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Liberales Judentum · 1912-08-01 · Heft 8 (August 1912) · p. Seite 182

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Journal
Liberales Judentum
Volume
4 (1912)
Issue
Heft 8 (August 1912)
Date
1912-08-01
Page
Seite 182 (sequence 14)
Language
German
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182 Prof. Nr. Kuttnrr: Szenische Silder ans der jüdischen Geschichte Eli es er. Bedenke, daß die Lehrer Gottes Stimme Vernehmen, wenn sie ein Gesetz beschließen. Zosua. Die Stimme Gottes hör ich in der Thora; Die Thora aber ist im Fimmel nicht, Sie ist auf Erden. Akiba. Doch wenn aus der Schrift Gesetzliche Bestimmungen belegbar? 3 o f U a. Du wandelst nicht die Pfade meines Lehrers, Des großen Rabbi Zochanän ben Sakkai, wenn du nach Stellen forschest in der Schrift, Halachische Bestimnmngen zu stützen, wozu vergrößern stets der Pflichten Maß? Das Leben auch stellt seine Forderungen. Nicht stundenlanges Beten ist das Ziel, Auch nicht ununterbrochenes Studium — Ein kurz Gebet, ein wenig Studium Am Morgen und am Abend, und am Tage Mit Eifer dem Berufe obgelegen! Und an den Festen denket erst an Gott, Und dann genießet menschlich Festesfreude! will einer mehr, das bleib' ihm unverwehrt, Doch die Gesamtheit sollt ihr nicht belasten Und immer an die große Masse denken. (Es klopft; Akiba geht zur Tür und kommt zurück.) Akiba. Ein Weib begehrt zu Rabbi Zosua, Zhm neu zu danken treibe sie ihr bserz. Zosua. Die Frau paßt nicht zu unsrer ernsten Rede. Sie mag verzeihen und meinen Segen nehmen, Und lebe fürderhin nach Gottes Wort! (Akiba ab und gleich darauf zurück.) E l i e s e r. Zst's etwa gar das Weib, das lasterhafte. Das Weib, das in Blutschande chat gelebt, Das Jüdin werden wollte und darum Zu mir kam und dem ich die Türe wies? Zosua. Das nämliche! Und ich nahm gern sie auf. Mehrere. wie?'Dünkt dich diese Jüdin ein Gewinn? Und was bringt sie dem Judentum für Ehre? Zosua. Gerade weil sie sich entschlossen hat Zhr schändlich Leben weiter nicht zu führen, Hat sie dem Judentum sich zugewandt. Seitdem sie Jüdin, ist sie neu geboren: Ihr heidnisch Leben liegt jetzt hinter ihr, Und niemals kehrt sie mehr zu ihm zurück; Fortan lebt sie nach jüdischem Gesetz. Doßa tritt ein. Zhr weisen Lehrer, die ich hoch verehre, Seid mir gegrüßt, und Friede fei mit euch! Vernehmt das Neu'ste unsres Präsidenten! Zn der Verhandlung des Synhedrions Erschienen heut der Männer zweie, die Bekundeten, sie hätten heut die Sichel Des neuen Monds gesehen, am dreißigsten Des Monats Ellul, während gestern Abend Noch nichts gesehen ward! Der Präsident Bestimmte drauf des neuen Zahrs Beginn. Unmöglich ist der Männer Zeugnis wahr. Zosua. Unmöglich ist der Männer Zeugnis wahr; Auch ich versteh' etwas von dem Aalender. Zch protestiere gegen die Bestimmung! Elieser. Nur nicht so hitzig! Rabbi Gamaliel Zst auch kein Neuling; seine Kenntnisse Zn astronomischen Berechnungen, vom Großvater ererbt, sind dir bekannt, Und seine Zeichnungen der Mondesphasen Hast du in seinem Hause selbst gesehen. Wenn er des Monats und des Zahrs Beginn Hat festgesetzt, so muß es richtig sein. Zosua. Bei aller Ehrfurcht vor dem Präsidenten Stimm' ich mit Rabbi Doßa überein, Daß beide Zeugen falsch berichtet haben. Wie unbeugsam auch Gamaliel ist, Zch dleib' bei dem, was ich -für wahr erkannt. II. Lhanina (Neffe Zosuas). Laß mich, verehrter Gheim, meinen Dank Und meine Freude dir zum Ausdruck bringen, Daß du den Präsidenten überzeugt. Daß ich, so sonderbar auch die Entscheidung Geklungen, dennoch recht geurteilt hatte. Fürwahr, die Mühe war gewiß nicht Kein — Und um so höher schätz' ich den Erfolg; Denn Gamaliel hat so starren Sinn, Daß er nicht andere Meinung dulden mag.

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