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Liberales Judentum · 1912-07-01 · Heft 7 (Juli 1912) · p. Seite 160

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Liberales Judentum
Volume
4 (1912)
Issue
Heft 7 (Juli 1912)
Date
1912-07-01
Page
Seite 160 (sequence 16)
Language
German
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160 0 o o o Ar. Norden: Umrisse des Liberalen Judentums Schöpfer der Körperwelt ist, wissen wir nicht, und wir fordern auch nicht, daß der Glaube irgendwelche Stellung zu diesem Gegenstand nimmt. Uns kommt es mehr auf den regierenden als auf den schaffenden Gott an; Gott, der Führer, ist uns mehr als Gott, der Schöpfer, soweit die äußere Welt in Betracht kommt. Hingegen legt das liberale Judentum, wie wir schon' gesehen haben, darauf wert, daß Gott der (Vuell des Lebens, vor allem der menschlichen Seele, daß er der Ursprung der Tugend und des Wissens ist. würden wir Glaubensartikel aufstellen, so würde diesem Punkte Beachtung zu schenken sein. 2. „Der 'Schöpfer ist einzig, und es gibt keine Einheit gleich der seinen in irgend, welcher Art; er allein ist unser Gott, der war, ist und fein wird." Mit diesem Glaubensartikel befindet sich das liberale Judentum in voller Uebereinstimmung. 3. „Der Schöpfer ist kein Körper, besitzt keine Eigenschaft eines Körpers noch irgend welche Gestalt." Auch diesem Satze stimmen wir zu. Nur würden wir ihn lieber positiv als negativ ausdrücken und sagen: Gott ist Geist. f. „Der Schöpfer ist der Erste und der Letzte." Dieser Satz bedeutet, daß Gott nach beiden Richtungen ewig ist. wir stimmen ihm zu. 5. „Zu dem Schöpfer allein geziemt es sich, zu beten, zu Keinem außer ihm." Die polemische Richtung dieses Glaubensartikels ist einleuchtend; wir stimmen ihm zu. Nunmehr verlassen die Glaubenssätze die Lehre von Gott und wenden sich der Bibel zu. wie ich bereits gesagt habe, lassen sie vieles aus, was in ihnen stehen müßte. Die Beziehungen Gottes zum Menschen, der göttliche Geist im Menschen, der dem Menschen von Gott gewährte Beistand, werden nicht erwähnt. Zn einem jüdischliberalen Glaubensbekenntnis würden sie wichtige Sätze zu bilden haben. 6. „Alle Worte der Propheten sind wahr." Auch wir würden einen Artikel über Znspiration aufstellen. Ehrlicherweise aber könnten wir nicht erklären, daß alle Worte der Propheten, worunter Maimonides die niedergeschriebenen Reden der biblischen Propheten versteht, „wahr" sind. Das würde bedeuten, daß alle ihre Worte vollkommen gut und vollkommen richtig sind. Wenn wir alle Worte der Propheten sorgfältig untersuchen, so erlaubt uns. weder Vernunft noch Gewissen, dies zu glauben. 7. „Das Prophetentum Moses war wahr; er war das Haupt der .Propheten, sowohl der ihm vorangegangenen, als auch der ihm nachfolgenden." An diesen Satz müssen wir eine ähnliche- Kritik anlegen, wie an den vorhergehenden. Zweifellos war Mose ein Lehrer der Religion und in diesem Sinne ein Prophet; wir würden uns jedoch nicht veranlaßt sehen, zu behaupten, seine Inspiration, sei größer gewesen als die des Jesaja. Neberdies sind die meisten dem Mose' in den Mund gelegten Worte jünger als die mosaische Zeit, wir lehnen diesen Glaubensartikel daher ab. 8. „Die ganze Lehre, wie sie sich jetzt in unserm Besitz befindet, ist die dem Mosegegebene." Bezieht sich dieser Satz nur auf , den Pentateuch oder auch auf die sogenannte mündliche Lehre? Zn beiden Fällen müssen wir ihn ohne weiteres ablehnen. Das meiste im Pentateuch iss viel jünger als Mose und die mündliche Lehre noch viel jünger. 9. „Diese Lehre wird mit keiner andern vertauscht und' keine andere Lehre vom Schöpfer gegeben werden."

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