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Liberales Judentum · 1912-07-01 · Heft 7 (Juli 1912) · p. Seite 154

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Journal
Liberales Judentum
Volume
4 (1912)
Issue
Heft 7 (Juli 1912)
Date
1912-07-01
Page
Seite 154 (sequence 10)
Language
German
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154 O O O 0 Ar. Karges: Der wesentliche Gehalt der jüdischen Neligron Lehre vom persönlichen Messias verstößt. Auch wer den Glauben an eine Schöpfung aus nichts leugnet, wird von Albo nur als Sünder (chote) bezeichnet, nicht aber als koksr be-ikkar, als Ketzer, der aufgehört hat, ein Jude zu sein. Kraft unseres religiösen Bewußtseins dürfen wir noch einen Schritt weiter gehen und sagen, daß wir auch den Leugner der Lehren, die uns als wesentlicher Gehalt der jüdischen Religion gelten, trotzdem als Juden betrachten, als Angehörigen unsrer Religionsgemeinschaft auch dann, wenn er sich innerlich außerhalb dessen stellt, was wir als das Wesentliche der jüdischen Lehre ansehen. Wir brauchen uns nicht erst auf den Satz (Kidduschin 4JjOa) zu berufen: Wer vom Götzendienste sich lossagt, ist wie einer, der sich zur Thora bekennt. Dieser Satz mag nur eine homiletische Hyperbel sein. Aber wir halten uns an den Grundsatz, der immer gegolten hat: Tin Jude bleibt Jude, auch wenn er gesündigt hat (st al pi schechata jisrael hu, Sanhedrin ^b). Wenn selbst beb praktischen Verfehlungen gegen die wichtigsten Vorschriften der Religion der Sünder trotzdem als Israelit zu betrachten ist, um wie viel mehr, der nur theoretisch den Lehrinhalt des Judentums anzweifelt oder leugnet. Wir kommen nun zu dem, was der vorliegende Entwurf als wesentlichen Gehalt der jüdischen Religion heraushebt. Ls sind drei Hauptpunkte: die Lehre von Gott, 2. die Lehre vom Menschen und der Menschheit, 3. die Lehre von Israels providentieller Aufgabe. Keine dieser Lehren läßt sich von der jüdischen Religion wegdenken, ohne daß sie damit eines Teiles ihres wesentlichen Gehaltes beraubt würde. Niemand wird zweifeln, daß es ein Judentum ohne die Lehre von d^m ewigen, einzigen, geistigen, heiligen Gott nicht geben kann, darum gehört diese Lehre zum wesentlichen Gehalt der jüdischen Religion. Desgleichen der zweite j)unkt, der vom Menschen und von der Menschheit handelt. Die Lehre von der Gottesebenbildlichkeit des Menschen und der Unsterblichkeit der Menschenseele ist ünfraglich ein Angelpunkt der jüdischen Religion. Die Lehre von ^>er sittlichen Willensfreiheit ist die unentbehrliche Grundlage der sittlichen Verantwortlichkeit. Ls erübrigt sich im Kreise von Berufsgenossen die hierher gehörigen Bibelstellen und andere Belege änzuführen. Unentbehrlich äst auch die Lehre von der Bestimmung des Menschen, zu immer höheren Stufen geistiger und sittlicher Vollkommenheit fortzuschr eiten. Weisheit und Tugend — des Menschendaseins höchster Wert und oberster Zweck, diese jüd. Weltanschauung können wir nicht preisgeben. Lbenfo wesentlich ist die Lehre von der Gotteskindschaft aller Menschen und von der Bestimmung der Menschheit, durch Wahrheit, Gerechtigkeit und Liebe dem Ideal friedlicher Verbrüderung immer näher zu kommen, den: Ziele, das der Prophet mit den Worten zeichnet: Sie werden nichts Böses tun und kein verderben anrichten auf meinem ganzen heiligen Berge, denn voll wird die Lrde sein von Gotteserkenntnis, wie Wasser den Meeresgrund bedeckt Qef- U, 9)- Wir können uns ein Judentum ohne diese Lehren nicht vorstellen. Aber wo vom wesentlichen Gehalt der jüdischen Religion die Rede ist, kommt nicht allein die Lehre von Gott und die vom Menschen und von der Menschheit in Betracht, sondern auch die Lehre von Israel, von Israels religiöser Aufgabe. Wer diese leugnet, hat dem Judentum als Religion die Daseinsberechtigung abgesprochen. Darum betonen wir', gestützt auf die Worte der Propheten und gestützt auf das damit übereinstimmende Zeugnis einer mehrtausendjährigen Geschichte, daß Israel die religiöse Aufgabe hat, den Gottesglauben in seiner Reinheit zu bewahren, durch die lebendige Kraft des Beispiels und der opferwilligen

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