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Liberales Judentum · 1912-07-01 · Heft 7 (Juli 1912) · p. Seite 162

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Journal
Liberales Judentum
Volume
4 (1912)
Issue
Heft 7 (Juli 1912)
Date
1912-07-01
Page
Seite 162 (sequence 18)
Language
German
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162 Ar. Srligmann: Are GristesrrLigion und das jüdische ReUgiansgesrtz lichen Unterschieden verstehe ich Fragen wie den Gebrauch Der Landessprache im öffentlichen Gottesdienst, die Ginführung einer Orgel, das Zusammensitzen von Rlännern und Frauen in der Synagoge und das Lntblößen des Hauptes daselbst, und dergleichen mehr. Alle diese äußerlichen Unterschiede hängen von den verschiedenen Auffassungen über Ursprung, Wert und Bedeutung des pentateuchischen und des rabbinischen Gesetzes ab, sowie über die dauernde Geltung der religiösen Gebräuche. Sie hängen aber auch von gewissen Hoffnungen für die Zukunft ab, von gewissen Wünschen und Idealen, in bezug auf welche die eine Form des Judentums von der andern abweicht. Und außerdem hängen sie noch von unfern Auffassungen darüber ab. wie sich im Judentum die Rasse zur Religion verhält, und .wie sich die Juden zu den Ländern und Völkern verhalten, unter denen sie wohnen. Denn auch hier unterscheiden sich die meisten Liberalen von den meisten Konservativen. Ueber diese Hoffnungen. Ideale und Beziehungen zu sprechen, wird meine Aufgabe im nächsten Kapitel sein. Die Geiftesreligion und das jüdifdie Religionsgefetj. Von Dr. Seligmann-frankfurt a. JTL 5 gibt Bücher, an denen nichts auszusetzen ist; sie sind korrekt, tadellos, ohne Fältchen, wie eine Figur aus dem Rlodejournal. Aber meistens auch ebenso langweilig. Nie reizen sie zum Widerspruch. Alan nickt nur immer zustimmend beim Lesen, ja man nickt.so lang — bis man glücklich eingenickt ist. Rlusterkinder und Rlusterbücher sind nicht nach Jedermanns Geschmack. Ls steckt keine Seele drin, keine urwüchsige Ligennatur, keine Kraft, kein Blut. vor uns liegt ein Buch/) das "ln seinen Hauptergebnissen und in vielen Argumentationen zum Widerspruch zwingt. Aber es ist trotzdem ein gutes, inhaltreiches, interessantes Buch voll ausgesprochener persönlicher Ligenart, voll Geist und Temperament. Der Verfasser hat eine außerordentlich lebhafte Phantasie und eine energische Kraft, die den Problemen auf den Leib rückt und sich mit ihnen herumschlägt. Und die Probleme sind Lebensfragen für das liberale Judentum. l) Die Geistesreligion und das jüdische Religionsgesetz. Ein Beitrag zur Erneuerung des Judentums von vr. Ignaz Ziegler, Rabbiner in Karlsbad. Mit einem Geleitwort von Rudolf Eucken. Berlin, Georg Reimer 1912. 8°. IV. und 158 S. Wir können uns darum der Aufgabe nicht entziehen, das Buch eingehend zu würdigen und Stellung zu ihm zu nehmen. 9 * * * Zieglers Buch zerfällt in zwei heterogene und — wie ich gleich hinzufügen muß — innerlich unzusammenhängende, wenn auch äußerlich unter einander verbundene Teile. Der erste Teil behandelt auf nicht ganz 50 Seiten die „Gottesfrage", die dogmatischmetaphysische Grundlegung des Judentums. Der zweite Teil, der eigentliche Hauptteil, auf den es dem Verfasser vor allem ankommt, erörtert „das jüdische Religionsgesetz" in drei Kapiteln, und zwar „Das jüdische Religionsgesetz innerhalb der jüdischen Religion", „Den Zweck des Religionsgesetzes" und „Das Recht des Religionsgesetzes in der Geistesreligion". Im ersten Teil rüttelt der Verfasser mit himnrelstürmenden Fragen und Argumenten an dem alten biblischen Gottesgedanken des Judentums. Nicht in prometheischem Trotz, sondern in schwermütiger, aber wahrheitsentschlossener Resignation. Ls sind wesentlich Rudolf Luckens Gedanken und Worte, die

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