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Liberales Judentum · 1912-08-01 · Heft 8 (August 1912) · p. Seite 181

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Liberales Judentum
Volume
4 (1912)
Issue
Heft 8 (August 1912)
Date
1912-08-01
Page
Seite 181 (sequence 13)
Language
German
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Prof. Ar. Kuttner: Szenische Kiidrr aus der Mischen Geschichte 181 kann, bildet das wahre Ziel des Lebens. Damit drängt sich von selbst die Forderung einer gewissen Abkehr von der Welt und weltlichem Wesen auf, und in der Tat fliegt ein Hauch von resignierter Weltflucht über Bachjas Werk. Denn schließlich gilt ihm ja die Seele, der alle ernste Sorge allein dienen soll, als ein höheres Wesen, das nur als Gast aus einer besseren Welt unsere niedere Leiblichkeit bewohnt. ' Aber es ist interessant zu beobachten, wie dieser strenge Dualismus zwischen Leib und Seele einen anderen Dualismus mildert, ' den zwischen dem Diesseits und dem Jenseits. Die durch den Dienst Gottes geläuterte Seele erfüllt sich mit der Gottesliebe; so ersteigt sie den Gipfel des Weges der Tugenden. Jetzt ist ihr nicht bloß die Pforte der Seligkeit erschlossen. Sondern sie genießt Ihren Vorgeschmack in einem Leben des Friedens und der Ruhe, das abgekehrt von dem lästigen Lärm des Tages, an die reine Hoheit des prophetischen Daseins grenzt. Zn ihm erschaut sie ahnungsvoll von der höheren Welt und der göttlichen Weisheit mehr, als schärfste Vernunft jemals entdecken kann. So führt die Gottesliebe an das Tor mystischer Intuition. Szenische Bilder aus der jüdtfchen Gefchidite. (Z.) Mua ben Chananja. Die Personen, lauter hervorragende Gesetzeslehrer: Rabbi Iosua b. Thananja, stellvertretender Vorsitzender des Synhedrions, R. Glieser b. Hyrkan, R. Gleasar b. Asarja, R. Akiba, R. Doßa, R. Iochanan b. Beroka. Diese Personen sind historisch, ihre Worte vielfach, die des Iosua b. Thananja fast durchgehends überlieferte. Zeit: die Jahre 100—M Glieser. Verehrter Rabbi, wir.begrüßen dich Und preisen Gott, der dich genesen ließ. Iosua (erhebt sich). willkommen mir, Genossen all, und Schüler, Nehmt Gottes Lohn für euren Liebesgruß, Und dankbar drück' ich jeglichem die Hand. (Begrüßt jeden.) Die Rrankheit ist vorüber, Gott sei Lob! Doch ist mit ihr ein anderes geschwunden. L l e a s a r. So weißt du schon, daß der furchtsame Priester Dir seine Tochter nicht mehr geben will, Seit du von dieser Rrankheit heimgesucht? Iosua. Mein Schüler Iochanan hat mir's berichtet. Vielleicht befürchtet er, daß meine Rrankheit Mich häßlicher noch macht, als ich schon bin;l) vielleicht auch ist sein Ahnherr Aron ihm Im Traum erschienen, es sich zu verbitten, Daß ich mit seinem Hause mich verbinde. Akiba. Das glaub' ich nicht Gin Mann, der Frieden nur Und Gintracht will, ist ganz nach Arons Sinn. Den Priester sollte solch ein Gidam freuen, Der Hillels Milde paart mit Iochanans Ben Sakkai Weisheit und Gntschlossenheit. Iosua. Rühmt nicht zuviel! Gleich Iochanan jedoch Seh' ich die Zeiten und die Menschen an Und richte mich nach dem, was sie erfordern. Gieß' ich ins Faß, das vollgefüllt mit Del, Noch Wasser, strömt da nicht das Del heraus? Erschwer' ich immer nur, ist's da ein Wunder, Wenn wichtiges Unwicht'gem weichen muß? Denk' ich an alle die Bestimmungen, Die über Sabbat und die wallfahrtsfeste Getroffen sind, so dünken sie mich doch Wie Berge, die an dünnen haaren hängen, wie wenig sagt die Schrift, wie viel die Lehrer! JosuaS Häßlichkeit war allgemein bekannt.

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