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Liberales Judentum · 1912-07-01 · Heft 7 (Juli 1912) · p. Seite 163

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Liberales Judentum
Volume
4 (1912)
Issue
Heft 7 (Juli 1912)
Date
1912-07-01
Page
Seite 163 (sequence 19)
Language
German
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Pr. Seligmann: Pie Gristesreligion und Las jüdische Ueligisnsgesetz 163 der Verfasser ins Treffen führt; Ziegler selbst tritt hinter Tucken, den er für sich sprechen läßt, mit Absicht zurück und erklärt: „Inwieweit ich mich'diesen Ideen anschließe oder ablehnend zu ihnen verhalte, bitte ich den Leser nicht zu fragen. Für mein eigenes religiöses Leben habe ich mir die Worte Goethes zum Wahlspruch gemacht: „Das schönste Glück des denkenden Menschen ist, das Trforfchliche erforscht zu haben und das Unerforschliche ruhig zu verehren." Warum Ziegler die Tuckensche Gedankengäiige seinen Lesern vorführt? Weil er Rudolf Tucken für einen Wiedererwecker des religiösen Sinns unseres Jahrhunderts ansieht, wie es Schleiermacher dem (9- Jahrhundert gewesen ist. „Seine Geiftesreligion ist heute schon der Trost eines Teiles der Intelligenz der deutschen Thristenheit und wird von Jahr zu Jahr an Verbreitung gewinnen. Daß sich dieser Religionsidee auch die jüdische Intelligenz anschließen wird .... daran ist nicht zu zweifeln. An ihr kalt vorübergehen, wäre ein verhängnisvoller Fehler der jüdischen Religionsphilosophie, der sich am Judentum ebenso rächen würde, wie die Mißachtung der Schleiermacherschen Religionsidee nicht wenig zur Fahnenflucht der deutschen Juden im Anfang des (9- Jahrhunderts beigetragen hat. Ich halte es für unsere Pflicht, die Auseinandersetzung des Judentums mit einem so tiefgehenden Religionsgedanken anzubahnen und ungescheut vorzunehmen." Rach dieser inhaltsschweren Erklärung erwartet jeder Leser, daß nun die Auseinandersetzung mit Tuckens „Geistesreligion" folgen werde. Weit gefehlt, von der Tuckenschen Geistesreligion ist in den folgenden JpO weiten überhaupt nicht, oder nur ganz en passant die Rede. Alles Folgende ist, wie bereits erwähnt, die Auseinandersetzung mit dem Religionsgesetz. Das verstehe, wer kann. Wenn das Thema des Buches „Das Religionsgesetz" sein sollte, wozu die weithergeholte, nur künstlich in den Rahmen der Auseinandersetzung eingespannte Darstellung der Tuckenschen Geistesreligion? Wozu mit einer wuchtigen religionsphilosophischen Guvertüre beginnen und Stimmungen und Erwartungen erregen, die dann nicht erfüllt werden? — Wenn das Thema des Buches dagegen die „Geistesreligion" sein, sollte, warum geht Ziegler der Auseinandersetzung mit der Geistes religion aus dem Wege? Aber nein! Ganz geht Ziegler der Sache nicht aus dem Wege. Auf einer ganzen Seite wird uns Antwort auf unsere Frage. „Die Aussprache des Judentums mit der Geistesreligion müßte eigentlich drei Momente betreffen. Das erste Moment wäre die Gottesidee (das zweite der Rultus, das dritte das Religionsgesetz). Ich war bisher der Meinung, das einzige Moment der Auseinandersetzung zwischen Tucken und Judentum wäre die Gottesidee. Denn einzig und allein um die Gottesidee handelt es sich bei Tucken; auch da, wo Lucken von den Gesetzesreligionen spricht, erörtert er lediglich deren Verhältnis zur Gottesidee. Doch hören wir, wie der Verfasser es zu rechtfertigen sucht, daß er es nicht versucht, die jüdische mit der Lucken'schen Gottesidee auszugleichen: weil ihm eine friedliche Auseinandersetzung unmöglich und weil ihm die Auseinandersetzung überhaupt unnötig erscheint. Unnötig, da die jüdische Religion nie das Hauptgewicht auf den Glauben gelegt habe, „war nur des Menschen Tun göttlich, sein Meinen konnte sich manches erlauben." Gewiß, es findet sich irgendwo im Midrasch — die Stelle weiß ich im Augenblick nicht anzugeben — der Ausspruch: Mögen die Rinder Israel mich (Gott) verlassen, wenn sie nur meine Thora halten. Gewiß, schon Zacharias Frankel hat Gold-

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