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Liberales Judentum · 1912-07-01 · Heft 7 (Juli 1912) · p. Seite 155

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Journal
Liberales Judentum
Volume
4 (1912)
Issue
Heft 7 (Juli 1912)
Date
1912-07-01
Page
Seite 155 (sequence 11)
Language
German
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Ar. Norden: Umrisse des liberalen Judentums 155 Eingabe zu. bezeugen und so das Gottesreich auf Erden herbeiführen zu helfen. Israels Aufgabe ist von der Vorsehung bestimmt, die Auserwähltheit Israels bedeutet nichts anderes als diese von Gott aufgegebene und von Israel übernommene Verpflichtung. „Nur euch habe ich ersehen aus allen Familien der Erde, darum werde ich ahnden an euch alle eure Vergehungen", dieses Wort des Propheten (Amos 3, 2) kennzeichnet am schärfsten die verpflichtende Kraft der Auserwähltheit Israels. Gb im Punkt Z die alte Terminologie vom Bunde Gottes mit Israel, von Israels Auserwähltheit, von Israel als berufenem Gottesdiener, von der Pflicht den Namen Gottes zu heiligen (Kiddusch ha-schem) gebraucht ^werden' soll oder nicht, bleibe dahingestellt. , Die Lehre gber von Israels besonderen religiösen Sendung ist so wesentlist, daß mit ihr das Judentum steht oder fällt. Es hieße offene Türen einrennen, wollte ich fetzt eingehend beweisen, daß die Lehren, die in dem Entwürfe als wesentlicher Gehalt der jüdischen Neligion bezeichnet werden, auch wirklich solche sinch die das liberale Judentum mit allem Nachdruck vertritt, vertreten muß und vertreten will. Die Einsichten über die beste Formulierung dieser Punkte mögen im einzelnen auseinandergehen, an der fundamentalen Wichtigkeit der im Entwürfe angeführten Lehren kann niemand zweifeln. Etwas davon hinwegzunehmen scheint mir ausgeschlossen; wer noch etwas hinzutun wollte, könnte höchstens ein implicite darin Enthaltenes, der größeren Deutlichkeit wegen, erplicite aussprechen. Umrisse äe5 liberalen Juäentums. Zum Gebrauche für Cltern und Hehrer von Claude 6. JTlontefiore. Bus dem englischen übersetzt mit Erlaubnis des Verfassers von Rabbiner Dr. Rorden-Clberfeld. Vorbemerkung des Uebersetzers. Mit aufrichtiger Freude komme ich der Aufforderung der Redaktion dieses Blattes nach, einige Abschnitte aus dem neuesten Werke Elaude G. Montefiores zu übersetzen. Denn Hier liegt ein Buch vor uns, wie wir deutschen Juden es noch nicht besitzen. Der ausgesprochene Zweck des neuen Werkes ist, die liberal denkenden Eltern und Lehrer bei der religiösen Erziehung zu unterstützen. Viele liberale Eltern in England — und ist es in Deutschland etwaanders? — sind sich noch nicht genügend darüber im Klaren, worin denn eigentlich das liberale Judentum besteht. Sie wissen vielleicht, was es ablehnt und verwirft, nicht aber, was es behauptet und fordert. Diesen elterlichen Kreisen will das Buch zu Hilfe kommen. In gleicher Weise will es aber auch den liberalen Religionslehrern dienen. Viele von ihnen wissen da noch immer weder aus noch ein. Es fehlte bislang an einem Buche, das in schlichter, allgemein verständlicher Sprache die wichtigsten religiösen Fragen vom liberalen Standpunkt aus beleuchtet. Auch wir in Deutschland besitzen kein Religionsbuch, das dem liberalen Lehrer als Wegweiser dienen könnte. Unsere Lehrbücher sind, soweit sie von orthodoxen Verfassern cherrühren, orthodox; soweit sie von liberalen Verfassern stammen, neutral. Montefiore hat die Lücke ausgefüllt : sein Buch behandelt die religiösen Probleme von ausgesprochen liberalem Standpunkt aus. An keiner noch so schwierigen Frage geht er vorüber; und so kann sich der liberale Lehrer über alle diese großen Fragen und Probleme unterrichten, über den Gottesglauben, über das Uebel in der Welt, über die Freiheit des Willens, über die bib-

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