nach der Tradition, Sie sind's, die unser Judentum zerstören, wollt ihr denn nicht begreifen, daß Vernunft Und Leben auch ein Wort zu reden haben? Nicht Hillel ist entscheidend oder Schammai, Noch sonst ein anderer, käm' er selbst vom Himmel; Nur Prüfung mit Vernunft und Menschenliebe Und steter Blick aufs wechselvolle Menschenleben — So hielt's mein großer Lehrer Zochanan, Und so will ich's halten allezeit. D o ßa. Willst du dich nicht noch etwas deutlicher Erklären, öder gar ein Beispiel geben? Zosua. Fehlt je ein Beispiel dem, der sehen will? Seht nur, wie unsre Frommen sich geberden Und nimmermehr kann euch ein Beispiel fehlen. Da hat der eine die Tephillin auf Und steht, wie just ein Rind ins Wasser fällt; Doch bis er die Tephillin ablegt, Zst dieses Rind gesunken und ertrunken. Gin andrer zeigt ein keusch und heilig Leben: Sieht er ein Weib, schlägt er die Augen nieder, So kräftig, daß der Wange Blut entfließt; Und fällt ein weib ins Wasser, läßt er sie Ertrinken, weil er's nicht berühren darf. Zst solch ein Frommer nicht vielmehr ein Narr? Befraget euer Herz und den Verstand, Mit diesen beiden prüft die Tradition, Dann seid ihr immer auf dem rechten Weg! Tut ihr das nicht, hängt an der Tradition Und sucht sie nur zu stützen durch die Schrift, So tötet ihr die echte Frömmigkeit Und gebet sie und euch dem Spotte preis.