Liberales Judentum
- Journal
- Liberales Judentum
- Volume
- 4 (1912)
- Issue
- Heft 8 (August 1912)
- Date
- 1912-08-01
- Page
- Seite 183 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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Prof. Ar. Kuttner: Szenische Kildrr aus der Mischen Geschichte 183 Iosua. Du irrst, Lhanina! Nicht aus Ligensinn 3ft unser hochehrwürd'ger Präsident Bei den verbindlichen Entscheidungen So streng und abhold jedem Widerspruch. Nicht seine oder seines Hauses Ehre Hat er im Auge, sondern nur allein Die Einheit und die Läuterung der Lehre, Daß nicht Zersplitterung im Judentum Entziehe oder gar sich Sekten bilden. Und dieserhalb nur schuf er das Gesetz: Daß stets entscheide die Majorität, Und wer sich ihr nicht fügt, den trifft der Bann. Mit Fug und Recht. Denn es ist höchste Zeit, Das mündlich Ueberlieferte zu prüfen Und eine Norm zu schaffen für das handeln Das Denken aber bleibt auch ferner frei. Thanina. Das seh ich ein und muß es billigen. Allein, du mußt gestehn, Gamaliel hat Die Neigung, uns das Leben zu erschweren. Hast du vergessen schon den e'ig'nen Streit, Den du mit ihm gehabt, da du erklärt. Gebet am Abend sei freiwillige Tat, Und er dagegen: es sei eine Pflicht? Zosua. Nicht Hab' ich das vergessen, noch auch andres; Doch auch sein hehres Ziel vergesst ich nicht. Thanina. wär' er nur manchmal nicht so rücksichtslos! Iosua. Wohl ist er schroff, erschwert oft ohne Not, Und das führt leicht zu Widerspruch und Sünde. Auch seh' ich noch ein anderes entstehn: Der Heiden Hineigung zum Judentum Nimmt durch Erschwerungen des Eintritts ab. Entsagt ein Heide nur dem Götzendienst Sowie dem Blutgenuß: genügt ein Bad, Ihn aufzunehmen in das Judentum. Akiba (tritt ein, erregt). Ehrwürdiger Rabbi, meinen Gruß zuvor! Zu dir zu eilen, ist mir stets ein Fest; Doch heute komm' ich langsam, widerstrebend. Iosua. was gibt es denn? Es ist doch alles wohl? vertraue Gott und habe guten Mut! Akiba. Dem Präsidenten Gamaliel ward Es hinterbracht, daß du des Jahrs Beginn, wie er ihn festgesetzt, nicht anerkennst. Das widerspreche der Autorität, Die er als Präsident verlangen muß; Darum befiehlt er dir, daß an dem Tag, Den du berechnet als Versöhnungstag, Mit Stab und Reisekleidern du vor ihm Erscheinest! Zosua. Lieber lag' ich ein Jahr krank! G Rabbi Gamaliel, Gamaliel, verlange nicht, daß wider ^besseres Wissen Den hehrsten Tag des Zahres ich entweihe! Akiba. So willst du dem Befehle nicht gehorchen? Iosua. Gehorchen, wenn sich Gamaliel irrt? Akiba. Er> hat die Macht, dich in den Bann zu tun. Iosua. Nicht beug' ich mich der Macht, wenn ich im Recht. D o ß a (tritt ein). Akiba (zu Doßa). Dich sendet unser Gott zur rechten Zeit. Doßa (zu Akiba). weiß er's? Und wie hat er es ausgenommen? Iosua. Sei Friede dir und mir! Ich weiß es schon Und werde dem Befehle nicht gehorchen. Doßa. Und warum nicht? Iosua. Weil Gamaliel irrt. Doßa. Muß ich, dein Schüler nur, an das Gesetz Dich mahnen, daß bei kalendarischen Berechnungen dem Naßi unbedingt Zu folgen ist, auch wenn er irren sollte? Akiba. So ist's, verehrter Rabbi; folge drum Und Ineide nachgiebig so Streit wie Spaltung!